Den Mollner Wilderern auf der Spur

Regisseur Fritz Kalteis widmet Wildererschlacht von 1919 Spieldoku

Regisseur Fritz Kalteis bei den Dreharbeiten
Regisseur Fritz Kalteis bei den Dreharbeiten © ServusTV/Feature Film

Von Melanie Wagenhofer

„So knapp dran wie möglich“, wolle er mit seiner Doku über die legendäre Wildererschlacht von Molln von 1919 sein, sagt Regisseur Fritz Kalteis: Der Film basiert auf Aussagen des einstigen Anführers der Wilderer und wurde mit großer Beteiligung der Mollner Bevölkerung gedreht. „Wilderer – Rebellen der Berge“ wird nächstes Jahr in Servus TV ausgestrahlt. Nach den „Salzpiraten vom Traunsee“ und dem „Wunder von Dachstein“ ist das die dritte Arbeit des Niederösterreichers Kalteis, der sich auf historische Spieldokus spezialisiert hat.

Mollner in den Rollen ihrer Vorfahren

Die Mollner würden mit Stolz auf ihre Vorfahren zurückblicken, ist Kalteis überzeugt. Die Ereignisse von damals wertet er auch als identitätsstiftend. „Jeder kennt auch noch irgendwelche Wilderergeschichten.“ Dementsprechend groß waren vor Ort auch das Interesse und das Engagement für das Projekt. So kamen nicht nur Originalwaffen und andere Requisiten aus der Zeit zum Einsatz, viele Mollner schlüpften für die Spieldoku auch in unterschiedlichste Rollen.

„Als ich anfing zu recherchieren, war mir bald klar, dass die Mollner Geschichte nicht nur einzigartig ist, sondern auch die beste Geschichte, die alle Aspekte des klassischen Wilderns vereint“, so Kalteis. Zum einen lasse sich daran das Widerständige, das Rebellentum gerade junger Männer gut zeigen, zum anderen seien die Ereignisse aus einer großen sozialen Notlage heraus eskaliert. Als die jungen Männer aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt seien, hätten sie feststellen müssen, dass die Situation zuhause sehr schlecht war. Dazu kam, dass der lokale Graf von Lamberg sich weigerte, Anordnungen des OÖ. Landtages Folge zu leisten und Wild zum Abschuss freizugeben, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Als die Monarchie zusammenbrach, gab es kein Halten mehr: Wildererbanden seien immer dreister geworden, hätten regelrechte Treibjagden veranstaltet und den Förstern von Lamberg dabei die „lange Nase“ gezeigt, so Kalteis. Erste Tote waren die Folge, die schwierige Situation entlud sich im Zusammenstoß im Gasthaus Dolezal. Bei der Wildererschlacht von Molln verloren vier Menschen ihr Leben.

Die Wildererschlacht sei ziemlich in Vergessenheit geraten, bis die Theatergruppe Freiwild Molln 2009 die Geschichte wieder ausgegraben und erfolgreich auf die Bühne gebracht habe, sagt Kalteis. Er habe bei den Theaterleuten und beim örtlichen Wilderer-Museum „offene Türen eingerannt“. Die Spieldoku beruht auf einem Interview, dass der Wilder-Anführer August Popp 1961 einem Drehbuchautor der Bavaria gegeben hatte und von dem noch Tonbandaufnahmen existieren. Ein Spielfilm kam damals nicht zustande.

In Kalteis’ Doku spielen auch zwei Enkel von August Popp als Wilderer mit. Jäger von heute schlüpfen in die Rollen der Wilderer von damals. Die Mollner sollen im März 2020 die ersten sein, die das Ergebnis zu sehen bekommen. Regisseur Kalteis kann sich gut vorstellen, daraus einen Spielfilm zu entwickeln …

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