Der logische Antisemitismus

Judenhasser-Verehrung in muslimischen Vereinen erklärte bedenkliche Umfrageergebnisse

Die von einem Religionslehrer geführte Austria Linz Islamische Föderation würdigt den Antisemiten Necmettin Erbakan als „großen islamischen Vordenker und Gelehrten“.
Die von einem Religionslehrer geführte Austria Linz Islamische Föderation würdigt den Antisemiten Necmettin Erbakan als „großen islamischen Vordenker und Gelehrten“. © Screenshot: Facebook

Die jüngste Antisemitismus-Studie im Auftrag des Parlaments (Seite 3) weist für türkisch- bzw. arabischstämmige Menschen in Österreich eine signifikant höhere Antisemitismusneigung aus als für den Rest der Bevölkerung.

Überraschen kann das freilich nur jemanden, der die gar nicht so verborgenen antisemitischen Tendenzen in Teilen der islamischen Community übersieht beziehungsweise bewusst ignoriert.

Besonders zu erwähnen — weil in der türkischen Gemeinde sehr einflussreich — ist in diesem Zusammenhang die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), welche in Österreich als Islamische Föderation (IF), in Oberösterreich als Austria Linz Islamische Föderation (Alif) in Erscheinung tritt.

Muslimischer Janus-Kopf

Die Milli-Görüs-Vereine verbreiten einen fundamentalistischen Islam, fördern Koranstudium in arabischer Sprache, veranlassen auch kleine Mädchen zum Kopftuchtragen und bieten etwa in Linz jeden Dienstag Kurse in islamischem Recht an. Nach außen hin geben sich die Funktionäre durchaus modern und suchen den Kontakt zu Kirche wie Politik.

Zwar betont die IGMG-Zentrale in Köln neuerdings, weder mit der antisemitischen Saadet-Partei noch mit der Milli-Görüs-Bewegung in der Türkei etwas zu tun zu haben, doch glaubwürdig wirkt das nicht.

Gerade in dieser Woche war die ideologische Klammer des Milli-Görüs-Netzwerkes wieder für alle sichtbar, die es sehen wollten. In ganz Europa huldigten die IGMG-Ableger einem gewissen Necmettin Erbakan. Anlass war der achte Todestag des Milli-Görüs- und Saadet-Gründers am 27. Februar. Obwohl die IGMG mit dessen Bewegung nichts zu tun haben will, gedachten deren Vereine in sogenannten „Önden Gindenleri“-Symposien ihrer Vordenker — allen voran Erbakan.

Auch in Oberösterreich Verehrung für Judenfeind

Somit wurde auch im Alif-Zentrum in Perg am 24. Februar ein glühender Antisemit gewürdigt. Denn Erbakan war felsenfest überzeugt von der jüdischen Weltverschwörung. Ein Jahr vor seinem Tod sagt er in einem Interview: „Seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt. Es ist eine Herrschaft des Unrechts, der Grausamkeit und der Gewalt. Sie haben einen starken Glauben, eine Religion, die ihnen sagt, dass sie die Welt beherrschen sollen.“

Dass es sich dabei um keine einmalige Entgleisung handelte, lässt sich in unzähligen Zitaten nachlesen, in denen Erbakan über Juden, Zionismus und Israel herzieht.

Und genau diesen Mann würdigt Alif, deren Vorsitzender Resul Koca Religionslehrer im Landesdienst ist, auf seiner Facebook-Seite am Todestag mit diesen Worten: „Wir gedenken einem großen islamischen Vordenker und Gelehrten, Prof. Dr. DI. Necmettin Erbakan, der heute vor 8 Jahren seinem Schöpfer gegenüber getreten ist.“ Die Würdigung enthält zudem einen Link (#necmettinerbakan) zu einer Sammlung von Erbakan-Zitaten, von denen mehrere eindeutig antizionistisch bzw. antisemitisch konnotiert sind.

Die Mitverantwortung von Kirchen und Politik

Eine Organisation, die sich selbst ihres Engagements in der Jugendarbeit rühmt, empfiehlt also ihren Mitgliedern einen Antisemiten als Vorbild. Da sollte es nicht überraschen, wenn in Umfragen unter türkischen Mitbürgern die Antisemitenquote höher ist als der landesübliche „Bodensatz“.

Mitverantwortung tragen aber auch jene kirchlichen und politischen Funktionäre, die Milli Görüs das Einsickern in die Gesellschaft ermöglichen, ohne die nötigen Fragen zu stellen. So könnte etwa der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) seine freundschaftlichen Kontakte zu Murat Baser, dem religiösen Wegweiser (Irsad) von Alif, nützen, um ihm einmal diese bislang unbeantwortet gebliebene Frage zu stellen: Warum feiert ihr Erbakan als Vordenker und warnt nicht vor dessen Ideologie?

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