Der alte Mann, der junge Mann und der Turm auf einer Insel

Robert Eggers „Der Leuchtturm“ mit Willem Dafoe und Robert Pattinson

Es kommt nicht häufig vor, dass der Inhalt eines Filmes bereits im Titel einer Kritik vorweggenommen wird. Hier ist es nun der Fall. In Robert Eggers („The Witch“) „Der Leuchtturm“ sitzen Thomas Wake (Willem Dafoe) und Efraim Winslow (Robert Pattinson) auf einer Insel fest, auf der ein Leuchtturm steht.

Wobei: Verbrieft ist dabei nur, dass der Leuchtturm auf einer Insel steht, denn weder ob die beiden im klassischen Sinne wirklich festsitzen, noch ob sie so heißen, wie sie vorgeben, ist so ganz fix.

Zugegebenermaßen muss man, geht man so an die Sache heran, auch eingestehen, dass die pure Existenz der Männer, der Insel und des Turms ja in Frage gestellt werden könnte…

„Schuld“ an diesen wirren Gedanken ist das schier unbändige Übermaß an Symbolen, die dieser Streifen nebst der Handlung noch mit durch die fast zwei Stunden schleppt. Da begegnen sich die Handelnden auf vielen Ebenen selbst, der Übervater schwebt in höheren Sphären, das „Objekt klein a“, also das pure Begehren, taucht sowohl als Sirene als auch als überdimensionale Glühbirne auf. Wer sich übrigens schon einmal gefragt hat, ob Meerjungfrauen Liebe machen können – auch das beantwortet „Der Leuchtturm“.

Egger hat sicher Freud und Lacan gelesen

Robert Egger hat mit Sicherheit seine Hausaufgaben gemacht, Freud und Lacan gelesen. Und er hat stilistisch zwar keine neuen Türen aufgestoßen, aber sich in der Zeit des Filmens weit in die Vergangenheit begeben und dann richtig in die Vollen gegriffen. Ein bombastisches Bild jagt das nächste, eine heroische Einstellung, eine Nahaufnahme der zerfurchten, geschundenen, vom menschlichen Wahnsinn eingenommenen Gesichter folgt der anderen. Alle nur erdenklichen Abgründe tun sich zwischen diesen beiden Männlichkeiten auf, Konflikte, Machtkämpfe, Lügen, Hass, Liebe …

Gedreht wurde in schwarz- weiß und im Kino bekommt der Zuseher einen nahezu quadratischen Bildausschnitt zu sehen — quasi das Polaroid-Format des Films. Alles zusammen nimmt den Kinobesucher aus der Zeit heraus, lässt ihn in eine Welt der Archetypen hinübergleiten, fast möchte man meinen, den Göttern der griechischen Mythologie beim Kräftemessen zuzuschauen, angesiedelt ist die Geschichte rund um die zwei Leuchtturmwärter Ende des 19. Jahrhunderts in Neuengland. Ein bisschen viel von allem ist es schlussendlich geworden, bedeutungsschwanger fast jede Einstellung, jeder Satz und jeder Blick der beiden starken und beeindruckenden Schauspieler. Man möchte den abgeschmackten Satz rufen: „Weniger ist dann doch oft mehr!“

Ab sofort im Kino.

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