Das Potenzial für Überraschungen

Aus Formel-1-Titelduell Mercedes vs. Ferrari soll ein Mehrkampf werden

Mercedes und Ferrari fahren nicht mehr auf und davon. Die Dominanz dieser beiden Teams soll heuer schrumpfen, hoffte F-1-Boss Chase Carey. Bislang vergebens.
Mercedes und Ferrari fahren nicht mehr auf und davon. Die Dominanz dieser beiden Teams soll heuer schrumpfen, hoffte F-1-Boss Chase Carey. Bislang vergebens. © AFP/Ratnayake

Der Chef der Formel 1 sehnt sich nach Abwechslung. Ins traditionelle Duell Lewis Hamilton gegen Sebastian Vettel sollen sich auf Wunsch von Geschäftsführer Chase Carey in der neuen Saison werden.

„Wir sehen hoffentlich ein paar Überraschungen. Das Potenzial ist da“, meinte der US-Amerikaner vor dem Auftaktrennen am Sonntag (6.10, live ORF eins, RTL und Sky) in Melbourne.

Fliegender Holländer

Die Liste der Kandidaten dafür wird von Max Verstappen (Red Bull Racing) angeführt. Der „fliegende Holländer“ will künftig seine Emotionen auf der Strecke besser kontrollieren, im Vorjahr hatte „Mad Max“ mit seiner rücksichtslosen Fahrweise mehrfach für Aufregung gesorgt. Heuer will er mit seinem Talent aufzeigen. „Ich bin sicher, dass ich es mit Lewis und Seb aufnehmen kann“, schlüpfte der Red-Bull-Fahrer bereitwillig in die Rolle als erster Herausforderer des Duos.

Diese könnte ihm Valtteri Bottas (Mercedes-AMG) streitig machen. Für den jungen Finnen geht es in diesem Jahr um einen künftigen Arbeitsplatz bei Mercedes, das dürfte Motivation genug sein. Im Vorjahr rutschte Bottas in ein Formtief, dieses scheint der 29-Jährige überwunden zu haben, auch dank Wintereinsätzen im Rallye-Auto. „Er hat die Freude am Rennfahren wieder entdeckt. Ich erwarte, dass wir den bisher schnellsten Bottas sehen“, versprach Mercedes-Teamchef „Toto“ Wolff.

Heißes Eisen im Formel-1-Feuer ist auch Charles Leclerc. Der Neuzugang bei Ferrari hat die Fahrer-Akademie der Scuderia durchlaufen und soll Vettel Druck machen, den Deutschen endlich zum Fahrer-WM-Titel treiben. Der 21-jährige Monegasse strotzt jedenfalls vor Selbstvertrauen. „Ich will mich in eine Situation bringen, in der sich die Frage nach Stallorder gar nicht erst stellt“, trompetete Leclerc vor Saisonstart.

Umstieg als Abstieg

Der Routinier Daniel Ricciardo (Renault) war es satt, im Cockpit des unterlegenen Red-Bull-Rennwagens nur hinterher zu fahren. Sein Wechsel zu Renault war mutig, dass die Franzosen dem Australier ein Siegerauto in die Box stellen, darf bezweifelt werden. Der Rückstand auf die Spitzenteams Mercedes und Ferrari scheint weiter beträchtlich. „Wir kennen unser Ziel und lassen uns nicht verrückt machen“, wollte Ricciardo seinen Umstieg nicht als Abstieg sehen.

Saisonhöhepunkte werden auch „Herrenfahrer“ Kimi Räikkönen (FIN) zugetraut, der 39-Jährige Ex-Weltmeister fährt zwei Jahre für Alfa Romeo in der Formel 1.

Die ersten Trainingseinheiten in Melbourne dominierte das Weltmeister-Team. Lewis Hamilton markierte im Mercede-AMG in beiden Umläufen Bestzeit, Zweitschnellster war Teamkollege Bottas. Die Konkurrenz war mehr als acht Zehntel langsamer.