Der Kaiser an der Zeitenwende

Vor 500 Jahren starb in der Welser Burg Kaiser Maximilian, der letzte Ritter, aber auch der Monarch, der den Grundstein für das Weltreich der Habsburger legte. Er ist das österreichische Highlight des Jubiläumsjahres 2019.

Wohlan, ich bin zu dieser Reise mit Gottes Gnaden vollkommen gerüstet“, das sollen die letzten Worte von Kaiser Maximilian gewesen sein, bevor er am 12. Jänner 1519 um 3 Uhr in der Früh im 60. Lebensjahr in einem Erkerzimmer in der Welser Burg verstarb. Wie in der damaligen Zeit üblich, inszenierte er seinen Tod als außergewöhnlich demütiger und mit Schuld beladener Sünder und Büßer. Er ordnete an, nach seinem Tod nicht einbalsamiert zu werden, sondern verfügte stattdessen, dass sein Leichnam gegeißelt werde und dass seine Haare geschoren und die Zähne ausgebrochen werden. Und dann wurde er getreu dem Testament von Wels in seiner Taufkirche, der St.-Georgs-Kapelle der Burg in Wiener Neustadt, unter den Stufen des damaligen gotischen Hochaltars beigesetzt – und zwar so, dass Priester während der Messe genau über seinem Herzen zu stehen kommen. Doch das ist eh gar nicht dort. Sein Herz wurde nämlich in Brügge im Sarkophag seiner ersten Frau, Maria von Burgund, beigesetzt. Maximilians berühmtes Grabmal mit zahlreichen Bronzefiguren, das er zu Lebzeiten für die St.-Georgs-Kapelle in Wiener Neustadt in Auftrag gegeben hatte, blieb unvollendet. Erst sein Enkel Ferdinand I. ließ es in der eigens dafür erbauten Hofkirche in Innsbruck aufstellen – bis heute kann man dieses Zeugnisse des Mannes besichtigen, der das Ende des Mittelalters und den Beginn der Neuzeit symbolisiert.

Tu Felix Austria

Die Reise nach Wels war die letzte Reise eines reisenden Kaisers. Er regierte ja über drei Länderkomplexe und besaß keine feste Residenz, sondern pendelte zwischen den Herrschaftsgebieten ständig hin und her, denn er wollte als Herrscher überall persönlich präsent sein.

Maximilian wurde 1459 als Sohn Kaiser Friedrichs III. – „sein“ Tor ist noch immer der Eingang ins Linzer Schloss – und dessen Gemahlin Eleonore von Portugal in Wiener Neustadt geboren. 1477 heiratete er in Gent Maria von Burgund, die Tochter Karls des Kühnen – damit fallen die Niederlande zum Hause Österreich. Aus der Ehe mit Maria von Burgund gingen zwei Kinder hervor: Philipp der Schöne und Margarethe von Österreich. Mit dem 1494 geschlossenen Bündnis zwischen Maximilian und den Königen Spaniens, Ferdinand und Isabella, und der daraus resultierenden Hochzeit zwischen Erzherzog Philipp und Erzherzogin Margarete mit den Kindern des spanischen Königshauses legte er den Grundstein für die spätere Weltgeltung des Hauses Habsburg: Sein Enkel Karl, Kaiser Karl V., herrschte über ein Reich, in dem „die Sonne nicht mehr unterging“. Diese Hochzeitsdiplomatie wurde sogar sprichwörtlich: „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“ (Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate) stammt allerdings nicht von Maximilian, sondern findet sich in den Quellen erstmals im 17. Jahrhundert. Und das mit den Kriegen wäre auch historisch falsch. Innerhalb von etwa 40 Jahren führte Maximilian nämlich 25 Feldzüge. Diese Kriege, aber auch sein prunkvoller Lebensstil erzeugten außerdem einen enormen Schuldenberg und machten seinen Hausbankier Jakob Fugger zu einer mächtigen Schlüsselfigur. Das Diktat der leeren Kassen brachte Maximilian letztlich auch dazu, Bianca Maria Sforza zu heiraten, eine reiche Mailänder Erbin samt hoher Mitgift.

Viele seiner ehrgeizigen Pläne blieben zwar unvollendet, trotzdem hat der „letzte Ritter“ viele Spuren hinterlassen: Von ihm gibt es die meisten Porträts aller deutschen Herrscher und das „Goldene Dachl“ in Innsbruck oder die Bemalungen an den beiden Stadttoren in Vöcklabruck zeugen von seinem „Marketing-Talent“. Denn er wusste: „Wer im Leben nicht für sein Gedenken sorgt, der hat nach seinem Tod kein Gedenken und dieser Mensch wird mit dem Glockenton vergessen.“ Von der Nachwelt erhielt Maximilian den Beinamen „Der letzte Ritter“, denn er verkörperte noch das Ideal des alten burgundischen Rittertums. Zugleich erwies er sich jedoch als vorausschauender, modernisierender Herrscher der anbrechenden Neuzeit, sodass Maximilian auch zum „Ersten Kanonier“ ernannt wurde.

hs

Veranstaltungen und Ausstellungen

Neben Wiener Neustadt und Innsbruck ist Wels der Hotspot für das Maximilian-Gedenken in diesem Jahr. Mit dem Todestag startet ein Veranstaltungsreigen, der das ganze Jahr überdauern wird. Die Sonderausstellung „Maximilian I.: Kaiser – Reformer – Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters“ ist ab 21. März im Stadtmuseum Wels-Burg zu sehen. Infos unter www.wels.gv.at. In Wiener Neustadt wird der neue Altarraum mit dem Grabmal von Kaiser Maximilian I. in der St. Georgs-Kathedrale neu gestaltet. Und ab 30. März wird sich die nö. Landesausstellung u. a. auch mit Kaiser Friedrich III. und Maximilian I., beschäftigen, Infos unter www.wiener-neustadt.at. Besonders viele Veranstaltungen werden in seiner Tiroler Wahlheimat abgehalten. Infos unter maximilian2019.tirol. Aber auch zahlreiche Bücher sind erschienen. So hat etwa die Historikerin Sabine Weiss im Tyrolia Verlag den prächtigen Bildband „Maximilian I. — Habsburgs faszinierender Kaiser“ herausgebracht. Auf 400 Seiten porträtiert sie den „Romantiker, Schuldner und Begründer eines Weltreiches“ und erklärt, „wie Kaiser Maximilian I. in die Geschichte einging“. Erhältlich um 39,95 Euro.