Der netteste Schwiegersohn

Kleinkunst: Salzburger-Stier-Preisträger Omar Sarsam gastierte in Linz

Fies in die Falle gelockt: Salzburger Stier für Omar Sarsam, das Programm „Sonderklasse“ aber erstaunlich harmlos
Fies in die Falle gelockt: Salzburger Stier für Omar Sarsam, das Programm „Sonderklasse“ aber erstaunlich harmlos © Stefan Gergely

Ein paar Minuten unterhält das schon. Sind sogar ein paar gute Lacher dabei. Ambulanz-Protokolle, die zwar dem Datenschutz unterliegen und deshalb nur „frei erfunden“ sind, wie Omar Sarsam versichert. Egal.

Einer hat Eiswürfel geschluckt und nach sechs Tagen nicht wieder ausgeschieden. Hihi. „Penis bewegt sich nicht.“ Oder: „Komisches Bauchgefühl im Mund.“ Hoho. Welche Beschwerden? „Meine Mutter.“

Ja eh. Und dann? Zwei Stunden Zwiespalt. Für seine biedere Spaßmacherei bekam Omar Sarsam, Wiener mit irakischen Wurzeln, der auch als Kinderarzt arbeitet, heuer den Salzburger Stier zugesprochen.

Das spricht eher nicht für den Preis, war aber am Dienstag mithin ein Grund, warum der Große Saal im Linzer Posthof ausverkauft war. „Sonderklasse“ das dritte Programm Sarsams, eine Ernüchterung.

Im Krankenhaus

Sarsam kann gut Stimmen und Tiere imitieren, er kann gut Geschichten erzählen. Bloß, dass diese Geschichten nur so vorbeiplätschern. Keine richtig vertieft, keine so richtig relevant. Der Biss von einer tollwütigen Fledermaus, zum Glück nur ein Traum. Der Waldviertler Schwiegervater in spe, dessen Fremdenfeindlichkeit seltsam afrikanisch klingt („Wie haaßta, woher kummta?“). Der Spaßmacher am E-Piano, lässt es grönemeyern oder geißelt im Rasta-Style („Ready for vaxination?“) Amtsträger, die sich bei den ersten Corona-Impfungen vorgedrängelt haben.

Sonst? Wer kein Fan von Krankenhaus-Schnurren ist – inklusive Sarsams nette Verachtung von äffischen Chirurgen –, der oder die war an diesem Abend schon einmal zur Hälfte fehl am Platz.

Höflich und eloquent und emphatisch, Sarsam tritt auf wie der netteste Schwiegersohn. Man – oder bloß der voyeuristische Besucher? – wünscht sehnlichst einen doppelten Boden herbei. Dass Sarsam sich an einen Abgrund wagt. Dass er endlich eine ungute Seite seiner Bühnenfigur offenbart (Denn es handelt sich noch immer um eine Theatersituation. „Authentisch“ ist immer Quatsch). Aber Sarsam zieht das durch, bleibt fürchterlich lieb bis zum Ende.

Großes Harmoniebedürfnis des Bühnenakteurs. Kabarett, das nirgends anstreifen will, sich selbst kaum in Frage stellt. Das nichts riskiert, niemanden vor den Kopf stoßen will und so auf Dauer mörderisch langweilt. Der Applaus drinnen mächtig, draußen Frischluft.

Von Christian Pichler

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