„Das Orchester spricht bei Mozart“

Katharina Müllner (27) dirigiert bei der „Entführung aus dem Serail“ das Bruckner Orchester

Bei Mozarts „Entführung“übernimmt Katharina Müllner erstmals die musikalische Leitung für eine Produktion im Großen Saal des Musiktheaters.
Bei Mozarts „Entführung“übernimmt Katharina Müllner erstmals die musikalische Leitung für eine Produktion im Großen Saal des Musiktheaters. © Theresa Pewal

Seit der Spielzeit 2017/18 ist die 27-jährige Wienerin Katharina Müllner am Landestheater Linz engagiert. Heute steht die junge Dirigentin bei der Premiere von Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ am Pult im Großen Saal.

VOLKSBLATT: Die Frage nach nach der Besonderheit einer Frau am Dirigentenpult hören Sie nicht gerne. Ich versuche es so: War es mit ein Grund, diesen Beruf zu wählen, gerade weil es keine Rolle spielt, ob eine Frau oder ein Mann den Taktstock schwingt?

Also, die Frage habe ich mir wirklich nie gestellt. Das hat weder dafür noch dagegen gesprochen, dass es viele Frauen als Dirigenten gibt oder nicht gibt.

Hatten Sie Kolleginnen im Studium?

Eine, die hat aber dann abgeschlossen und dann war ich die einzige Frau. Aber ich habe da nie gedacht: Oh, ich bin jetzt alleine unter Männern.

Gibt es für Sie eine Erklärung, warum es so wenige Frauen in diesem Job gibt?

Ich denke, das ist in allen Führungspositionen so. Das ist ein Abbild dessen, was auch sonst in der Gesellschaft passiert. Und da sich die Gesellschaft ändert, wird sich das à la longue auch ändern. Wir sind ja schon auf dem besten Weg.

Ist Ihr Alter Thema, wenn Sie vor einem Orchester stehen?

Noch eher das Alter, als das Geschlecht. Ob da eine Frau oder ein Mann steht, das ist egal, aber nicht so, wenn man jung und in einer Führungsposition ist. Aber ich kann ja nichts dafür, wie alt ich bin. Ich nehme die Situation, wie sie ist. Ich weiß, dass ich noch viel zu lernen habe, aber das kann ich eben nur, wenn ich etwas tun darf.

Wie kamen Sie dazu, Dirigentin zu werden?

Das hat sich spät entwickelt. Ich habe Lehramt studiert, Musikerziehung und Psychologie/Philosophie. Im Studium hatten wir viel Chorleitung, das hat mir eigentlich schon seit der Schule gefallen, mit anderen Menschen Musik zu machen und nicht nur alleine im Kammerl Klavier zu spielen. Ich wollte mich da weiterbilden und habe das Dirigierstudium begonnen.

Gibt es Parallelen vor einer Klasse zu stehen und vor einem Orchester zu stehen?

Ja, man hat halt mit einer Gruppe von Menschen zu tun, die man begeistern muss für seine Sache. Diese Begeisterung, dieses Feuer weiterzugeben, das man selber in sich hat, das ist sicher ein Thema.

Wie ist die Liebe zur Musik bei Ihnen entfacht worden?

Das war ein sanfter Einstieg. Ich habe, wie ich klein war, schon Klavier gelernt, das aber nicht besonders professionell gemacht. Ich habe nicht mit sieben Jahren gesagt, ich möchte Pianistin werden. Das war auch in der Familie nicht da, da waren keine Musiker. Musiker war kein Berufsbild. Ich bin froh, dass es so war, so habe ich mich immer frei entscheiden können. Ich hatte immer einen super Lehrer, der uns für die Musik begeistern konnte. Wir hatten auch einen Chor und ein kleines Orchester in der Schule. So habe ich erkannt, dass es auch wirklich Spaß macht, zu musizieren.

War komponieren je ein Thema?

Nein, gar nie. Dazu bin ich, glaube ich, nicht genial genug.

Beim Thema Genialität sind Sie ja auch ein bisschen skeptisch …

Dirigent ist einfach wirklich ein Beruf, den man üben muss, genauso wie ein Geiger täglich Geige üben muss. Das Schwierige für den Dirigenten ist, dass man seine Erfahrungen immer vor dem Orchester macht. Man kann sich mental darauf vorbereiten und so ein bisschen im Zimmer dirigieren. Man kann sich aber nicht vorbereiten darauf, was für einen Klang man hören wird.

Was mögen Sie denn an Ihrem Beruf am allermeisten?

Es ist so toll, dass man irgendwelche Zeichen auf Papier hat und daraus entstehen Klänge. Das fasziniert mich noch immer, dass man aus Papier Musik macht. Das ist das Großartige an diesem Beruf. Und dass man dazu beiträgt, dass alles zusammenklingt. Diese Arbeit ist die wichtigste, weil jeder weiß ja, welche Noten er zu spielen hat.

Was ist das Schwierigste?

Man muss die Leute immer ins Boot holen und irgendwen immer überzeugen von seiner Idee. Auch wenn die Idee die ist, die auf dem Papier steht. Es gibt ja immer Varianten. Schauen Sie sich nur das Tempo an. Da gibt es ja 100 Leute und 100 haben ein unterschiedliches Verständnis von allegro.

Mozart ist einer Ihrer Lieblinge. Warum?

Ich schlage die Partitur auf, singe eine Phrase und die geht einem einfach zu Herzen. Der schreibt Melodien, die so einfach klingen, aber die einen so durchdringen. Er schreibt manchmal in eine Bratschenstimme Melodien rein, mit denen andere Kompinisten ein ganzes Bratschen-Konzert schreiben. Das Orchester spielt bei Mozart mit, es spricht bei Mozart.

Gehört die „Entführung“ zu Ihren Lieblingsopern?

Auf jeden Fall. Und sie wird es immer mehr. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto fantastischer wird das Werk. Es ist so fantastisch gezeichnet. Es ist so eine ehrliche Musik.

Mit KATHARINA MÜLLNER sprach Mariella Moshammer

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