Das Fell des Kaninchens

Munteres Erkunden: Tribüne Linz spielt „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder

V. l. Paula Kühn (Mutter), Tom Büning (Alberto Knox) und Gina Christof (Sofie)
V. l. Paula Kühn (Mutter), Tom Büning (Alberto Knox) und Gina Christof (Sofie) © Reinhard Winkler

Wer bin ich? Ein Blick Sofies in den Spiegel, na das bin ich! Blöd jetzt, ich und Spiegelbild können nicht dieselben sein. Im zweiten Brief eine weitere knifflige Frage, woher kommt die Welt? Die bald 15-jährige Sofie entflammt für das Abenteuer des Denkens, ihre brave Mutter (Paula Kühn) irritiert von den seltsamen Fragen und Gedanken. Nimmt das arme Kind gar Drogen?

Premiere von „Sofies Welt“, dem Bestseller von Jostein Gaarder in der Theaterfassung von Karlheinz Komm, war am Donnerstag in der Tribüne Linz. Eine fließende Inszenierung, schwierige Gedankengänge anschaulich und mit Witz vermittelt. Raffiniertes Licht (Michael Kment) leuchtet die Winkel der Erkenntnis aus, was ist deren Gipfel? Bis heute die subversive Einsicht des Superstars unter den antiken Philosophen, Sokrates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Gina Christof spielt eine quirlige Sofie mit Heißhunger auf die geistige Nahrung, die ihr der Briefeschreiber und Lehrmeister Alberto Knox (Tom Büning) darreicht. Nachvollziehbar der epochale Moment, als sich der Mensch aus dem trüben Sumpf erhob und endlich — fragte! Entthronte Götter, ein wütender Thor erscheint Sofie im Traum. Nutzlos geworden er und sein Schwert, mit dem er über die Jahreszeiten herrschte. Entblößt auch Helden andernorts, der Nibelunge Siegfried von Sofie ein „aggressiver dummer Bodybuilder“ gescholten.

Insgesamt 27 Rollen verteilt auf drei Schauspieler, rapider Rollenwechsel, einsehbar und aufklärend: Menschen spielen Bedeutung und Bedeutsamkeit. Tom Büning erntet als Siegfried, nur mit goldener „mythologischer Unterhose“, heftige Lacher. Büning als weiser Lehrer Knox, als Magier, der ein Kaninchen in Sofies Hände zaubert. Das Kaninchen die Welt, sein Fell eine gemütliche Bleibe, bloß die Philosophen stören. Wie Sokrates. Paula Kühn gibt den Weisen heiter-gleichmütig, angesichts der Todesstrafe: „Wie soll sich ein Mensch bessern, wenn man ihn tötet?“

Die elementare Pointe der Story, überlagernde Realitäten, elegant wie das Schälen einer Zwiebel freigelegt. Wer schreibt Sofie? Regisseurin Cornelia Metschitzer schafft den Balanceakt, unterhält spielerisch junges Publikum und macht hoffentlich neugierig.

Knoxens Unterweisung fruchtet, Sofie („die Weise“) hinterfragt auch die abendländische Philosophie. Es ist eine von Männern gemachte. Riot Girl, recht hat sie!

Bis 20. März
Karten: Tel. 0699/11 399 844

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