Demut vor dem Leben

    Berührende Annäherung: „Papst Franziskus — Ein Mann seines Wortes“

    1172
    Die Nähe zu den Menschen bestimmt das Handeln dieses Papstes.
    Die Nähe zu den Menschen bestimmt das Handeln dieses Papstes. © UPI

    Von Philipp Wagenhofer

    Ein Mann, ein Wort. Seine Aussagen sind ihm ein Anliegen, sind gelebte Wirklichkeit, Anspruch, Vision. Die Rede ist von Papst Franziskus, auch Jorge Mario Bergoglio genannt, ein aus Argentinien stammender Jesuit. Der deutsche Meisterregisseur Wim Wenders hat ihm einen 96-minütigen Dokumentarfilm gewidmet, der sich nicht nur an Christen wendet.

    Zentraler Aspekt ist das Wort des Pontifex

    Leiten lässt sich Wenders vom Wirken des Franz von Assisi, dessen Name nun erstmals von einem Papst gewählt wurde. Er zieht unverhohlen Vergleiche, erzählt in kleinen, dem frühen Kino entsprechen wollenden Filmszenen in Schwarzweiß vom Heiligen Franziskus, der — ganz den Evangelien verbunden — unterwegs ist.

    Zentraler Aspekt in dieser Dokumentation ist aber das Wort des Pontifex Maximus. Und das steht für sich, fasziniert ob seiner Klarheit und Eindringlichkeit. Demut steht ganz oben bei den Ausführungen des Papstes, der sich nicht scheut, die Kurie ins Gebet zu nehmen, Machtgehabe und Besitzdenken anzuprangern. Und gegen gewissenlose Wachstumsstrategien in Politik und Wirtschaft zieht Papst Franziskus auch „ins Feld“. Es gelte für alle Menschen, mit den Armen der Welt zu teilen. Und es sei unsere Pflicht, die Erde nicht noch mehr auszubeuten. Er redet vor dem US-Kongress, die Abgeordneten sind beeindruckt, stehende Ovationen, aber Nachhaltigkeit der Worte des Stellvertreters Jesu Christi auf Erden? Zweifel ist angebracht.

    Wim Wenders hat vier ausführliche Gespräche mit — die Kamera auf Augenhöhe — Papst Franziskus geführt. Und er durfte sich in den Archiven des Vatikan bedienen, hat Material von den Reisen des Oberhaupts der katholischen Kirche zwischen die Antworten geschnitten, Bilder von einem Flüchtlingslager auf Lampedusa, aus den Favelas von Rio, aus einem Kinderkrankenhaus in Zentralafrika, Begegnungen mit Gefängnisinsassen und jubelnden Massen in Lateinamerika … Die Faszination dieses Papstes ist stets spürbar, seine Liebe. Sein Humor kommt etwas zu kurz. Dass Wenders aus dem Off Anmerkungen beisteuert, mag überzogen erscheinen, zeigt aber auch tiefe Bewunderung für diesen menschlichen Papst.

    Nach Hoffnung in dieser kranken Welt suchen

    Es gibt auch Fragen zu sexuellem Missbrauch in der Kirche, die der Pontifex beantwortet. Das freilich wollte Wenders nicht vertiefen. Er gefällt mit dieser Momentaufnahme aus dem Leben von Papst Franziskus nicht nur dem Vatikan, sondern allen Menschen, die in dieser kranken Welt nach Hoffnung und Liebe und nach Sinn in ihrer Existenz suchen. Dass der interreligiöse Dialog zum Intellekt dieses Mannes gehört, ist selbstredend.