Das Comeback der Sommerfrische

Der Urlaub im eigenen Land ist heuer aufgrund der Corona-Pandemie gefragter denn je. In Zell am See, wo normalerweise Touristen aus dem arabischen Raum das Straßenbild prägen, tummeln sich seit der Wiedereröffnung der Hotelbetriebe Mitte Juni vor allem Österreicher und Gäste aus Deutschland. „Die Sommerfrische ist wieder in“, sagt Werner Hörl, Chef des Romantikhotel Zell am See.

Der Zeller See sorgt dafür, dass es auch an heißen Sommertagen in der Nacht abkühlt. © Wernitznig

Aktuell würden drei Mal so viele Einheimische wie in den letzten Jahren in der Region ihren Urlaub verbringen, weiß der Hotelier und Stadtrat von Zell am See, der den Vier-Sterne-Betrieb gemeinsam mit seiner Ehefrau Sabine in der vierten Generation führt.

Neben Wandern und Radfahren bzw. Mountainbiken ist es für Hörl vor allem die klassische Sommerfrische, welche die Menschen an den Badesee mit Trinkwasserqualität im Salzburger Pinzgau zieht. Speziell ältere Gäste und Menschen, die der sommerlichen Hitze in Städten wie Linz oder Graz entfliehen wollen, würden die vergleichsweise kühlen Nächte schätzen, für die der Zeller See verantwortlich sei.

Das wussten schon seit jeher viele Künstler zu schätzen. Der Schriftstelle Stefan Zweig etwa wollte ab dem Jahr 1923 im Juli und August dem Trubel der Salzburger Festspiele entfliehen, um in Abgeschiedenheit und Ruhe arbeiten zu können.

Franz-Josefs-Höhe mit Sicht auf den Großglockner ©Wernitznig

Zunächst wohnte Zweig im Grand Hotel in Zell am See, das heuer unter dem Totalausfall arabischer Gäste leidet, in den Jahren 1931 und 1932 dann in der zu einem kleinen Landhaus umgebauten Bootshütte der Familie Blaickner in Thumersbach. Hier arbeitete der Literat intensiv u.a. an der „Postfräuleingeschichte“ und sehr wahrscheinlich auch an seiner „Marie Antoinette“.

Im Stadtteil Schüttdorf erinnert eine nach Zweig benannte Straße an den großen Schriftsteller. Die Alfred-Kubin-Straße ist dem 1959 in Wernstein am Inn verstorbenen Zeichner Alfred Kubin gewidmet, der im Alter von fünf Jahren in die Pongauer Bezirkshauptstadt kam.

Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und Sport

Neben den Sport- und Bademöglichkeiten ist für Hörl auch die Vielzahl an Ausflugsmöglichkeiten in der näheren Umgebung ein großes Plus der Region Zell am See-Kaprun. So befindet sich gleich ums Eck die bei den Skifahrern beliebte Schmittenhöhe. Wer noch höher hinauf will, auf den wartet Gletscherfeeling am Kitzsteinhorn in Kaprun. Auf der Fahrt dorthin lohnt sich ein Halt bei den Hochgebirgsseen. Abenteuerlustige wiederum haben in St. Martin, Weißbach Taxenbach gleich drei Klammen zur Auswahl.

Ein absolutes Muss für jeden Urlauber sind aber die gut 50 Kilometer entfernten Krimmler Wasserfälle und in der entgegengesetzten Richtung die Großglockner Hochalpenstraße. Letztere bietet mit mehreren Haltemöglichkeiten unvergleichliche Ausblicke auf die einzigartige Bergwelt der Hohen Tauern mit dem Großglockner als Höhepunkt.

Der mit 3798 Metern höchste Berg Österreichs ist Anziehungspunkt für Ausflügler und Urlauber aus aller Herren Länder. Kann man doch auf der Franz-Josefs-Höhe Murmeltiere füttern und Steinböcke beim Sonnenbad beobachten. Und sollte es einmal regnen, bildet die rund 90 Kilometer entferne Stadt Salzburg ein ideales Schlechtwetterprogramm.

Prominente Familien prägen Stadt

Untrennbar mit Zell am See sind auch die Namen Porsche und Trapp verbunden. Der reichsten Familie Österreichs gehören hier nicht nur mehrere Immobilien, sie halten auch einige Beteiligungen wie etwa an der Schifffahrt und der Seilbahn. Aufsichtrats- chef Wolfgang Porsche verbringt viel Zeit am Stammsitz Schüttgut. Und auch einen Konnex zum Romantikhotel gibt es.

Um den 1493 erstmals erwähnten Metzgerwirt errichtet die Familie Hörl mit dem Romantikhotel und anschließend dem Fischerwirt einen gemütlichen Hotelbetrieb, der für Erholung und Gemütlichkeit bürgt. ©Comma PR

Werner Hörls Bruder Wolfgang führt das von den Porsches übernommene und in ein Familienbetrieb umgewandelte Hotel Amiamo. Hier verbrachten früher viele Mitarbeiter aus dem Stuttgarter Porsche-Werk ihren Erholungsurlaub.
Und in den Erlhof, der heute im Besitz des Autoclans – konkret des Piech-Zweigs – steht, zog 1914 die erste Familie des Barons von Trapp ein, weltbekannt durch den Film „Sound of Music“.

Hier wurden vier Kinder – Maria, Werner, Hedwig und Johanna geboren und im Haus eifrig musiziert. Bis 1935 genoss hier die Familie des Marineoffiziers die Sommerfrische. Pikanterweise verlor der Baron in diesem Jahr sein Geld, das er bei der Lammer-Bank in Zell am See angelegt hatte, als diese 1935 Konkurs anmelden musste. Daher gründete seine Frau noch im selben den Kammerchor Trapp unter der Leitung des Hauskaplans Franz Wasner – die Basis für einen Welterfolg war gelegt.

Für Hörl soll das Comeback der Sommer- frische aber keine Eintagsfliege sein: „Wir müssen intensiv darüber nachdenken, wie wir für junge Leute noch attraktiver werden und sollten verstärkt regional denken, indem wir vor Ort einkaufen und Partnerschaften mit der regionalen Landwirtschaft schließen.“ Da Zell am See über einen Bahn- anschluss verfügt, wären für den Pinzgauer Hotelier Nachtzüge aus Deutschland, den Niederlanden und Italien sinnvoll. „Es muss nicht sein, dass fast alle Urlauber mit dem Flugzeug anreisen.“

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