Der Bäckerbub von Haibach

Priesterjubiläum von Bischof Manfred Scheuer: Bischof-Sein in bewegten Zeiten

Der Bischof als begeisterter (Berg-)Wanderer: Das Berg-Foto entstand im August 2016 auf dem Feuerkogel.
Der Bischof als begeisterter (Berg-)Wanderer: Das Berg-Foto entstand im August 2016 auf dem Feuerkogel. © Hörmandinger

Seine ersten Kontakte mit den Oberösterreichern hatte Bischof Manfred Scheuer beim Gai-Fahren im elterlichen Bäckerei-Betrieb in Haibach.

Er brachte Brot und Gebäck zu den Menschen in den Dörfern und kam mit ihnen ins Gespräch. Manfred Scheuer hatte natürlich keine Ahnung, dass ihm diese Erfahrung rund 45 Jahre später als Bischof von OÖ dienlich sein würde.

Bischof Manfred wurde von seinem Vorgänger Ludwig Schwarz am 17. Jänner 2016 als 14. Linzer Diözesanbischof in sein Amt eingeführt – nach Doppelbauer, Hittmair, Gföllner, Fließer, Zauner als sechster gebürtiger Oberösterreicher.

Das Erlernte in der Jugend prägte. Denn seine Aufgabe als Seelsorger umschreibt Scheuer so: Auskunft im Glauben zu geben heißt, die Menschen mit Gott in Berührung zu bringen. Soziologe Niklas Luhmann hat es ähnlich formuliert: Dem Menschen die Tür zum Transzendenten zu öffnen ist die Aufgabe der Religion.

Das ist ein entscheidendes Angebot, da geht es etwa um Lebenssinn, Würde im Alter, in Krankheit, in Gebrechlichkeit, in Hilflosigkeit, …

Menschen mit Gott in Berührung zu bringen ist Kernauftrag der Kirche, den sie durch Sakramentenspendung, Eucharistiefeiern, Verkündigung, Seelsorge, Gemeindeleben zu erfüllen hat. Unter den gegebenen Bedingungen ist dies gar nicht einfach.

Fahrtüchtigkeit der Kirche

Auch in unserer Diözese wird unter der Führung unseres Bischofs derzeit unter dem Motto „Kirche weit denken“ eine Utopia Christiana entworfen. Es wird an der Fahrtüchtigkeit der Kirche in OÖ gearbeitet. Bischof Manfred Scheuer hat anlässlich der Neugestaltung des Altarraums im Neuen Dom am 8. September 2017 die Frage Gottes – „Adam, wo bist du?“ – ins Heute gedeutet und gefragt „Kirche, wo bist du? Bist du dort, wo du gebraucht wirst?“ Letztlich geht es nur darum, ist die Kirche dort, wo die Menschen sie brauchen?

„Kirche weit denken“ ist eine Herausforderung – das Denken alleine schon, und dann auch noch weit! Und in jede Richtung. Bischof Manfred hat die Alternativen aufgezeigt: eine Spur der Hoffnung ziehen oder resignieren.

Mutig auch gegen Widerstände

Die Dinge nach der „Loch auf, Loch zu“-Methode laufen lassen oder mutig – auch wenn es Widerstände gibt – Neues wagen, damit die Kirche auch heute dort sein kann, wo sie die Menschen braucht. Dass dies ein schwieriger Prozess ist, wusste schon Thomas von Aquin: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten!“ Ich denke, sinnvollerweise sollte man beides tun.

Arbeiten unter schwierigeren Bedingungen, da meine ich auch die Stellung der Kirche in der Gesellschaft. Vor knapp 50 Jahren hat Johann Baptist Metz gemeint: Das zeitgeistige Lebensgefühl in unseren Breiten sei eine religionsfreundliche Gottlosigkeit. Das gilt auch heute noch, aber in manchen Bereichen der Gesellschaft ist es mit der Religions-Freundlichkeit nicht mehr so weit her wie vor 50 Jahren.

Trotz aller Veränderungen und Schwierigkeiten ist Bischof Manfred überzeugt in diesen Zukunftsprozess eingestiegen und hat aufgerufen: „Nicht engstirnig, nicht von Angst besetzt, nicht administrativ fixiert, sondern mit der Frage, welche Weiten haben wir in unserer Diözese und in unserem Land? Und wir müssen uns fragen: Wozu sind wir gut? Was ist unser Auftrag?“

Wer Bischof Manfred kennt, weiß, dass er kein Reformer der Reform wegen ist, dass es ihm um die Sache geht, die Kirche muss auf der Höhe der Zeit sein, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen will. Er lädt ein, wieder mutig in den Wagen einzusteigen, mitzufahren und die Fahrt auch mitzugestalten.

Bischof Manfred feiert am 10. Oktober sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Wir gratulieren sehr herzlich und danken ihm vor allem, dass er den Ruf nach Oberösterreich – anfänglich mehr aus Gehorsam als aus Leidenschaft aber dennoch – angenommen hat und hoffen sehr, dass er sich in seiner alten, neuen Heimat wieder zuhause fühlt. Wir haben mit ihm einen guten Seelsorger, einen ausgezeichneten Theologen, eine gute Visitenkarte für die Kirche im 21. Jahrhundert.

Bereitschaft zum klaren Wort

Darüber hinaus steht er auch für die Pflege eines guten ökumenischen Klimas und tritt entschieden gegen jede Art von Vergessen oder Verharmlosen der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte ein. Gerade durch sein Engagement für die Seligsprechung von Franz Jägerstätter hat er das unter Beweis gestellt. Ich erwähne auch seine Bereitschaft zum klaren Wort. Er nennt Fehlentwicklungen beim Namen, scheut sich nicht, Dinge aus- und anzusprechen, die heute in der Kirche angesprochen werden müssen – er tut es nicht brüllend, sondern überzeugend und gut begründet. Auch wenn manche sagen, er macht seinem Namen alle Ehre, er ist scheu – es stimmt nicht. Bischof Manfred ist ein Mann der klaren und gescheiten Worte. Er ist Bergsteiger aus Leidenschaft und das bei jeder Witterung. Standfestigkeit und richtiges Verhalten bei jeder Witterung ist eine Eigenschaft, die man auch in der Leitungsfunktion in der Kirche gut brauchen kann.

Keine Droh-, sondern Frohbotschaft

Bischof Manfred drängt nicht in die erste Reihe, er ist bescheiden, uneitel und er vertritt die Botschaft der Kirche klar, aber nicht aufdringlich. Er verkündet keine Droh-, sondern eine Frohbotschaft.

Ob der Bäckerjunge von Haibach, wie sein Kollege, der Bäckerjunge von Znaim (Hl. Klemens Maria Hofbauer), auch einmal diese Verehrung erfährt, wissen wir nicht. Für uns ist er als Diözesanbischof jetzt schon ein Segen!

Alles Gute zum Priesterjubiläum!

GASTKOMMENTAR von Josef Pühringer

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