Dem Nachwuchs zu zarte Impulse verliehen

Sopranstar Linda Plech war Initiatorin eines Meisterkurses beim Ischler Lehár Festival

Linda Plech leitete die Meisterklasse.
Linda Plech leitete die Meisterklasse. © Lehár Festival

Von Ingo Rickl

Der Ischler Samstag stand ganz im Zeichen des Kaisers Franz Josef, den man in mehrfacher Gestalt – daher auch am Vormittag im Theater- und Kongresshaus – antreffen konnte. Dort hatte die einst gefeierte Sopran-Königin des dramatischen Operngesanges, Linda Plech, einen Meisterkurs für den Operetten-Nachwuchs abgehalten, an dem neun Teilnehmer (sieben Sopranistinnen, je ein Tenor und Bariton) teilnahmen. Unter Assistenz des von Gerald Krammer umsichtig geleiteten Franz-Lehár-Orchesters erklärte Intendant Thomas Enzinger sein und Linda Plechs Bemühen um den Nachwuchs.

Das erfreuliche Engagement auch von Daniel Prohaska (musikalische Interpretation), Claus-Peter Corzilius (Atem- und Sprechtechnik sowie Tenor-Ersatz), Jonas Kägi (Tanz und Bewegung sowie eigene Teilnahme als Tenor) und Tamar Kurtskhalia (Repetition) erzielte immerhin Teilerfolge, wobei bei einigen Damen des Nachwuchses noch Aufholbedarf in mancherlei künstlerischer Hinsicht zu beobachten war.

Musikalische Beiträge als Erfolg in Bad Ischl

Den Erfolg feierten die musikalischen Beiträge. Was die Bewegungserfordernisse betrifft, ist bei vielen Meisterschülern noch starker Aufholbedarf. Dies deshalb, da die heutigen Operettenproduktionen (siehe das Ischler „Weiße Rössl“ und „Pariser Leben“, siehe den Salzburger „Orpheus“!) in ihrer Bewegungsregie, die oft weit übertrieben scheint, die allerhöchsten Anforderungen an die Spezies Sänger-Schauspieler-Tänzer-Interpreten stellt. Wer diese Kriterien nicht beherrscht, hat im musikalischen Showbusiness keine Chance mehr. Bleiben wir jedoch zunächst bei den „Profis“. Das sind jene Meisterklassen-Teilnehmer, die aus unserer Sicht die meiste Erfahrung haben: Koloratur-Sopranistin Elisabeth Jahrmann und Michael Weiland, Bariton mit Tenor-Affinität, sind meist im Duo mit Orchester unterwegs und jeder Operettenfreund, der die beiden kennt, staunt, dass noch keine Bühne vom Talent der beiden profitieren will.

Jahrmann machte uns das Vergnügen, ein (zu) sentimentales Lehár-Kunstlied mit dem Lebensinhalt „Das erste Mal“ zu zelebrieren.

Simone Krampe gefiel mit Lehárs Vilja-Lied, Irina Firouzi hätte das ihr von Oscar Straus gebotene „Schwipserl-Lied“ doch etwas temperamentvoller anlegen können. Sehr lieb absolvierten Judith Sauer und Claus-Peter Corzilius das „Fliegenduett“ aus Offenbachs „Orpheus“.

Michael Weiland ging als Danilo einmal mehr ins Maxim und strafte sich selbst im Duett mit Hanna Glawari Lügen, als er vergeblich versuchte, seine Lippen zum Schweigen zu verdonnern.

Lehárs „Weibermarsch“ als Finale gefeiert

Den Abschluss feierten die Sänger, die gesamte Mannschaft des Meisterkurses und das Lehár-Orchester samt der mehrfach in solistischem Einsatz befindlichen Pianistin Tamar Kurtskhalia sowie dem Publikum als Chorersatz mit Lehárs „Weibermarsch“. Die Besucher freuten sich mit den Jungen, diese über den Erfolg, der nun stetig strebend näher rücken müsste.

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