Davide Longo: Die jungen Bestien

Das Thema in Davide Longos neuem Krimi „Die jungen Bestien“ ist verführerisch und böte alle Zutaten zu einem soliden Thriller: Nach der Entdeckung von zwölf Skeletten in der Nähe von Turin wird die Ermittlung vom Staatsschutz schnell abgewürgt mit dem Verweis auf Gefallene des Zweiten Weltkriegs.

Kommissar Arcadipane und sein Team finden jedoch schnell heraus, dass die Knochen aus den 70er-Jahren stammen. Die Spur führt zu den Roten Brigaden, einer linksterroristischen „Stadtguerilla“. Leider macht der Fall, der dann eher unspektakulär einer halbgaren Lösung zugeführt wird, nur etwa die Hälfte des Buches aus. Die anderen 200 Seiten begleitet der zunehmend frustrierte Leser einen vom Leben geplagten Polizisten durch seine diversen Krisen und Wehwehchen.

Arcadipane schläft schlecht, seine Ehe steht auf der Kippe und die Kinder verstehen ihn genauso wenig wie er sie. Da hilft nur eines zur Rettung des Haussegens: ein Hund. Den wünscht sich zwar seine Tochter, doch erstmal begleitet das neue Familienmitglied den Commissario auf seinen Ermittlungen. Spätestens die Sitzungen bei Arcadipanes neuer Psychologin lassen den Plot vollkommen unglaubwürdig werden. Der Leser ist den Ansammlungen an Klischees und Plausibilitätsausdehnungen schnell überdrüssig. Davide Longo hat sich mit „Die jungen Bestien“ quasi selbst ins Out geschrieben.

Davide Longo: Die jungen Bestien. Rowohlt Verlag Hamburg, 412 Seiten, 22,70 Euro

Wie ist Ihre Meinung?