Der hält Dir den Rücken frei

Wer American Football schaut, weiß, was ein Fullback ist: Ein kräftiger, schwerer Passempfänger in der Offensive, der auch als Vorblocker eingesetzt werden kann. Doch es gibt auch noch die andere Sorte von Fullback; die mit vier Rädern, einer Pritsche, Dieselmotor mit 2,4 Litern Hubraum und einem Fiat-Logo auf der Front.

Text & Fotos: Oliver Koch

Ganz genau, ganz präzise, unglaublich exakt, strategisch, wohlüberlegt – und ab und zu eine Prise Genialität. Das zeichnet erfolgreiche Football-Teams aus. Ein Pass des Quarterbacks auf den Wide Receiver kann die Partie entscheiden und ein gelungener Lauf eines Fullbacks bringt möglicherweise die entscheidenden Yards für das nächste First Down. Also: So ein Fullback muss also groß, schwer und doch auch wendig sein. Joe Perry, der für die 49ers spielte, war so einer. Mike Alstott – der zwölf Jahre bei den Tampa Bay Buccaneers spielte – gilt ebenso als Fullback-Legende. Und nicht zu vergessen: John Riggins, Spitzname „The Diesel“.

Nun ist der Spitzname „Diesel“ wohl eine gute Überleitung auf den Fiat Fullback, der – wie es sich für einen Pick-up gehört – mit einem doch recht lautstarken Reihen-Vierzylinderdieselmotor vorfährt und ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern bereitstellt. Die schon oben genannten Attribute treffen natürlich auf den Fiat zu. Groß ist er: 5285 Millimeter lang, 1815 Millimeter breit und 1780 Millimeter hoch. Auf die Waage bringt er stolze 1,8 Tonnen. Die elf Spieler einer Football-Offense kann er ohne weiteres transportieren, denn neben den fünf Sitzplätzen – die auch 1,90-Meter-Hünen genügend Platz lassen – verfügt er über eine große Pritsche und gebremste Anhänger kann er bis zu einem Maximalgewicht von 3100 Kilogramm ziehen.

Damit liegt er zwar unter den Werten seiner Wettbewerber, stattlich ist dieser Wert aber allemal. Dabei kämpft sich der Pick-up nicht nur auf der Straße sondern zur Not auch durchs verregnete, matschige Football-Feld seinen Weg, schließlich verfügt er über Allrad (wir sagen nur: vier Traktionsmodi und sperrbares Hinterachsdifferenzial) und 181 PS. Will heißen: Er ist zwar nicht der klassische Sprinter, aber ein souveräner Kämpfer auf und abseits der Piste.

Typenschein

Fiat Fullback Cross Doppelkabine

Preis: ab € 41.628,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 41.628,- einen Fiat Fullback (Klubkabine Basis) gibt es ab € 27.948,-
NoVA/Steuer: 21 %/ € 856,44 jährlich
Garantie: 4 Jahre bis max. 60.000 km die ersten 2 Jahre ohne km-Begrenzung, 3 Jahre Lackgarantie, 8 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 20.000 km oder alle 2 Jahre

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Common-Rail, Turbolader, Partikelfilter, 2442 cm³, 133 kW/181 PS bei 3500 U/min, max. Drehmoment 430 Nm bei 2500 U/min
Getriebe: Fünfgangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h
Leistungsgewicht: 10,36 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 9,1/6,6/7,5 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 10,6 Liter
CO2-Ausstoß: 196 g/km
NOx: 0,1128 g/km; Euro 6b

Eckdaten:
L/B/H: 5285/1815/1780 mm
Radstand: 3000 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1875/2910 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst: 3100/750 kg
Nutzlast: 960 kg
Pritschenlänge: 1520 mm
Pritschenbreite: 1470 mm
Tank: 75 Liter (Diesel)
Reifen: 4 x 245/65 R17 111S auf 17“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/TPMS
Airbags: 4

Geländedaten:
Bodenfreiheit: 205 mm
Böschungswinkel vorne: 30°
Hinten: 22°
Rampenwinkel: 24°

Ästhetisch anzusehen ist der Fiat Fullback nebenbei gesagt auch noch: Die klaren Linien, die scharf gezeichneten Halogenscheinwerfer mit Chromumrahmung samt darunter liegenden runden Nebelscheinwerfern sowie die mächtigen Plastikumrahmungen um die Radkästen verleihen dem Italiener – der übrigens auf dem Mitsubishi L200 aufbaut – eine mächtige Straßenpräsenz. Abgerundet wird die Ausstattungslinie namens Cross Doppelkabine von mächtigen Plastiktrittbrettern, einer sanft ansteigenden Windschutzscheibe und einem interessanterweise relativ dezent gestalteten Heck. Die Trittbretter halten übrigens einiges aus, können beim Entern des Pick-ups getrost betreten werden, wobei hier Fahrer und Beifahrer in der Innenseite Haltegriffe zur Verfügung. Das ist sehr praktisch, nebenbei gesagt.

Innen zeigt sich der Fullback rustikal – will heißen: Der Plastikanteil ist hoch, der Cockpitaufbau nüchtern und ganz im Dienste der Sache angelegt. Der Schalthebel der Fünfgang-Wandlerautomatik, die spürbar die Gänge wechselt, wird optisch wenig attraktiv in einer offenen Schaltkulisse geführt. Ansonsten bietet der Fullback auch ein Navi, Klimaanlage, Sitzheizung und alle modernen Vernetzungsmöglichkeiten sowie jede Menge Ablageflächen. Die Lenkung wirkt etwas indirekt, so als brauche es eben seine Zeit, bis die Information über die Drehung des Lenkrads bei den Vorderrädern angekommen ist. Die Italiener haben das Fahrwerk dafür sehr gut abgestimmt. Der Fullback schaukelt sich zwar schon über die Hinterachse auf, das ist aber keinesfalls störend. Der Fiat saust zudem überraschend flink: Die Nadel im Tacho schlägt bis zu 177 km/h aus. Bei spontanen Seitenwinden spürt man das Volumen des Wagens, das erregt aber kein spürbares Aufsehen. Knausrig beim Verbrauch ist er hingegen nicht – selbst bei gemäßigter Fahrweise fällt die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers nur selten unter die Zehn-Liter-Marke.

Fazit: Ganz klar ein Arbeitstier erster Güte mit ordentlichen Nehmerqualitäten im Gelände aber hohem Verbrauch. Dafür stimmen das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Fahreigenschaften.

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