Der Feind in meinem Beet!

Der viele Regen der vergangenen Wochen hat nicht nur die Natur aufatmen lassen. Auch so mancher leidgeplagte Gärtner, der aufgrund der im Frühjahr andauernden Trockenheit ein Déjà-vu zum letzten Sommer hatte (hier drängt sich mir gleich der Vergleich mit dem Zauberlehrling auf, der schier nie enden wollend Kübel schleppt — in dem Fall Pflanzen gießend!), konnte sich getrost zurücklehnen. Auf den ersten Blick toll, doch bei näherer Betrachtung ist darum gerade jetzt gärtnerisches Handeln wichtig. Meine drei drei grünen Tipps: biologisch düngen, Schnecken bekämpfen, Nützlinge fördern.

Der Regen hat leider auch viele Nährstoffe ausgeschwemmt und gerade Rosen und Stauden sollten nach der ersten Blüte im Juli nachgedüngt werden, damit sie uns mit einer zweiten, wenn auch meist schwächeren Blüte, erfreuen können.

Jauche, Brühe und Kompost-Tee sind dafür ganz tolle Alternativen — ein selbst hergestellter Biodünger aus dem eigenen Garten! Schon meine Großmutter hat auf Jauche gesetzt. Freilich habe ich als Kind erst mal einen großen Bogen um die brodelnde und übelriechende Tonne gemacht, in der dieser wertvolle Dünger herangereift ist. Aber als ich dann den riesigen Paradeiser verspeisen durfte, der damit gedüngt wurde, wollte ich schon als Kind mehr darüber erfahren.

Das Prinzip, wie man Jauche, Brühe und Pflanzen-Tees herstellt, ist immer gleich. Sie dienen als Dünger und Pflanzenstärkungsmittel. Eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen im Garten ist genauso wichtig wie das Stärken von Pflanzen, um Schädlinge im Zaum zu halten.

Und so einfach und biologisch wertvoll geht’s:

JAUCHE

Zerkleinerte Pflanzenteile (1 kg) in einem Gefäß mit großem Fassungsvermögen (kein Metallgefäß!) idealerweise mit Regenwasser (10 Liter) ansetzen und so lange vergären, bis keine Bläschen mehr aufsteigen (ca. acht bis vierzehn Tage). Dazwischen immer umrühren. Unbedingt vermeiden, Samen und Wurzeln unter das Schnittgut zu mischen. Schließlich wollen wir ja diese Kräutlein nicht in unserem Garten verteilen!

Behälter halbschattig aufstellen. Leider entwickelt sich oft während des Gärprozesses ein unangenehmer Geruch, den kann man vermeiden, indem eine Handvoll Urgesteinsmehl untergemischt wird. Ich stelle meinen Bottich gleich in die Nähe unseres Hausbrunnens, so habe ich beim Gießen immer das „Leckerli“ für meine Pflanzenschätzchen zur Hand. Meist sinken die Pflanzenteile zu Boden. Man kann sie aber auch abseihen. So kann beim Gießen oder Besprühen nichts verstopfen.

Vorsicht, die Jauche sollte nur an bedeckten Tagen und verdünnt 1:10 direkt zu den Wurzeln gegossen werden, da es ansonsten zu Verbrennungen kommen kann! Jauche sorgt für einen kräftigen Wachstumsschub — besonders starkzehrende Gemüsepflanzen profitieren davon. Einmal die Woche anwenden

BRÜHE

Pflanzen werden einen Tag lang in kaltem Wasser eingeweicht, dann aufgekocht und abgeseiht. Im Verhältnis 1:10 anwenden.

KOMPOST-TEE

Dieser wird kalt angesetzt und ist als Flüssigdünger für alle Starkzehrer geeignet. Dafür einen Leinensack mit 1 kg Kompost füllen und in einen Kübel mit 2 Liter Regenwasser hängen. Alternativ Kompost einfach in den Kübel schaufeln, kräftig umrühren und hinterher abseihen. Er sollte immer frisch zubereitet werden. Der Kompost-Tee dient zur Verbesserung der Bodenmikrolebewesen und trägt so zur Stärkung der Pflanzen bei — gesunde Erde gleich gesunde Pflanzen. Die Reste können getrost wieder in die „Goldmine“, wie ich meine riesige Kompostgrube nenne, wandern.

Düngen mit den „Feinden“

Das Tolle ist, mit Jauchen kann man „geliebte Feinde“ in Massen sinnvoll loswerden. Beispielsweise. Giersch — Platz 1 auf der gärtnerischen Jagdliste — und Brennessel. Daraus gewinnt man Dünger für Starkzehrer.
Aus welcher Vielzahl an Pflanzen — vom Ackerschachtelhalm bis zur Zwiebel — noch wertvolle Inhaltsstoffe gewonnen werden können, kann auf www.theheartgardener.at nachgelesen werden.

Die Schnecken sind da

Nun haben wir alles getan, um unsere Pflanzen gesund zu erhalten, zu stärken und so richtig gut und kräftig wachsen zu lassen — das Gärtnerherz lacht! Doch im Verborgenen lauert er schon: Unter dem (Film)Titel „Der Feind in meinem Beet“ läuft bei uns allen wohl Kopfkino. Sie sind wieder da — die Schnecken! Und das in Massen.
Scheinbar über Nacht fallen sie über unsere liebevoll hochgepäppelten Pflänzchen her. Der Regen hat sie wachgeklopft und nun schlagen sie erbarmungslos zu. Was können wir dagegen tun?

Gar nicht erst soweit kommen lassen, heißt die Devise, denn Schnecken vermehren sich rasend schnell mit bis zu 500 Eiern! Wenn man es übersehen hat, gilt: absammeln, abendliches „Schnecken checken“, aktive Bodenpflege betreiben, Schnecken-Kupferzäune, mineralische Schutzringe oder aus geruchsintensive Pflanzen (Lavendel) installieren, Nematoden einsetzen, auf schneckenresistente Pflanzen setzen! Warum Hausmittelchen, wie Bierfallen zur „Schneckenparty“ werden und die Indischen Laufenten zwar putzig, aber manchmal kontraproduktiv sind und noch vieles Nützliche mehr auf www.theheartgardener.at.

Fortsetzung folgt, denn in meiner nächsten Gartengeschichte erkläre ich, wie wichtig Nützlinge im Naturgarten sind — unsere „Verbündeten“ im Kampf gegen viele Schädlinge — und wer „Fred“, „Susi“ und „Iggy“ sind und wie meine tierischen Helferlein jeden unterstützen können.

VON PATRIZIA HASLINGER

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