Das klingende Wien aus der Feder dreier Genies

Ein volles Brucknerhaus für Michi Gaigg und ihr L'Orfeo Barockorchester in der Sonntag-Matinee mit der weltberühmten Violonistin Midori Seiler

Midori Seiler spielte im Linzer Brucknerhaus auf.
Midori Seiler spielte im Linzer Brucknerhaus auf. © R. Winkler

Eine höchsterfreuliche Bilanz vom Sonntag-Bonuskonzert der Matineereihe: Ein volles Brucknerhaus, ein Spezialprogramm und eine prominente Barockgeigerin, alles entsprechend anziehend. Dann war allerdings gerade die weltberühmte Violinistin deutsch-japanischer Herkunft Midori Seiler (50) nicht die erwartete Offenbarung. Im Teenager-Outfit sprang sie auf die Bühne, um das Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216 des 19-jährigen Mozart freimütig, ihrer Solorolle bewusst, zu demonstrieren. Beim Musizieren mit dem L‘Orfeo Barockorchester war eine gewisse Distanz nicht zu überhören, war noch so sehr die Kommunikation zu bewundern, mit der sich die historischen Aufführungspraktiker um die Gemeinsamkeit bemühten.

Ein unerwarteter Haydn-Satz als Zugabe verlief in gleichen Bahnen. Wohl mit Absicht in das Spezialprogramm genommen, weil in diesem ausgerechnet ein Haydn-Werk fehlte. Und mit Mozart, Beethoven und Schubert Komponisten und ihre Wiener Zeit im Blickfeld standen. Kluge Gegenüberstellungen der Genies, die zwangsläufig voneinander profitierten.

Feingefühl und Prägnanz in der Zeichengebung

Haydns Geist atmete sonst nicht nur einmal zum Beispiel aus der Schubert-Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485 aus 1816, dem ersten klassizistischen der gespielten Werke. Am Beginn des Konzertvormittags stand die Sinfonie Nr. 33 B-Dur KV 319 des 23-jährigen Mozart, die Michi Gaigg und ihre markanten Stimmen der Alten Musik spannend und klangsinnlich mit einer ausgeklügelten Dynamik deutete. Wieviel Feingefühl und beachtliche Prägnanz in ihrer Zeichengebung stecken, ist unvergleichlich bei der omnipotenten Musikerin, die ohne Stab und Podium agiert. Höchste Zeit, dass die Oberösterreicherin Michi Gaigg die Wertschätzung an der internationalen Spitze und die konkurrenzlose Beachtung auf der Weltbühne erreichte. Die Harnoncourt-Schule konnte für sie kein deutlicheres Erbe hinterlassen.

Spät aber wirksam für sein Schaffen kam der Bonner Ludwig van Beethoven 1792 nach Wien. Mozart war bereits tot, aber der Durchbruch in der Klangstadt sollte ihm auch mit seinen zwölf Contretänzen für Orchester, deren acht aufgeführt wurden, gelingen.

Stürmischer Dank an Michi Gaigg und die Orfeonisten vor und nach der obligaten Zugabe.

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