Den Zuckerguss entfernt

Markus Poschner und Georg Schmiedleitner entdecken „La Boheme“ neu

Zeigt sich die Bühne eher schlicht, so füllt das Ensemble den Raum mit prallem Leben.
Zeigt sich die Bühne eher schlicht, so füllt das Ensemble den Raum mit prallem Leben. © Barbara Palffy

„Meine Intention ist es, mit ‚La Bohème‘ wie mit einer Neuentdeckung umzugehen“, sagt Bruckner Orchester- und Opernchef Markus Poschner bei der Pressekonferenz zur Premiere des Puccini-Klassikers, der am kommenden Samstag (19.30 Uhr) die Opernsaison im Linzer Musiktheater die eröffnet.

Auf einer Linie: Poschner und Schmiedleitner

„La Bohème“, die Geschichte von der Liebe der von Krankheit gezeichneten Seidenstickerin Mimi und des erfolglosen Dichters Rodolfo, zählt zu den meist gespielten Werken der Opernliteratur. Die Oper nur mit schönen Melodien zu assoziieren, käme einem „Salto rückwärts“ gleich und wäre fahrlässig, so Poschner. Das Werk sei unsentimental, besitze Schärfe in der Beobachtung und beziehe Stimmung aus kleinsten Emotionen: „Kaum ein Ton, der nicht etwas von den Interpreten will.“ „La Bohème“ sei zeitlos, es gehe um Scheitern, darum, nicht lieben zu können und um einen Mangel an Gemeinschaft. Eine Linie, auf der er sich auch gleich mit Regisseur Georg Schmiedleitner gefunden habe.

Den gebürtigen Oberösterreicher Schmiedleitner, international renommierter Opern- und Theaterregisseur, hat man ganz spontan als Ersatz gewinnen können. Es ist seine erste Operninszenierung am Linzer Musiktheater, am Schauspielhaus war er erst in der vergangenen Spielzeit mit „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ vertreten. „Ich mag es, ins kalte Wasser zu springen, Abenteuer zu erleben“, sagt Schmiedleitner über seine Aufgabe. Als erfahrener Regisseur habe er sich rasch einarbeiten können und werde die Sänger, wie es seine Art sei, schauspielerisch fordern. Im Vordergrund stehe für ihn das „pralle Leben der Mimi“, die er als starke Frau zeige, die „weiß, dass sie nicht mehr viel Zeit hat“. Und jeder wisse heute in der Pandemie, was eine schwere Krankheit bedeute: „Sie ist eine Realität im Leben.“

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Zeitlose Bühne, fantastische Kostüme

Während die Bühne (Sabine Mäder) sehr zeitlos, modern und schlicht gehalten sein wird, setzt man mit fantastischen Kostümen (Martina Lebert) einen belebenden Kontrapunkt. Eine Kamera, deren Bilder auf eine Videoleinwand übertragen werden, zoome die Figuren ganz nah heran, so Schmiedleitner. Und stellt damit einen Bezug zu heute, dem Leben zwischen echter und gestreamter Welt her.

Für die Produktion greife man fast ausschließlich auf das hauseigene Opernensemble zurück, das mache ihn stolz, so Poschner. Erica Eloff — zuletzt als Leonore im „Fidelio“ zu sehen —, interpretiere die Mimi auf ihre eigene Art umwerfend und zauberhaft und auch musikalisch unkonventionell. Die Musetta ist Ilona Revolskaya, mit dabei auch Martin Achrainer und Dominik Nekel. Gleichzeitig freut sich der Orchesterchef über zwei Gäste: Rodrigo Porras Garulo als Rodolfo, „ein großartiger Tenor, der an großen Häusern singt“. Der zweite Gast ist der gebürtige Oberösterreicher Reinhard Mayr (Benoit und Alcindoro).

Es spielt das Bruckner Orchester Linz. Chor-, Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz werden auch darstellerisch die Bühne beleben. Schmiedleitner zeigt sich von den Kindern begeistert, die, zu „erwachsenen Zombies“ gemacht, es verstehen, „Gänsehaut“ zu erzeugen. Aber keine Sorge: Es wird auch berührend.

Die nächsten Termine: 30. September, 2., 6., 8., 26., 29. Oktober, 15. November, 8. und 14. Dezember

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