Der Himmel kann warten …

Neue Ausstellung im Linzer Schlossmuseum fragt nach der Zukunft

Diorama „Heaven Can Wait“ mit (v. l.) Martin Huber, Rainer Dempf, Isolde Perndl, kaufmännische Leiterin der OÖ-Landes-Kultur GmbH, Landeshauptmann Thomas Stelzer, Christoph Steinbrener und Kuratorin Michaela Seiser
Diorama „Heaven Can Wait“ mit (v. l.) Martin Huber, Rainer Dempf, Isolde Perndl, kaufmännische Leiterin der OÖ-Landes-Kultur GmbH, Landeshauptmann Thomas Stelzer, Christoph Steinbrener und Kuratorin Michaela Seiser © Michael Maritsch

Wer immer schon wissen wollte, wie sich so ein Affe im Zoo fühlt, den die Besucher anstarren, der kann sich jetzt im Linzer Schlossmuseum genau in diese Lage versetzen.

Auf der einen Seite 20 Tiere, die den Besucher anstarren — auf der anderen der Besucher, der zum Beobachteten wird. Und dahinter drei Bilder, die augenzwinkernd bewusst machen, dass der Betrachter gerade zum Affen wird …

Durchaus humorvoll und gepaart mit der Kunst des Präparierens stellt sich das Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber in der neuen Ausstellung im Linzer Schlossmuseum „Heaven can wait“ (bis 3. Oktober 2021) in Zeiten der Klimakrise und einer Pandemie der Frage nach der Zukunft. Wie wird sie aussehen?

„Wir sehen sie nicht zwangsläufig düster, aber man kann sie eben nicht vorhersehen“, sagt Steinbrener. Fünf Dioramen, sprich Schaukästen, die eine künstlerische „Scheinwelt“ zeigen, stehen jeweils drei Bildern gegenüber — dazwischen der Betrachter — ein vielschichtiger Kommunikationsprozess kann starten …

Massentourismus und Co.

Die Ausstellung ist in zwei Teile untergliedert — der künstlerische Part im Untergeschoß und der wissenschaftliche, der Einblick in die Kunst des Präparierens bietet, auf der Ebene der Dauerausstellung. Im Untergeschoß erwartet den Besucher gleich zu Beginn ein gewaltiger Steinbock, der den Körper samt Zunge gegen die Scheibe drückt — er will flüchten aus dem weitläufigen Gebirge (Mont-Blanc-Gebiet).

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Warum? Der Massentourismus hinterlässt nicht nur im Schnee seine Spuren … Ein weiteres Diorama setzt sich mit dem Thema Weltall auseinander, selbst das ist nicht sicher vor dem Müll, produziert von Menschenhand. Auch Hollywood-Visionen finden Einzug in die Ausstellung. Gerne beruft sich das Künstlerkollektiv auf bereits Bekanntes. Etwa im filmisch inspirierten Diorama „Industrial Light and Magic“.

„Wir berufen uns hier auf zwei Filme, ,I am Legend’ und ,Inception’“, erklärt Steinbrener. Besonders aufwendig: das Diorama „Up in the Air“, eigens angefertigte Vogel-Präparate vermitteln einen Eindruck zwischen Leichtigkeit und Hitchcock-Bedrohlichkeit.

Und am Ende wird der Betrachter zum eingangs erwähnten Beobachteten. Auch eine Anspielung auf die Möglichkeit, dass sich die Tiere Lebensraum zurückerobern oder gar eindringen in den Wohnraum der Menschen …

„Mit ihrer besonderen künstlerischen Arbeit wecken Steinbrener/Dempf & Huber das Bewusstsein für unsere Umwelt und unseren Umgang mit ihr“, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Präparator bei der Arbeit

Sechs Präparate der insgesamt 34 für die künstlerische Schau wurden im Schlossmuseum gefertigt. Einblick in den Arbeitsbereich von Chef-Präparator Stephan Weigl bekommen Besucher im Bereich der Dauerausstellung. Sie können u. a. beobachten, wie Käfer einen Tierkörper abnagen. Allein die Herstellung des Steinbock-Präparats im Untergeschoß nahm mehrere Tage in Anspruch. Ein Modell aus Polyurethan musste gefertigt, die Haut aufgezogen und vernäht werden u. v. m.. Der Bock war übrigens über Jahre eingelagert, bevor er seine neue Bestimmung fand: „Heaven can wait“, hieß es für ihn.

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www.ooelkg.at

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