Das Leben ist ein Alpakahof

Michaela und Harald Kneidinger haben sich vor zehn Jahren verliebt — in kuschelige Alpakas. Auf ihrem Hof in Langzwettl geben sie diese Liebe an Besucher weiter und entwickeln sie zu einem alternativen Standbein bäuerlicher Existenz.

Von Manfred Maurer

„Ich will auch ein Alpaka” — wer einmal am Alpakahof in Langzwettl bei Zwettl an der Rodl war, kann diesen oft gehörten Wunsch verstehen. Kein Wunder: Ein Blick in die riesigen Kulleraugen eines dieser „Zwergkamele“ genügt — und es ist um einen geschehen. Selbst Machos, wie Alpaka-Hengste genannt werden, sind in dieser Spezies Sympathieträger mit hohem Kuschelfaktor.

Liebe auf den ersten Blick

2008 stand die Michbauernfamilie vor der Entscheidung, viel Geld in einen neuen Stall zu investieren und trotzdem nur ungewisse Perspektiven zu haben. Ein TV-Bericht über einen Salzburger Alpakabauern weckte das Interesse für die hierzulande noch immer exotischen Tiere aus den Anden. Der Besuch bei einem Tiroler Züchter stellte die landwirtschaftlichen Weichen endgültig neu: „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Michaela Kneidinger. Das Leuchten in ihren Augen zeigt: Auch zehn Jahre danach ist sie noch voll verknallt in die kleinen Verwandten des Kamels. Mit vier Alpakas haben sie angefangen, heute stehen 31 im Stall oder grasen auf der Weide. Die Zahl schwankt immer etwas. Denn weil man von der Liebe allein nicht leben kann, müssen sich die Kneidingers von ihren Zuchterfolgen manchmal trennen und Ich-will-auch-ein-Alpaka-Wünsche erfüllen. Ein Alpaka gibt es dann aber nicht. Denn die Herdentiere müssen mindestens zu zweit auf wenigstens 1000 Quadratmeter Weidefläche gehalten werden. Und selbst, wer diesen Anforderungen entspricht, ist noch lange kein Alpaka-Besitzer. „Wir schauen uns die künftige Heimat unserer Alpakas ganz genau an“, sagt Michaela Kneidinger, die auch nach dem Verkauf eines Tieres wissen will, wie es ihm geht.

Michaela Kneidinger spinnt feine Alpakawolle, aus der zunehmend begehrte Produkte entstehen. – Foto: Kneidinger

Auch die inzwischen gesammelte Erfahrung als Züchter wird gerne weitergegeben. Zum Beispiel die gar nicht so leicht umsetzbare Erkenntnis, dass Alpakababys keine Kuscheltiere sind. „In den ersten zehn Monaten wird nicht gekuschelt, sondern die Jungtiere werden in der Herde erzogen, damit es zu keinen Fehlprägungen kommt“, so Kneidinger. Deshalb werden die Kleinalpakas von Besuchern ferngehalten, auch wenn sie noch süß sind. Die Größeren stehen aber bereit für geführte Alpaka-Wanderungen, als herzige Gastgeber von Kindergeburtstagsfeiern oder auch als Therapietiere, die etwa auf hyperaktive Stadtkinder beruhigend wirken sollen.

Vlies der Götter

Der Anblick zum Verlieben ist aber nur eine Ursache für das, was Harald Kneidinger einen „regelrechten Boom“ nennt. Die Haarpracht der Alpakas hat es ebenfalls in sich. Eine Besonderheit dieser Wolle merkt man schon im Stall: Weil die Faser wenig Lanolin enthält, entwicklen die Tiere keinen „strengen“ Geruch. Sie verfügt über antibakterielle und antiallergische Eigenschaften. Schon beim Streicheln des Alpakas spürt man, wie seidig-glatt sich diese Wolle anfühlt. Selbst Schafwolle kann in punkto Faserfeinheit nicht mithalten. Alpakawolle ist nicht nur extrem leicht und temperaturregulierend, sondern auch absolut kratzfrei. Schon die Inkas schätzten diese Qualität, die allerdings Königen vorbehalten war, weshalb Alpakawolle auch als „Vlies der Götter“ gilt.

Von der Schur bis zum fertigen Produkt haben die Kneidingers alle Arbeitsschritte intus. Auch wenn wegen der großen Nachfrage Socken, Pullis, Hauben usw. auch in Partnerbetrieben hergestellt werden, setzt sich Michaela Kneidinger gern selber ans Spinnrad oder dreht die Kurbel der Kardiermaschine. Die Handkarde wirft freilich nur ein kaum 30 Zentimeter breites Wollvlies aus, zu schmal für die Alpaka-Bettdecken, welche das Ökolabel Grüne Erde gerade ins Angebot aufgenommen hat. Das Wollvlies für diese Decken wird daher in einem Kardierwerk in Weitersfelden aufbereitet.

Auch für weniger wertvolle Teile des Alpakafells werden genutzt: Aus dritter Qualität werden Wollpellets gemacht, die Gärtner als ökologischen Langzeitdünger schätzen.

Alpakas essen?

Nur eines gibt es nicht: Alpaka auf dem Teller. Obwohl es hervorragend schmecken soll, ist das Fleisch der österreichweit rund 2000 Tiere bei den 150 im Alpaka-Verband organisierten Haltern kein Thema. Da es keine AMA-Zertifizierung als Lebensmittel gibt, darf Alpakafleisch hierzulande derzeit anders als etwa in der Schweiz ohnehin nicht verkauft werden. Harald Kneidinger rechnet aber damit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Alpakas auch Feinschmecker erfreuen werden. An einem solchen Boom werden sich die Kneidingers aber nicht beteiligen. Denn dafür ist die Liebe zu ihren Wollknäueln auf vier Beinen einfach zu groß. www.alpakawollenalle.at

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