Darknet, Würmer, positiv sein

Ars Electronica: Ausstellung „ERROR — The Art of Imperfection“ in der Linzer Postcity

Verwirrend viel Medienkunst erwartet Postcity-Besucher. Was hilft: Zeit nehmen.
Verwirrend viel Medienkunst erwartet Postcity-Besucher. Was hilft: Zeit nehmen. © Bildnerische Erziehung, Kunstuniversität Linz

Von Christian Pichler

Die Architektur ist cool. Die imposante Auffahrt ins alte Postgebäude hinaufspaziert, mit dem Gefühl, sich dem Bauch eines Organismus zu nähern. Die herrliche Postcity am Linzer Bahnhof, auch heuer Mittelpunkt des Ars Electronica-Festivals. Viel Leben hier, Technik, Bildschirme, Kabel. Verwirrend.

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Unbrauchbare Waffen aus dem 3D-Drucker

Rechter Hand gleich die erste Station, „Useless Weapons“. Klobige und reizende Dinger in der Auslage, waffenähnlich, bitte nicht berühren, Kunst! Eine freundliche junge Frau erläutert: Die Wienerin Alexandra Ehrlich Speiser hat aus dem Darknet, dem düsteren Geschwisterchen des Internet, Baupläne für Handfeuerwaffen rausgezogen.

Darknet! Dem Besucher bisher nur als Mythos bekannt, wie kommt man da rein? – Jemanden kennen, der einen Zugangscode hat. — Aha. Nun, die Künstlerin hat die Informationen so verändert, dass unbrauchbare Waffen entstehen. Diese dann auf einem 3D-Drucker ausgedruckt, sogenannte „Glitch Art“. Glitch: ein nicht berechenbarer Fehler (Error) im System.

Die Informationsfülle gewaltig, auch an den fünf Ausstellungstagen von „ERROR — The Art of Imperfection“ bis Montag kaum umfassend zu bewältigen, zumal die Post- city heuer noch aufgestockt hat. Auf dem Dachgeschoß (die Ars-Rock ’n‘ Roller sagen dazu „Rooftop“) das Himatsubushi-Laboratorium, auf Deutsch „spielerischer Zeitvertreib“. Das simple Geheimnis, sinnvoll in die Ausstellung einzutauchen: sich Zeit nehmen. Und: fragen! Durchwegs freundliche Menschen helfen weiter.

Hoffentlich beißen die Viecher nicht

Keine Hilfe vorerst nötig bei einem Abstecher in die Halle „Drink Eat“, wo neben der Verköstigung (un-)passenderweise Wurmartiges die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Technoides sich windendes Getier, die Grenzen zwischen Physisch-/Technischem und Emotionalem verschwimmen. Der Besucher zieht die Hand erschrocken zurück, wenn ein Wurm auf Annäherung reagiert und ihm den „Kopf“ zuwendet (bitte nicht beißen!). Seltsam auch, sagt das etwas über den Besucher? Er fühlt sich von dem Ding „angeschaut“.

Weg von Paranoia, rüber zur anderen, bunten und jungen Seite. „Create your world“, hiesiges Raunzertum bleibt außen vor, gestalte selbst deine Welt. Ein Stand macht mit schönem Slogan „Jugend hackt“ neugierig. Zwei junge Männer (freundlich, sowieso) informieren. In Deutschland gibt es unter „Jugend hackt“ Veranstaltungen für sehr begabte Schüler, die sich im normalen Computer-Unterricht eher langweilen. Hier erhalten sie Anleitung, „ihre Fertigkeit einzusetzen. Und zwar nicht für die nächste Shopping- App, sondern für gesellschaftlich Relevantes“. Heute, Freitag, läuft ein Anfängerformat für Technikaffine zwischen 12 und 18 Jahren: Löten, kleine Roboter programmieren, Infos unter jugendhackt.org.

Einige Meter weiter das „Zusammenkommen LAB“, eine der bewusst gesetzten Oasen im Technologiefestival. Die Welt (be-)greifbarer zu machen, jeder kann hier unter Anleitung kochen, nähen. Geschichten werden gesammtelt von — positiven! — Erfahrungen auf der Flucht. Am Samstag findet zum Thema eine Konferenz in der Postcity statt, Beginn 10 Uhr. Alles bei freiem Eintritt.

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Infos unter zusammen-helfen.at/lab2018.