Der König wieder nackt

TanzTage: Shaun Parker Company mit dem Stück „King“ im Posthof

Die Performance „King“ im Linzer Posthof war ein Augenschmaus mit deutlich kritischem Unterton.
Die Performance „King“ im Linzer Posthof war ein Augenschmaus mit deutlich kritischem Unterton. © grox

Von Christian Pichler

Das Ambiente surreal, hinten wuchert üppiges Grün, oben hängt ein Kronleuchter. Wildnis oder Wunderland, je nachdem. Zehn Herren im Anzug treten an, wechseln wie zufällig die Plätze, erschnuppern Hierarchien. Nach und nach bröckelt das steife Getue, tun sich Lücken auf.

Artistische Kunststücke, mechanische Gruppen

Artistische Kunststücke, fast beiläufig dargeboten. Mechanische Gruppen, mittendrin ausgelassene Bocksprünge. Weiche Bewegungen, auch Zartes, die Hülle primitiver Männlichkeit fallengelassen. Die Tänzer fächern sich in dynamischen Mustern auf, erinnern an Revuegirls aus alten Schwarzweißfilmen.

Die Performance „King“ des Australiers Shaun Parker ist ein Augenschmaus mit deutlich kritischem Unterton, Österreich-Premiere war am Samstag im knallvollen Linzer Posthof. Der Titel mehrdeutig, nackter Kaiser aus Andersens Märchen oder „Mann“ schlechthin, der sich zum König der Welt erhebt. Der bulgarisch-stämmige Songwriter Ivo Dimchev untermalt oder konterkariert, seine Falsettstimme sorgt für einige Klaus-Nomi-Gedächtnis- und Gänsehautmomente.

Scharfe Brechung, die Herren mit nacktem Oberkörper und äffischem Imponiergehabe. Was erst noch von „Zivilisation“ verhüllt, wird jetzt offen ausgespielt. Der Größte (mit der bleichsten Haut) der Anführer, splitternackt. Hart mit dem Fuß auf den Boden gestampft, und alle krümmen sich. Solange sie daran glauben, hat er die Macht. Anklänge ans Heute gewollt, eine Bilderflut, an der man sich nicht sattsehen konnte.

Eine völlig eigenwillige Formen- und Bühnensprache Shaun Parkers, seine Company international bereits mehrfach preisgewürdigt. Genüssliche Provokation, rasender Applaus.

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