„Das war ein Weg, um auszubrechen“

Maresi Riegner über Mutterrollen, einen Plan B und Mafiabräute

Maresi Riegner würde gerne einmal eine Mafiabraut spielen
Maresi Riegner würde gerne einmal eine Mafiabraut spielen © Elsa Okazaki

Im letzten München-„Tatort“ war sie als Novizin zu sehen, die Hauptrolle der Hanna Leitner spielt die österreichische Schauspielerin Maresi Riegner (30) derzeit in Stefan Jägers Film „Monte Verità“. Seit der Spielzeit 2019/20 ist die Wienerin Ensemblemitglied des Burgtheaters.

VOLKSBLATT: „Monte Verità“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die ihr altes Leben hinter sich lässt und ins tessinische Ascona in eine Künstler- und Aussteigerkolonie zieht. Haben Sie Gefallen am Kommunenleben gefunden?

MARESI RIEGNER: Ich würde es auf jeden Fall schon ‘mal ausprobieren. Wenn es jetzt natürlich nicht so Richtung Otto-Muehl-Kommune geht. Für die Zeit damals war das schon sehr revolutionär am Monte Verità.

Was hat Sie an der Geschichte, die sich an einer wahren Begebenheit orientiert, gereizt?

Erstens ist es eine wahnsinnig tolle Rolle, weil sie viele Konflikte hat und eine große Entwicklung. Es gibt dadurch viel zu spielen. Ich kannte diesen Monte Verità vorher nicht und fand das deshalb auch interessant. Auch in punkto Gleichberechtigung ist die Geschichte sehr aktuell.

Was haben Sie denn über das Frausein zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Beschäftigung mit dem Filmstoff erfahren?

Man muss dazu sagen, dass die Figur, die ich spiele, Hanna Leitner, eine privilegierte Frau ist, eine Adelige. Das ist noch einmal etwas anderes. Aber Frausein war damals mit sehr viel Enge verbunden, das Leben war sehr unterdrückt. Ich bin froh, dass es heute doch ein bisschen anders ist.

Gibt es für Sie, als junge Schauspielerin, dennoch Parallelen?

Gar nicht so als Schauspielerin, sondern als Mutter. Dieses, dass man, wenn man Mutter ist, sofort in so eine Schublade gesteckt wird. Dass diese Rolle der Frau als Mutter nach wie vor sehr konservativ gesehen wird. Dass man immer gefragt wird, Karriere und Kind, wie geht das? Wo ist ihr Kind? Wie geht es Ihrem Kind, wenn Sie hier arbeiten? Das sind Dinge, die Männer nie gefragt werden. Da wird einem immer so ein Schuldgefühl umgehängt. Das ist ja auch das, was diese Hanna Leitner hat, diese Schuldgefühle.

Also, Hanna Leitner muss sich in „Monte Verità“ zwischen Ihrem Glück und dem Dasein als Mutter entscheiden …

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Es ist noch viel existenzieller, weil sie auch körperlich schon so gelitten hat. Das ist eher so eine Entscheidung zwischen Leben und Tod.

Hanna Leitner entdeckt im Laufe des Films, dass sie sich über die Kunst ausdrücken kann. Wie war das denn bei Ihnen? Wie haben denn Sie entdeckt, dass die Welt der Kunst die Ihre ist?

Mein Vater ist Bildhauer. Ich bin in einer Kunstwelt aufgewachsen, mit Atelier und Künstlerfreunden. Als ich das erste Mal Filme geschaut habe, habe ich dann irgendwann so eine Leidenschaft entwickelt. Da merkte ich, dass es mich sehr begeistert, in eine Figur reinzuschlüpfen. Ich habe die Texte der Filme auswendig gelernt und das nachgespielt. Da entdeckte ich, dass dieses von mir selber so ein bisschen weggehen, mir irgendwie sehr gut getan hat, auch, mutiger zu sein. Ich war sehr schüchtern als Kind. Das war ein Weg, um auszubrechen.

Haben Sie dieses Gefühl auch heute noch, wenn Sie spielen?

Ja! Es kommt natürlich auf die Rolle an, aber ja. Ich rede gar nicht so gerne selbst, aber als Figur ist es etwas ganz anderes. Das ist schon ein Ausbrechen.

Gab es berufstechnisch einen Plan B für Sie?

Ja, Hebamme hätte mich immer interessiert. Architektur interessiert mich auch sehr. Ich wusste, dass das Künstlerdasein kein sicherer Beruf ist, ich kenne das ja auch von meinem Vater. Also gab es immer einen Plan B.

Sie spielen ja, wie Sie erwähnt haben, eine zweifache Mutter in „Monte Verità“. War das für Sie eine ungewohnte Rolle? Normalerweise werden Sie nicht als Mutter besetzt.

Ich muss sagen, mich hat es wahnsinnig gefreut, mal von dem Kind wegzukommen, von der Jugendlichen. Als ich beim Casting war, waren die Film-Kinder noch wesentlich kleiner, als dann beim Drehen. Ich war wirklich erschrocken, wie schnell die gewachsen sind. Ich hatte dann auch ein bisschen Bedenken, ob das noch glaubhaft ist. Aber es ist auf jeden Fall ein toller Sprung, eine erwachsene Frau mit ihren komplexen Problemen zu spielen.

Fühlten Sie sich bisher zu sehr festgelegt auf einen Typ?

Abgesehen von der Tatsache, dass ich immer sehr jung besetzt werde, habe ich eigentlich nicht so das Gefühl. Ich habe doch recht Unterschiedliches gespielt.

Gibt es etwas, was Sie noch besonders reizen würde, was noch nicht dabei war?

Ja, ich würde gerne mal so eine Mafiabraut spielen! Ich bin aber offen für alles, was kommt.

Ihre Karriere geht steil nach oben, ob beim Film, oder im Theater. Gibt es eine Präferenz?

Es ist genau richtig so! Es ist ja auch so wahnsinnig unterschiedlich. Es ist schwierig in einem Ensemble, weil das Haus Priorität hat. Aber dafür habe ich mich auch entschieden, ans Theater zu gehen, um da viel zu lernen und eine Routine zu entwickeln, weil man einfach dauernd arbeitet.

Interview: Mariella Moshammer

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