Das Prinzip des Unbewussten

ORF-Netflix Koproduktion „Freud“ startet am Sonntag mit Doppelfolge

Es wird mystisch. Es wird spannend. Es wird schnell. Es geht Schlag auf Schlag in Marvin Krens Serie „Freud“, die am Sonntag mit einer Doppelfolge auf ORF 1 (20.15 Uhr) startet — und das noch vor dem Netflix-Start am 23. März.

„Freud“ ist, wie berichtet, die erste Zusammenarbeit der Streamingplattform und des ORF und feierte bei der heurigen Berlinale Weltpremiere.

Das sieht man der Produktion auch an, dieses Mitwirken eines Riesen wie Netflix. Doch nicht nur die optische Perfektion überzeugt, auch die Handschrift Krens, der vom Horror-Spezialisten („Rammbock“, „Blutgletscher“) zum Serienexperten („4 Blocks“) wurde.

Von Genres lässt sich der 40-Jährige nicht einengen, „Freud“ ist Mysterie, ist Thriller, Krimi und liefert ein Sittenbild von Wien Ende des 19. Jahrhunderts. Die Fälle sind fiktiv, Figuren wie Arthur Schnitzler und Kronzprinz Rudolf natürlich nicht, aber ob sich der „echte“ Sigmund Freud als Kriminalpsychologe bewährt hätte — man weiß es nicht.

Intrigen und Verschwörungen

Heute ist Sigmund Freud jedenfalls eine Ikone, das Gesicht des alten Freud bekannt. 1886 schaut die Sache für den 30-jährigen Freud noch ganz anders aus, keiner kennt ihn und seine noch recht unsicheren Methoden stoßen auf massiven Widerstand. Robert Finster ist ein unruhiger Sigmund Freud, oft unsicher und konfrontiert mit einer ihn fordernden Welt. Die ist voller Verschwörungen und Intrigen und undurchschaubarer Menschen. Besonders nahe kommt ihm das Medium Fleur Salomé, deren Erfahrungen und Erlebnisse den jungen Arzt stark beeinflussen — sowohl beruflich als auch im Privaten.

Eine wichtige Rolle spielt auch Inspektor Kiss, der in Fällen zu ermitteln hat, die erschaudern lassen. Auch dessen persönliche Geschichte wird aufgerollt, Georg Friedrich lässt in dieser Rolle tief in seine geschundene Seele blicken. So funktioniert das Konzept der Serie, Freuds Methode der Psychoanalyse wird fast en passant eingeführt, sein Eindringen in das Unbewusste zum Prinzip. Das funktioniert gut, wenn auch manche Zusammenhänge — etwa, wenn offenbart wird, wo das Zittern von Kiss’ Hand herkommt — recht einfach gestrickt sind.

So wird die Geschichte aber wohl auch für jene Zuschauer spannend, gruselig und mysteriös, die sich vorher noch nie mit den bahnbrechenden Methoden Freuds auseinandergesetzt haben.

Je drei Folgen werden am 18. und am 22. März auf ORF 1, jeweils ab 20.15 Uhr gezeigt.

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