Das große ABC der Erstkommunion

Rund um Christi Himmelfahrt ist in der Diözese Linz die Zeit der Erstkommunion. Wie so viele Eltern, Lehrer und Pfarrer überlässt auch das Kirchenrecht in dieser Zeit nichts dem Zufall! Von den Zutaten bei der Herstellung der Hostien über die Zusammensetzung des Messweins bis hin zum Alter der Erstkommunionkinder — alles läuft nach strengen Regeln ab.

Wasser, reines Weizenmehl — und sonst nichts: Das Kirchenrecht schreibt fest, woraus Hostien bestehen dürfen. Insbesondere dürfen der Teigmasse keine Triebmittel wie Hefe, Natron oder Eiweiß beigemengt werden.
Wasser, reines Weizenmehl — und sonst nichts: Das Kirchenrecht schreibt fest, woraus Hostien bestehen dürfen. Insbesondere dürfen der Teigmasse keine Triebmittel wie Hefe, Natron oder Eiweiß beigemengt werden. © Emma- stock.adobe.com

Von Harald Gruber

A wie Alter. Traditionell sind in Österreich die Kinder der 2. Klasse Volksschule die Kandidaten für die Erstkommunion. Doch warum eigentlich diese Kinder? Warum nicht schon Kindergartenkinder oder erst die Zehnjährigen? Die Praxis mit den Achtjährigen geht zurück auf einen Erlass von Papst Pius X. im Jahr 1910. Darin heißt es: „Das Unterscheidungsalter, sowohl für die Beichte als auch für die heilige Kommunion, ist dann, wenn das Kind zu denken beginnt. Das bedeutet, ungefähr ab dem siebten Lebensjahr, manchmal etwas später, jedoch auch früher. Von dieser Zeit an beginnt die Pflicht, dem Doppelgebot der Beichte und der Kommunion Genüge zu leisten.“ So Rom im Jahr 1910.

Brot, Wein, Wasser

Auch was „beim Tisch des Herrn“ in der Messe aufgetischt wird und werden darf, ist kirchenrechtlich festgeschrieben — und in jüngster Vergangenheit 2017 weltweit den Bischöfen noch einmal eindringlich in Erinnerung gerufen worden. „Das hochheilige eucharistische Opfer muss mit Brot und Wein, dem ein wenig Wasser beizumischen ist, dargebracht werden“, so das Kirchenrecht.

Nur ja keine Hefe!

Wobei die Hostie (abgeleitet vom lateinischen Wort hostia = Opfergabe) neben Wasser nur „aus reinem Weizenmehl zubereitet und noch frisch sein muss, so dass keine Gefahr der Verderbnis besteht.“ Erläuternd fügt das Kirchenrecht ausdrücklich hinzu, laut „alter Überlieferung der lateinischen Kirche“ müsse für Hostien unbedingt „ungesäuerter“ Teig verwendet werden — heißt: Niemals Triebmittel wie Hefe etc. einsetzen!

2017 ein Mahnschreiben

Nur so werde den alttestamentlichen Überlieferungen vom Auszug der Juden aus ägyptischer Gefangenschaft und neutestamentlichen Schilderungen vom letzten Abendmahl Jesu kulinarisch-liturgisch entsprochen. Für den Messwein beinhaltet das Kirchenrecht die folgenden Qualitätsvorschriften: „naturrein“, „aus Weintrauben gewonnen“ und „nicht verdorben“.

2017 musste der Vatikan in diesen Angelegenheiten noch einmal nachlegen — Auslöser war eine wildwüchsige Ausbreitung des Angebots an Hostien und Messweinen. Dazu das vatikanische Schreiben an alle Bischöfe der Weltkirche: „Waren es bisher meist Ordensgemeinschaften, die Brot und Wein für die Feier der Eucharistie zubereiteten, so finden sich heute auch Angebote in Supermärkten, anderen Geschäften und im Internet.“ Empfehlung des Vatikans: Finger weg von zweifelhaften Diskont-Angeboten und Vergabe bischöflicher Zertifikate für unbedenkliche Ware! Dann noch eine Mahnung an vermeintliche Hostien- und Weinpanscher: „Jene, die Brot und Wein für die Eucharistie herstellen, müssen sich bewusst machen, dass ihr Werk auf das Messopfer hingeordnet ist. Dies verlangt von ihnen Rechtschaffenheit, Verantwortung und Kompetenz.“

Weder Zucker noch Honig

Tja, die Weltkirche ist bunt. Und offenbar gab es darin bis zuletzt Versuche, „Brot und Wein“ je nach klimatischen Bedingungen und kulinarischen Gepflogenheiten dort und da flexibel zu interpretieren. Nicht umsonst weist der Vatikan in seinem Schreiben an die Bischöfe 2017 auf zwei Punkte ganz dezidiert hin: „Es ist ein schwerer Missbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig beizufügen“. Und: „Es darf kein Vorwand zugunsten anderer Getränke jedweder Art zugelassen werden, die keine gültige Materie für Messfeiern darstellen!“ Punktum.

Kein Wein — keine Messe

Da hallen also 2017 noch immer Praktiken und Vorfälle wider, die man eigentlich weit in der Vergangenheit ansiedeln würde. So gab es z. B. im 19. Jahrhundert eine theologische Schriftenreihe mit Anleitungen für Priester, die Inhaltsstoffe von Hostien und die Zusammensetzung von Messweinen quasi chemisch zu überprüfen. Oder aus dem Mittelalter Berichte über die Verwendung von Bier und Gerstenbrot bei Messfeiern in Skandinavien, beziehungsweise über den massenhaften Export von Mess-tauglichem Wein in die portugiesischen Missionsstationen nach Südostasien und Brasilien.

Wo kein Wein einlangte, fielen im Mittelalter die Gottesdienste aus. Oft über Jahrzehnte hinweg! Christen auf Island und Grönland holten sich im 14. Jahrhundert dagegen vom Papst die offizielle Erlaubnis ein, aus Rosinen Traubensaft anzusetzen und diesen in den Messen zu verwenden — berichtet zumindest der protestantische deutsche Theologe Anselm Schubert in seinem 2018 erschienenen Buch „Gott essen. Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls“.

Ananassaft statt Wein

Er ist es auch, der über weitere Kuriositäten im Umgang mit den römischen Vorgaben für Brot und Wein berichtet. So gibt es historische Gemälde, auf denen Jesus beim Abendmahl den Jüngern Bier und Schinken reicht. Oder ein Bild aus dem Peru des 18. Jahrhunderts, auf dem Jesus beim Abendmahl die regionale Spezialität gebratenes Meerschweinchen genießt. Oder mittlerweile legendäre Berichte über Ananassaft, Bananensaft, Johannisbeersaft oder Cola statt teurem Messwein Afrika und Asien.

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