Das geht ganz schön ins Geld

Ein Blackout, ein großflächiger Stromausfall, kostet pro Stunde zwischen 20 und 90 Millionen Euro

Wie wahrscheinlich ein Blackout eintritt, vermag niemand mit Sicherheit vorherzusehen, sind sich die beiden Strom-Experten Michael Haselauer (l., Netz Oberösterreich GmbH) und Kurt Misak (r., Austrian Power Grid) einig.

Von Oliver Koch

Die sichere Versorgung mit Strom ist ein entscheidender Faktor für den Wirtschafts- und Industriestandort Oberösterreich. Aktuell ist die Versorgungssicherheit in Oberösterreich und Österreich im Europavergleich überdurchschnittlich hoch. Doch was passiert, wenn der Strom ausbleibt, es zu einem großflächigen Ausfall des Stromnetzes kommt, der nicht nur Österreich sondern im schlimmsten Fall auch weite Teile Europas betrifft? Dann spricht man landläufig von einem Blackout, der naturgemäß weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen nach sich zieht.

99.9 Prozent Verfügbarkeit

Generell verfügt Österreich über eine hohe Strom-Versorgungssicherheit, die Kurt Misak, verantwortlich für die Versorgungssicherheit in der Austrian Power Grid (APG), mit 99,9 Prozent beziffert. Die 500 Mitarbeiter zählende APG mit Sitz in Wien verwaltet die Hochspannungsleitungen beziehungsweise das übergeordnete Stromnetz in Österreich in Abstimmung mit den heimischen Energieversorgern und Netzbetreibern im Ausland. „Wir bilden sozusagen das Rückgrat des Stromnetzes und das heimische Stromnetz ist eines der sichersten weltweit“, betont Misak im Gespräch mit dem VOLKSBLATT. Aber: „Die Bedrohungen an die Versorgungssicherheit haben sicherlich zugenommen“, sagt Misak, der als Ursachen „viel kurzfristigere Effekte“ sowie „überraschende Stromflüsse“ nennt, unter anderem bedingt durch die in den vergangenen Jahren vermehrt errichteten Wind- und Photovoltaikanlagen. Deshalb käme der APG eine so zentrale Bedeutung zu, „denn nur durch unser Eingreifen konnten Blackouts bislang in Österreich vermieden werden“. Der wirtschaftliche Schaden infolge eines Blackouts wäre jedenfalls enorm. Laut Misak gehen Studien von 20 bis 90 Millionen Euro für Österreich aus – pro Stunde, abhängig von Jahreszeit, Wochentag und Uhrzeit. Johannes Zimmerberger, technischer Geschäftsführer der Linz Netz GmbH beziffert den Schaden für Oberösterreich bei einem 24-stündigen Blackout mit ungefähr 230 Millionen Euro. Versicherbar sei dies nicht, da dies höhere Gewalt sei.

Die Wiederherstellung der Netze erfolgt jedenfalls Schritt für Schritt. Gestartet wird laut Michael Haselauer, technischer Geschäftsführer der Netz Oberösterreich GmbH, bei den sogenannten schwarzstartfähigen Kraftwerken. Ein solches sei etwa das Wasserkraftwerk Ranna im Mühlviertel oder die Kraftwerke in Kaprun (Salzburg) und Malta (Kärnten). „Danach werden unter Federführung der APG Schritt für Schritt die Netze und Kraftwerke zugeschaltet, wobei die Stromversorgung in den Ballungszentren Priorität hat“, so Haselauer. Doch während der Fehlerort meist unmittelbar oder nach wenigen Minuten lokalisiert ist, könne die Suche nach der Ursache (umgestürzter Baum, defekte Anlage, Probleme bei der Stromspannung) auch einige wenige Stunden in Kauf nehmen. Läuft alles nach Plan, sollte laut Misak die Stromversorgung binnen zehn bis 24 Stunden hergestellt worden sein. Bei einem europaweiten Blackout kommen Österreich und der Schweiz zentrale Bedeutung zu. „Dann würde die Stromversorgung aufgrund der Wasserkraftwerke von den beiden Ländern gestartet werden“, so Misak.

Doch wie wahrscheinlich ist nun tatsächlich ein Blackout? „Diese Frage kann niemand seriös beantworten, weil die Erfahrungswerte fehlen“, sagt Misak. Bislang gab es in Österreich erst einen einzigen diesbezüglichen Vorfall: Nach einem Waldbrand in Deutschland am 13. April 1976 waren fünf Bundesländer für längere Zeit ohne Strom.