Das Leben aus den Fugen

Kulturhof Perg: „Perplex“ ab 7. Juli – Zubau Schweinestall gedeiht

„Daham“ ist plötzlich kein Zuhause mehr, Pärchenkonstellationen erweisen sich ebenfalls als fluid: Martin Dreiling, Julia Ribbeck, Nadine Breitfuss, Björn Büchner in „Perplex“.
„Daham“ ist plötzlich kein Zuhause mehr, Pärchenkonstellationen erweisen sich ebenfalls als fluid: Martin Dreiling, Julia Ribbeck, Nadine Breitfuss, Björn Büchner in „Perplex“. © Kulturhof Perg

Ein Paar kommt aus dem Urlaub zurück, ein anderes Paar hätte auf die Wohnung aufpassen sollen. Hätte. Sollen. Die Heimkehrer sind plötzlich Fremde, die Heimhüter pudeln sich als Hausherr und Hausherrin auf. Und der Kater ist auch weg.

„Perplex“ heißt das Stück des deutschen Dramatikers Marius von Mayenburg, entstanden 2010, also kurze Zeit nach dem großen Knall an den globalen Finanzmärkten. Eine perplexe, aus den Fugen geratene Welt, gespiegelt an vier Figuren. Eine Komödie auch, denn das kann Theater: (manchmal) Wasser in Wein, (noch viel öfter) Tragisches in Aberwitz verwandeln.

Man schreibt das Jahr 2022, der Kulturhof Perg nimmt sich „Perplex“ als Sommertheater zur Brust. 2022 nicht bloß eine Krise, zu Corona gesellt sich — in Folge des von Russland entfachten Krieges in Europa — eine sich mindestens verändernde Wirtschaft. Das Thema „Perplex“ nagt, „wir können das überall beobachten, an uns selbst, in der Gesellschaft“. Julia Ribbeck, Co-Leiterin des Kulturhofs in Perg, war in erster Linie auf der Suche nach einem knackigen Stück Sommertheater. Nach einem „Stoff, der packt“ wie sie im Gespräch mit dem VOLKSBLATT sagt.

Das innere Teufelchen mag die Suche dirigiert haben: „Perplex“ ein Theaterstück, „das sich auch anders lesen lässt“. Veränderte Realitäten, dazu fluide Pärchenkonstellationen, für die Akteure ein „Schauspielerfest“, wie Ribbeck sagt: rasante Rollen- und Szenenwechsel, dem Publikum soll nur schön der Kopf schwirren. Und dann, nach dem Stück, forscht vielleicht mancher Besucher in sich selbst. Da genügt schon eine leichte Koordinatenverschiebung wie jene, wegen Corona nicht wie gewohnt auf Urlaub fahren zu können. Ribbeck: „Wie geh´ ich mit Veränderungen um? Protestiere ich oder akzeptiere ich lustvoll die Veränderung? Im Sinne von ,So ist es eben´.“

Mit Josef Maria Krasanovsky, ein Wiener aus der freien Theaterszene, hat der Kulturhof Perg erstmals einen auswärtigen Regisseur engagiert. Eine bewusste Entscheidung und eine Herausforderung für die Leiter Martin Dreiling und Ribbeck: „Damit wir uns nicht ,einikuscheln´ in den quasi Familienbetrieb.“

Premiere von „Perplex“ ist am 7. Juli, neben Ribbeck und Dreiling spielen Nadine Breitfuss und Björn Büchner.

„Carmen“ ab 4. August

Zweite Premiere im Perger Kulturhof ist am 4. August „Carmen“, choreografiert von Daniel Morales Pérez. Ein 70-minütiges Stück für fünf Tänzerinnen, „das mit dem klassischen Bizet gar nichts zu tun hat“, sagt Ribbeck. Der Fokus gänzlich auf der Figur der Carmen, die eben kein Opfer der Männer sein will. Das Publikum erwartet Unerwartetes, moderner Tanz und klassischer Flamenco. „Aber es lohnt sich total“, verspricht Ribbeck, „auch für ,Neulinge´. Enorm berührend und virtuos.“

Zuletzt noch gute Neuigkeiten vom geplanten Zubau, der vormalige Schweinestall bereits probentauglich, der ganzjährige Betrieb für Herbst 2023 geplant. „Ein finanzielles und künstlerisches Risiko“, sagt Ribbeck. „Aber alternativlos, um unabhängiger zu arbeiten. Das war immer unser Traum!“

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