Der Hang zu Hanf bleibt

Jüngster Vorstoß der Regierung zur Regulierung von CBD bringt Verwirrung – Handel und Gastronomie geben sich erfinderisch

CBD ist „in“: Diese Cannabis-Blüten wirken nicht berauschend und werden seit Oktober im Smaragd-Café Linz vertrieben. Sie werden dort jedoch nicht als Rauchwaren geführt, sondern als „Aromaprodukte“.
CBD ist „in“: Diese Cannabis-Blüten wirken nicht berauschend und werden seit Oktober im Smaragd-Café Linz vertrieben. Sie werden dort jedoch nicht als Rauchwaren geführt, sondern als „Aromaprodukte“. © Capjah - stock.adobe.com

Von Andreas Huber

Hanf boomt. Das merkt man mittlerweile auch in Oberösterreich. Denn die berüchtigte Pflanze und deren Wirkstoff CBD (Cannabinoid), mit der lässt sich seit geraumer Zeit sehr viel Geld machen, und das ganz legal. Nicht nur Apotheken leben gut vom Verkauf von CBD-Produkten, auch der Handel spürt den Hype: Laut Stefan Wolyniec, Vorstand des Wirtschaftsverbandes Cannabis Austria (WVCA), gibt es in Österreich bereits rund 200 Hanfshops, die etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigen und jährlich mehr als 150 Millionen Euro Umsatz lukrieren; Tendenz steigend. Man muss wissen: CBD wirkt – ganz im Gegensatz zu seinem „illegalen Bruder“ THC (Tetrahydrocannabinol) – laut Experten nicht berauschend oder psychoaktiv, sondern leicht entspannend und angstlösend. Ein wahrer Boom an Produkten wie Hanf-Tees und -Ölen konnte hier in letzter Zeit am Markt beobachtet werden. Gerade aber in diesem Geschäftszweig drohen nun herbe Einschnitte: Der jüngste Vorstoß des Gesundheitsministeriums zur österreichweiten Regulierung des Wirkstoffes CBD macht nämlich darauf aufmerksam, dass CBD-Extrakte in Nahrungsergänzungsmittel sowie in Lebensmittel wie Süßwaren oder Kuchen unter die EU-„Novel-Food“-Verordnung fallen und daher nicht mehr verkauft werden dürfen. Ebenso sei ab sofort der Einsatz in Kosmetika untersagt.

THC-Obergrenzwert von 0,3 Prozent zu beachten

CBD-Blüten zum Rauchen – zwingend einzuhalten ist der im Suchtmittelgesetz geregelte THC-Obergrenzwert von 0,3 Prozent – unterliegen hingegen dem Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz und dürfen ab 1. Jänner 2019 nur noch an Volljährige verkauft werden. Soweit, so unklar. Denn die Auslegung, welche Produkte unter diesen Erlass des Bundesministeriums fallen und welche nicht, stiftet zusehends Verwirrung. Andreas Troger, Gründer des steirischen Shops „Hanfgarten“ und Geschäftsführer der Produktschiene MedCBD, ist aufgrund der Verunsicherung von Apothekern bezüglich der beliebten CBD-Tropfen hier um Klarstellung bemüht: „Da es sich bei MedCBD um ein landwirtschaftliches Urprodukt handelt, ist es nicht vom Erlass des Bundesministeriums betroffen. Dies bestätigt ein aktuelles Rechtsgutachten.“

Coffeeshop in Linz

Und auch die Gastronomie setzt verstärkt auf die Wirkstoffe des Grünzeugs – bzw. auch auf das Grünzeug selbst: Im traditionellen Linzer Altstadtlokal „Smaragd“ etwa ließ man im Herbst einen Coffeeshop in Kooperation mit der „Graslerei“ aus Graz installieren, wo ganz legal CBD-Blüten als „Aromaprodukte“ gekauft werden können. Die Hanf-Produktpalette vor Ort umfasst sonst auch Erzeugnisse wie Backwaren, Mehlspeisen, Öle, Tees, Honig und Bier. Normaler Tabak darf im Café hingegen nicht konsumiert werden, überhaupt sind die rauchbaren „Aromastäbchen“ nicht zur Einnahme empfohlen – denn das wäre laut Bastian Knabl, Initiator des Projekts „Graslerei“, eine missbräuchliche Verwendung, wie er im Gespräch mit dem VOLKSBLATT betonte: „Wir verkaufen unseren Kunden nicht nur das Produkt selbst, sondern auch die Verantwortung darüber.“ Ein Lokalaugenschein verdeutlicht jedoch, dass das Rauchen der CBD-Stäbchen zumindest klar „geduldet“ wird. Nicht überall ist Erfindertum aber wirklich notwendig: Sogar der WVCA begrüßt die Einordnung von Hanfblüten als pflanzliche Raucherzeugnisse. Damit müssten sie nur mit den damit verbundenen Kennzeichnungspflichten versehen werden. Aber hier schwimmt man lieber im erfinderischen Graubereich.