„Das ist ein Haus mit einer ganz unheimlichen Stärke“

TOG-Chef Thomas Königstorfer über die Burg, Möglichkeiten des Landestheaters und die Konkurrenzsituation in Linz

Es gelte, die eine oder andere harte Nuss zu knacken, sagt Königstorfer.
Es gelte, die eine oder andere harte Nuss zu knacken, sagt Königstorfer. © Burgtheater / Georg Soulek

VOLKSBLATT: Sie haben den gesamten Entstehungsprozess des Musiktheaters bis zur Eröffnung 2013 begleitet, in den letzten fünf Jahren haben Sie das Burgtheater saniert. Nun kommen Sie zurück, die Erwartungen sind hoch. Wie gehen Sie an diese neue, alte Aufgabe heran?

KÖNIGSTORFER: Ich hoffe, dass die Erwartungen nicht zu hoch sind, weil Theater doch immer etwas ist, wo viele Menschen gemeinsam an einer Sache arbeiten. Ich habe diese vergangenen fünf Jahre am Burgtheater auch durchaus so erlebt, dass wir quer durch die Abteilungen übergreifend als Mannschaft etwas zuwege gebracht haben. So will ich meine Rolle auch in Linz wahrnehmen.

Zur Person

Thomas Königstorfer (Jahrgang 1966) wuchs in Linz auf, er studierte an der JKU Wirtschaftsinformatik. Beim ORF OÖ begann er als freier Mitarbeiter und Moderator und baute weiters die Marketingabteilung auf. 1997/98 leitete er in der Generalintendanz den Marketingbereich. 2000 wurde er kaufmännischer Direktor von Landestheater und Bruckner Orchester, 2013 kaufmännischer Chef am Wiener Burgtheater, das er sanierte. Nun ist er als TOG-Chef nach OÖ zurückgekehrt.

Was nehmen Sie aus Wien an Erfahrungen mit?

Ein ganzes Bündel von Erfahrungen. Ich glaube, das Zentralste ist, dass ein Haus, wenn es geeint arbeitet, unheimlich mächtig und unheimlich kräftig sein und Berge versetzen kann. Jetzt geht es in Linz nicht darum, Berge zu versetzen, aber wir stehen doch davor, die eine oder andere etwas härtere Nuss knacken zu müssen.

Was ist Ihrer Meinung nach am Landestheater in letzter Zeit nicht so gut gelaufen? Die Besucherzahlen sind ja zurückgegangen.

In der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für 2016/17 befindet sich Linz unter den zwölf meistbesuchten Theatern im gesamten deutschen Sprachraum. Bei den Besucherzahlen unter der Verantwortung einer Intendanz liegt Linz sogar auf Platz sieben und befindet sich in Gesellschaft der Staatsopern in Wien, München und Hamburg, des Burgtheaters. Wir reden hier über ein extrem hohes Niveau. Der Publikumszuspruch ist um 11.000 niedriger als in der Vorsaison, aber ein bisschen kommt es mir so vor, als ob Sebastian Vettel grad die Poleposition versäumt hätte und nur auf dem zweiten Startplatz steht. Das ist ein Haus mit unheimlicher Stärke; wenn du mehr als 300.000 Besucher in diesem Bundesland motivieren kannst, Jahr für Jahr ins Theater zu gehen! Auf der anderen Seite hat man jetzt schon eine überregionale Wahrnehmung mit Koproduktionen und Tourneen. Die beiden Dinge voranzutreiben motiviert einen Markus Poschner, einen Hermann Schneider und mich.

Bis wann sind Änderungen zu erwarten und wie könnten die aussehen?

Da gibt es ein Bündel an Überlegungen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir prüfen, inwieweit wir es schaffen, ein Mehr an Vorstellungen schon in den ersten Wochen und Monaten der nächsten Saison anzubieten.

Sie haben 2013 gemeint, das Musiktheater-Foyer würde sich gut für Modeschauen etc. eignen. Sollte man das Haus für solche Veranstaltungen öffnen? Ins Brucknerhaus hat man ja auch welche geholt, die früher undenkbar waren.

Das ist sicher ein Zugang – mit einer Einschränkung: Im Gegensatz zum Brucknerhaus haben wir hier unser spielendes Ensemble, Orchester, Chor etc. Wenn ich mit dem Ensemble einen Abend spielen könnte und dort Ticketeinnahmen von sagen wir 30.000 Euro habe, wäre es widersinnig zu sagen, ihr bleibt zuhause und wir vermieten den Raum für 10.000 Euro. Es kommt aber zunehmend auf uns zu, dass wir über das Kerngeschäft, Premieren zu entwickeln, hinausgehen und schauen müssen, wo wir zusätzlich Geld verdienen können, ob das jetzt Vermietungen sind, der Bereich Sponsoring …

Spielt Konkurrenz zwischen Musiktheater und Brucknerhaus eine Rolle? Gibt es ein Überangebot?

Wenn ich bei uns mehr als 300.000 Besucher habe, kann ich das Überangebot nicht erkennen. Dass es immer Vorstellungen gibt, die besser ausgelastet sind und andere, die schlechter ausgelastet sind, liegt völlig in der Natur der Sache. Wenn ich es geschickt mache als Theater, werde ich auch mit einer Vorstellung, die vielleicht nur zu 60 Prozent ausgelastet ist, immer noch einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaften. Ich finde eine Konkurrenzsituation per se nichts Schlechtes, sie darf nur nie destruktiv oder gehässig sein.

Haben die Gespräche mit Brucknerhaus-Chef Dietmar Kerschbaum schon begonnen, zeichnet sich vielleicht bereits Konkretes ab?

Was wir jetzt momentan zu besprechen beauftragt sind, ist die Zukunft der Sinfonie-Konzerte des Bruckner Orchesters – wo sie stattfinden, wie sie stattfinden, wie man mit Ticketeinnahmen, Kosten etc. umgeht.

Muss Linz nun für Auftritte des Bruckner Orchesters im Brucknerhaus zahlen?

Wir sind gerade am Beginn der Gespräche, wo es zu früh ist, irgendwelche Positionen zu beziehen. Jetzt sagt die Stadt, wir wollen die 5,8 Millionen Euro nicht mehr zahlen und hat mit der Kündigung des Theatervertrages fürs Erste die Grundlage von Sinfonie-Konzerten des Bruckner Orchesters im Brucknerhaus ab 1.1.2020 gekündigt. Jetzt müssen wir halt schauen, was das heißt.

Was denken Sie über die anstehende Vertragsverlängerung mit Intendant Hermann Schneider?

Es steht mir nicht zu, Empfehlungen zu geben, aber so, wie ich ihn jetzt kennengelernt habe, ist Hermann Schneider jemand, der diesem Theater mit seiner Vernetzung einen unheimlichen Schub in Richtung Internationalisierung und überregionaler Wahrnehmung gebracht hat. Er hat einfach ein unheimliches Gespür… etwa dass er „Penthesilea“ im Spielplan hat, diese Koproduktion mit Bonn, Peter Konwitschnyi ist genau mit dieser Produktion als Opernregisseur des Jahres 2018 ausgezeichnet worden.