Das Jahrzehnt der Silberlöwen

2020er-Jahre werden Ära der Senioren am Arbeitsplatz — Noch liegt Österreich zurück

Die 2020er-Jahre gehören den Senioren am Arbeitsplatz: Das prognostiziert das Zukunftsinstitut. Noch braucht es dafür in Österreich aber zusätzliche Impulse.
Die 2020er-Jahre gehören den Senioren am Arbeitsplatz: Das prognostiziert das Zukunftsinstitut. Noch braucht es dafür in Österreich aber zusätzliche Impulse. © auremar - stock.adobe.com

Von Harald Gruber

Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstitutes Wien, ist sich sicher: „Silver Society bedeutet eine Umcodierung der Wirtschaft, die sich im kommenden Jahrzehnt deutlich zeigen wird.“ Unternehmer seien gut beraten, sich den Erfahrungsschatz älterer Mitarbeiter zu sichern und damit ruhige Hände im Betrieb zu halten.

Daten der Oö. Landesregierung zeigen, dass dies schon unter quantitativen Gesichtspunkten höchst notwendig sein wird:

Fachkräfte heiß begehrt

Die Stellen für Fachkräfte in der oö. Wirtschaft steigen von derzeit 706.000 bis 2030 auf 753.000. Gleichzeitig sinkt aufgrund der demographischen Rückgänge die Zahl neuer Bewerber, sodass die Fachkräftelücke von derzeit 20.000 auf 127.000 anzusteigen droht. Am prekärsten ist dabei laut Daten der Oö. Landesregierung die Lage im Dienstleistungssektor, in Industrie, Gewerbe und Handwerk sowie im Handel.

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Umfragen zeigen das Arbeitskräftepotenzial in der älteren Generation Österreichs. Im Vorjahr antworteten beispielsweise in einer Umfrage für „senior4success“ 41,9 Prozent der 45+, nach der Pensionierung auf jeden Fall weiterarbeiten zu wollen, weitere 24,3 Prozent haben eine Tendenz dahin. Wobei es laut der Umfrage für jede(n) Dritte(n) darum geht, im jetzigen Beruf zu bleiben und für ein weiteres Drittel darum, das Know-how in anderen Bereichen anzubieten.

Österreich weit zurück

Dass es Chancen und Möglichkeiten gibt, Männer und Frauen auch nach Erreichung des (gesetzlichen) Pensionsalters im Erwerbsleben zu halten, zeigt der europaweite Vergleich der Erwerbstätigenquoten. Laut Eurostat waren 2018 in Österreich 12,2 Prozent der 65-69-jährigen Männer noch erwerbstätig, EU-weit waren dies aber 17,2 Prozent und in den Spitzenländern Island (63,5 %), Norwegen (35,7 %) und Estland (34,5 %) noch einmal deutlich mehr. Das gleiche Bild bei den Frauen: Die Quote der 60-64-jährigen Frauen im Erwerbsleben beträgt in Österreich laut Eurostat 18,6 Prozent, der EU-Schnitt liegt bei 37,8 Prozent und die Spitzenländer Island (72,9 %), Schweden (67,7 %) und Estland (60,5 %) liegen neuerlich deutlich vor Österreich.

Schaffen die das?

Bleibt die Frage, inwieweit die Älteren nicht nur länger arbeiten wollen, sondern dies auch schaffen? 2018 wurden laut Pensionsversicherung 7567 ÖsterreicherInnen nach einem Frühpensionsantrag zunächst in eine Rehabilitation überwiesen — 3636 Männer und 3931 Frauen. Die dominierenden Krankheitsbilder waren dabei laut Pensionsversicherung Psychiatrische Erkrankungen (4266), Krebs (808), Leiden am Bewegungsapparat (839) sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (453). 16.609 Menschen wurden 2018 letztlich dauerhaft in die Berufsunfähigkeitspension aufgenommen.

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