Das Hoffen auf den „Wow-Effekt“

Aktuell kommen rund 70 Prozent der Touristen, die Weißrussland und vor allem seine Hauptstadt Minsk besuchen aus Russland. Durch die Ausrichtung der Europaspiele soll eine weitere Öffnung gen Westen gelingen. Das VOLKSBLATT durfte die 2-Millionen-Einwohnerstadt im Vorfeld des Events besuchen. Ein Reisebericht:

Die römisch-katholische Kirche des Heiligen Symeon und der Heiligen Helena am Unabhängigkeitsplatz wird aufgrund der Farbe der Backsteine auch „Rote Kirche“ genannt. © Mitchell

Von Tobias Hörtenhuber

Als die Einladung zur Pressereise nach Minsk im Vorfeld der 2. European Games (21. bis 30. Juni) relativ kurzfristig in der Redaktion eintrudelte, war die Neugier schnell geweckt. Die Verbindung mit der weißrussischen Hauptstadt beschränkte sich ehrlicherweise nur auf die erfolgreiche Qualifikation unserer Kicker für die WM 1998, als Weißrussland in Minsk mit 1:0 besiegt und die Teilnahme mit einem 4:0 zuhause fixiert worden war.
„Wir hoffen auf den Wow-Effekt“, beschrieb Andrei Molchan, Direktor im Sport- und Tourismusministerium, die Erwartung, die man in die Europaspiele setzt. Doch ist dies realistisch?

Der erste Eindruck

Der Blick aus dem Hotelzimmer im vierten Stock auf den imposanten Unabhängigkeitsplatz entschädigte für den etwas grimmigen Empfang durch den Grenzbeamten am Flughafen, der dem Gast aus Österreich etwas misstrauisch gegenüberstand. Ansonsten war der erste Eindruck, aber ein positiver: sauber, viel Platz, viel Grün und modern.

Die Hauptverbindung

Eine Straße begleitete unsere Gruppe über die gesamten vier Tage — die 15 Kilometer lange, breite Straße der Unabhängigkeit“. 80 Prozent der Stadt wurden während des zweiten Weltkriegs zerstört, wurde uns des Öfteren erzählt — der Neuaufbau gut umgesetzt. Entlang der zentralen Verbindung befinden sich fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten: Palast der Republik, Unabhängigkeitsplatz, Siegesplatz, Minsk Arena, Nationalbibliothek, Weltkriegsmuseum, Nationalzirkus, um nur einige zu nennen. Außerdem zieren einige imposante Wohngebäude den Weg.

Die Kulinarik

Typisch weißrussische Küche wurde uns versprochen und genau das bekamen wir auch geboten. Wobei uns gleich beim ersten Mittagessen ein Fehler unterlaufen war. Ausgehungert vom Besuch des renovierten Dinamo Stadions stürzten wir uns begierig auf das am Tisch üppig aufgetischte kalte Buffet. Es war nur die Vorspeise… Danach kamen nämlich noch traditionelle Pilzsuppe und überbackenes Hühnerfleisch. Das köstliche Fazit: Ob neu eröffnetes Nobel-Restaurant im Stadtzentrum, „Heuriger“ etwas außerhalb oder bodenständiges, älteres Lokal — in der Landesküche findet sich für jeden Geschmack etwas und über einen nicht gefüllten Bauch braucht man sich wahrlich keine Sorgen zu machen.

Das Nachtleben

Tja, was soll man sagen — das Nachtleben bietet reichlich Abwechslung. Ob einen versteckten Bierkeller, den wir nur dank unseres Reiseführers Dimitri fanden, einen gepflegten Biergarten, eine vollgestopfte Disco oder einfach eine gemütliche Bar — auf der einzigen „Ausgehmeile“ der 2-Millionen-Einwohner-Stadt kommt jeder auf seine Rechnung. Einheimische und Touristen machen die Nacht zusammen zum Tag.
Der Rundlauf

Mit sieben Parks bietet Minsk viel Erholungsraum. Also schnürten wir die Laufschuhe, und drehten vor dem Abendessen eine Runde im „Siegespark“. Wer allerdings meint, hier auf zahlreiche Gleichgesinnte zu treffen, der irrt. Zu einer Zeit, wo in Österreich Laufbegeisterte die Erholungszonen einer Stadt fast überschwemmen, waren wir die große Ausnahme — umgeben von gut gelaunten Spaziergängern, pfeifenden Radfahrern, entspannten Anglern und sonnentankenden Trettbootfahrern.

Das Fazit

Am Ende der viertägigen Reise herrschte in unserer Gruppe die übereinstimmende Meinung, dass unsere Erwartungen übertroffen wurden, Minsk auf jeden Fall eine Reise wert war. Der Anfangs erwähnte „Wow-Effekt“ könnte bei Sportlern und Fans durchaus einsetzen und die Europaspiele damit das Land tatsächlich weiter öffnen.

Daten und Fakten: MINSK

Staat: Weißrussland
Gegründet: 1067
Meereshöhe: 280 m
Fläche: 348,85 km²

Einwohner: 1.982.000
Bevölkerungsdichte: 5681 Einwohner je km²
Zeitunterschied: + 1 Stunde
Flugzeit Wien – Minsk: ca. 1:30 Stunden

Bürgermeister: Andrej Schorez
Webpräsenz: www.minsk.gov.by

Auszug Wikipedia: Minsk ist die Hauptstadt und gleichzeitig mit etwa 1,981 Millionen Einwohnern (Stand 2018) größte Stadt Weißrusslands. Sie ist zudem Hauptstadt der Minskaja Woblasz (Verwaltungsbezirk/Anm.) und Sitz der GUS sowie das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Weißrussland mit Hochschulen und Fachschulen sowie zahlreichen Kirchen, Theatern und Museen.
Minsk hat eine wichtige Funktion als internationaler Verkehrsknotenpunkt in Osteuropa. Hier kreuzen sich die Verkehrswege für Eisenbahn- und Straßenverkehr von Paris nach Moskau und von Nordeuropa in die Ukraine.

Neben den vielen Sehenswürdigkeiten sind auch riesige Wohnblöcke im Stadtzentrum ein echter Blickfang.

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