„Das Niveau ist gewaltig gestiegen“

Josef Lemmerer, Chef des OÖ. Blasmusikverbands, blickt zum 70er zurück

Josef Lemmerer, Präsident des OÖ. Blasmusikverbandes, feiert heute seinen 70. Geburtstag.
Josef Lemmerer, Präsident des OÖ. Blasmusikverbandes, feiert heute seinen 70. Geburtstag. © OÖBV

Von Andreas Huber

Josef Lemmerer, bereits im 27. Jahr Präsident des OÖ. Blasmusikverbandes, ist heute 70 Jahre alt geworden und wird im November bei der anstehenden Neuwahl nicht mehr für diese Funktion kandidieren. Das VOLKSBLATT nimmt sich seinen runden Geburtstag zum Anlass, um in einem Gespräch mit dem musikalisch immer noch hochaktiven Ebenseer auf seine vergangenen Jahre im Dienste der Blasmusik zurückzublicken. Lemmerer wurde damals mit 43 Jahren „ins kalte Wasser geschmissen“, durch den tragischen Tod seines Vorgängers bekam er die Funktion des Präsidenten aufgetragen. „Es war rückblickend wirklich eine super Zeit, in der die Anzahl der aktiven Musiker von 14.000 im Jahr 1993 auf mittlerweile 25.000 stieg“, so Lemmerer. Dabei war es für ihn aber nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen: „Sie wissen ja, an der Spitze ist die Luft oft auch dünn“, gleichzeitig verweist er dabei auf seinen Hauptberuf als Lehrer am Gymnasium in Gmunden, wo er 40 Jahre lang Latein und Geographie unterrichtete.

Beinahe Profikarriere als Tormann angestrebt

Dabei hätte Lemmerer ursprünglich fast den Fußball als seine Profession gewählt: „Ich habe beinahe eine Profikarriere als Tormann gewählt beziehungsweise angestrebt, Fußball war damals eine große Leidenschaft von mir. Wir hatten es fast zur Regionalliga geschafft.“ Schließlich entschied er sich anders, spielte dennoch (bis zu einer Verletzung) nebenbei noch länger Fußball. Zur Blasmusik kam Lemmerer überhaupt erst als Student mit 18, als er als Instrument die Tuba lernte. „Es hat einfach alles seine Zeit. Es war eigentlich auch nie mein Ziel, so eine Funktionärskarriere zu machen. Aber irgendwann, als ich schon drin war, habe ich vom System nicht mehr los können“, betrachtet der Vater von vier Kindern nüchtern, aber humorvoll seinen Werdegang. Besonders hebt Lemmerer im Gespräch die Öffnung der Musikvereine gegenüber Mädchen in den Neunziger Jahren hervor: Im Schnitt seien in den 480 oö. Musikvereinen nun rund 40 Prozent Frauen vertreten – eine positive Entwicklung, so der 70-Jährige. „Es ist schön, dass junge Leute derzeit mit großer Begeisterung bei der Sache sind. Sie feiern und sie musizieren gern. Überhaupt ist das musikalische Niveau in den letzten 30 Jahren gewaltig gestiegen“, lobt der Präsident auch die derzeitigen Entwicklungen. Das beliebte Festival „Woodstock der Blasmusik“ in Ort im Innkreis fällt im Gespräch dabei auch als aktuelles Beispiel. Der Blasmusikverband soll dabei für die Jungen mit seinen Agenden eine unterstützende Funktion ausüben, darunter fallen zunächst die Betreuung der einzelnen Musikkapellen und das Organisieren von Wettbewerben. Aber es werden auch immer wieder die unterschiedlichsten Fortbildungsmöglichkeiten angeboten.

Zukunftspläne: „Mir wird ganz sicher nicht fad“

Und was wird Josef Lemmerer machen, wenn er im November in seiner Funktion als Präsident schließlich nach über einem Vierteljahrhundert abgelöst wird? „Mir wird ganz sicher nicht fad. Ich war nie einer, der einer Zeit nachtrauert. Außerdem werde ich ja noch aktiver Musiker in meinem Musikverein Langwies in Ebensee bleiben. Daneben werde ich wandern, in den Bergen aufzufinden sein. Oder bei den Enkelkindern. Ich bin jetzt 70 … man muss sich einfach über jedes weitere Jahr freuen!“

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