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Verdienstkreuz des Landes Oberösterreich für Kunst und Kultur an VALIE EXPORT verliehen

LH Thomas Stelzer mit VALIE EXPORT
LH Thomas Stelzer mit VALIE EXPORT © Land OÖ/Max Mayrhofer

Die Atmosphäre war herzlich. Wegen Corona lief die Übergabe so ab, wie sich Europäer fernöstliche Höflichkeitsrituale vorstellen. Ein Lächeln, ein freundliches Nicken, dezent würdevoll. Die Geehrte bedankte sich „von tiefstem Herzen“: „Für mich ist das ein sehr schöner Tag.“ Es sei „irgendwie beruhigend, wenn man so in seine Heimat eingebettet wird“. Gestern kurz nach 12 Uhr im Festsaal des Linzer Schlossmuseums, Landeshauptmann Thomas Stelzer überreichte VALIE EXPORT das Verdienstkreuz des Landes Oberösterreich für Kunst und Kultur.

„Bahnbrechendes geleistet“

Die höchste Auszeichnung des Landes, eingeführt erst vor zwei Jahren. EXPORT habe „Bahnbrechendes geleistet“, sagte Stelzer, ihr Weg war „kein einfacher“. Ein solitärer Weg, auf dem ihr „der Applaus nicht sicher war, sondern zunächst eher das Gegenteil“. Das Wort „Pionierin“ fiel gestern oft, es trifft in jeder Hinsicht zu.

EXPORT, 1940 in Linz als Waltraud Lehner geboren, inspiriert bis heute national und international Künstlerkollegen. Sie thematisierte Körper und öffentlichen Raum, Frauenbilder in der Kunst und in den Köpfen. Sie hinterfragte mediale „Gemachtheit“ von Welt, als das Wort Medienkunst so noch nicht existierte. Zu einer Zeit, als noch kaum absehbar war, dass die sinnliche „reale“ Welt zunehmend nur noch als Kulisse für elektronisch vermittelte „Welt“ dient.

Gabriele Spindler, Leiterin der Landesgalerie Linz, dankte EXPORT in ihrer Laudatio auch „als Frau“. EXPORT hatte mitten im österreichischen Nachkriegsmief mit künstlerischen Mitteln einen Feminismus vorangetrieben, der hoch an der Zeit war. Sie brachte die „Dominanz des Patriarchats“ (Spindler) auf die Straße, war deshalb auch Anfeindungen und persönlichen Drohungen ausgesetzt. Nicht zu fassen für – mindestens im privaten Bereich – machtverwöhnte Männer, als EXPORT 1968 die Machtverhältnisse umkehrte und ihren Kollegen Peter Weibel an der Hundeleine durch Wien führte. Das Thema Gleichberechtigung mitnichten erledigt, es schwappte zuletzt bei den „Heldinnen“ an den Supermarktkassen, in der Pflege etc. hoch.

EXPORT ging es nie um vordergründige Provokation, sondern Sichtbarmachung und selbstbestimmtes Leben. In ihrer Dankesrede las sie eines ihrer frühen Gedichte vor. Darin aufgezählt Dinge, mit denen sie aufwuchs und die ihr nicht „gehörten“. EXPORT endet mit dem „Leben, das mir gehört“.

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