Darm im Gleichgewicht

Rund 100 Billionen Bakterien tummeln sich im Darm. Bei gesunden Menschen finden sie sich im Gleichgewicht, bei kranken nehmen die pathogenen Keime Überhand. Klassische Symptome sind Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Die falsche Keimbesiedelung hat auch Auswirkung auf das Immunsystem.

Digitales Bild der Darmflora. © Alex – adobe.stock.com

Beim Einsatz von Antibiotika lautet das Motto „so wenig wie möglich und so oft als nötig“. Denn neben den Resistenzen kann eine starke Candida-Pilz-Besiedelung als mögliche Nebenwirkung der Medikamenteneinnahme auftreten. „In geringen Mengen ist dieser Hefepilz, der bei Menschen im Darm oder auf den Schleimhäuten zu finden ist, harmlos. Nach der Einnahme von Antibiotika kann sich die Pilzbelastung erhöhen, in der Regel geht sie aber auch allein wieder zurück. Nur bei immungeschwächten Patienten oder wenn es zu relevanten Symptomen kommt, ist eine Therapie erforderlich“, betont Gastroenterologie-Primar Norbert Fritsch vom LKH Freistadt. In leichten Fällen reicht die Reduktion von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln aus.

Typische Symptome einer Pilzinfektion im Verdauungstrakt sind Blähungen oder wiederholt auftretende Durchfälle, häufig im Wechsel mit Verstopfung. Unbehandelt kann sich der Pilz im Darm ausbreiten und in Einzelfällen auch auf andere Bereiche übergreifen. Zudem schwächt er das Immunsystem – ein Kreislauf wird in Gang gesetzt, denn eine geschwächte Abwehr fördert die Candida-Pilz-Besiedelung.

Vorsorgetelefon

Antworten zur Darmkrebs-Vorsorge gibt es jeden Montag von 8 bis 11 Uhr von Dr. Friedrich Anton Weiser, Tel. 0664/3078585 und jeden letzten Freitag im Monat von 9 bis 11 Uhr von Helga Thurnher, Präsidentin der Selbsthilfe Darmkrebs, Tel. 0676/9340746.

„Wichtig ist die Darmflora wieder aufzubauen, die Candida-Besiedelung in normale Grenzen zurückzuführen und den Stoffwechsel zu entlasten bzw. günstig zu beeinflussen“, sagt Fritsch. Auch auf zuckerhaltige Lebensmittel wie Weißbrot, Nudeln, Reis, Kuchen, Wurstwaren, Fast Food und Fertiggerichte sollte in dieser Zeit verzichtet werden. Geeignet, um die Darmflora wieder aufzubauen sind Sauermilch- und milchgesäuerte Produkte wie Joghurt, Kefir und Dickmilch. Grundsätzlich brauche eine Darmsanierung mehrere Wochen Zeit.

Alarm bei Blut im Stuhl

„Alarmzeichen sind aber Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust oder Durchfälle über einen längeren Zeitraum, aber auch wechselnde Stuhlgewohnheiten“, weiß Harald Hofer, Internist am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Unter Mikrobiom versteht man die Gesamtheit aller Bakterien, die sich im Darm aufhalten. In der Regel sind es 100 Billionen. Bei gesunden Menschen befindet sich die Zusammensetzung der Bakterien in einem Gleichgewicht, bei kranken können aber die pathogenen Keime überwiegen“, so Hofer.
Neben einer Antibiotika-Therapie können andere Medikamente, einseitige Ernährung mit hohem Fett- und Zuckergehalt, Mineralstoffmangel sowie chronischer Stress die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern.

Ein rationaler Medikamenteneinsatz, gesunde Ernährung und eine möglichst ausgewogene Mischkost sowie das Meiden von Fertigprodukten und ein Zuviel an Fruktose, wie sie zum Beispiel in Softdrinks enthalten ist, helfen das Mikrobiom im Gleichgewicht zu halten, erklärt der Darmexperte vom Klinikum Wels-Grieskirchen.