Der Bergdoktor aus Las Vegas

Conchita & Band mit dem Best of „so weit so gut“ im Linzer Posthof

Conchita gibt Cover-Versionen und „Rise Like a Phoenix“
Conchita gibt Cover-Versionen und „Rise Like a Phoenix“ © APA/G. Hochmuth

Von Christian Pichler

Die Oma war ganz wichtig. (In solchen Geschichten gibt es meistens nur die EINE Oma.) Die Oma sagte klug, als Tom Neuwirth noch klein war: „Kauft’s ihm an Rock, sonst hört’s ned auf zum schrei’n.“ Später war die Oma auf fast jedem Konzert von Tom, nachdem er 2014 als Conchita Wurst den Songcontest gewonnen hatte. „Du singst so schee“, sagte die Oma, war aber trotzdem nicht glücklich: „I vasteh di ned!“

Inzwischen hat Conchita der guten Frau auch diesen Wunsch erfüllt. Im Repertoire ein traurig-fröhliches „Für mich soll’s Rote Rosen regnen“, an stimmlicher Intensität der großen Hildegard Knef sehr nahe. In diesen stilleren Momenten, solo oder mit dezenter Begleitung, ist Conchita am stärksten, am dichtesten präsent. Am Montag gastierte die 1988 in Gmunden Geborene mit Band im Linzer Posthof, der Große Saal war knallvoll. Ein Best-of betitelt „so weit so gut“, bei dem sich die Kunstfigur Conchita wieder gewandelt zeigte.

Die Diva als Hülle war prickelnder in ihrer erotischen Uneindeutigkeit, aber Zuschreibungen — auch „Diva“ — unterläuft Conchita nur zu gerne.

Derzeit hat sie Lust auf eine männlichere Figur, in deren Haut sie entspannt und unangreifbar wirkt. Sie macht sich über eigene Textschwächen lustig („ein Hirn wie ein alter Goldfisch“) oder prahlt ungeniert mit ihrem weißen Outfit, knackig enge Hose, ein Glitzern und Funkeln am Dekolleté. Jene, die über den neuen Stil verwundert sind, klärt Conchita auf: „Bergdoktor aus Las Vegas.“

Im Geschichtenerzählen ist Conchita groß und witzig. Der Song „The Truth“ eingeleitet mit dem Statement „die Wahrheit das einzig Richtige“, mit charmanter Ausnahme: „Außer beim Notlügen.“ Sie wandelt sich, er wandelt sich, das nächste Album soll Richtung elektronischer Musik gehen. Aktuell feiert Conchita noch „From Vienna With Love“, gemeinsam mit den Wiener Symphonikern eingespielt, in Österreich auf Platz eins der Albumcharts.

Das Zusammenspiel von Conchita und Band unspektakulär, solid. Prince’ „Purple Rain“ nur passabel, weil das (von fiesen Radiostationen stets abgezwackte) Gitarrensolo der Band keine Herrlichkeit erreicht.

„Firestorm“, „Where Have All The Good Men Gone“ oder „Heroes“ plätschern dahin. Unvermittelt große Momente, wenn Conchita die ganze Pracht der Stimme entfaltet, geradezu tinaturneresk. Eine Wucht und Gänsehaut beim Alanis-Morissette-Cover „Uninvited“, Standing Ovations nach dem Songcontest-Siegerlied „Rise Like a Phoenix“.

Zugabe mit „Somewhere Over The Rainbow“, der Signiertisch im Foyer danach heftig belagert. Conchita ein Wesen aus einer Parallelwelt, die naturgemäß freundlicher ist als diese hier: „Wir haben alles Glück der Erde verdient!“