Der notwendige Kampf gegen Online-Manipulation

Lügen und Propaganda im Netz bedrohen aufgeklärte Gesellschaften und Demokratien

Wer nicht lernt, die Gefahren sozialer Medien zu erkennen, gerät leicht in die Falle der Desinformation und Propaganda.
Wer nicht lernt, die Gefahren sozialer Medien zu erkennen, gerät leicht in die Falle der Desinformation und Propaganda. © Rawf8 - stock.adobe.com

Es ist fast schon egal, um welches politische oder gesellschaftliche Thema es sich handelt.

An einem Phänomen kommt man heutzutage nicht mehr vorbei: an teils groß angelegten Versuchen der Manipulation in den angeblich so sozialen Medien des Internets.

Online-Lug und Betrug bei Wahlen, Corona & Co.

Das war bei den vergangenen US-Wahlen ebenso, wie es bei den laufenden Vorwahlen der Fall ist. Russland soll, so die neueste Entwicklung, für den Demokraten Bernie Sanders online Stimmung machen – ein Vorgehen, das freilich dem republikanischen Präsidenten Donald Trump helfen soll. Und auch in Sachen Coronavirus gibt es Vorwürfe, wonach aus Russland munter Verschwörungstheorien verbreitet werden, um westliche Gesellschaften und Demokratien zu schwächen und Zwietracht zu säen. Aber nicht nur im Großen, auch auf nationalen Ebenen wird online in großem Stil manipuliert, gemobbt, verleumdet und gelogen, dass sich die Balken biegen.

Am Beginn des Internets stand die große Hoffnung

Dabei hat alles so hoffnungsvoll begonnen: Als das Internet zu seinem Siegeszug angetreten ist, träumten nicht wenige von einer Demokratisierung des Wissens. Wenn jede und jeder über den Computerbildschirm – und später über Tablet, Handy & Co. – Zugang zu praktisch dem gesamten aktuellen Wissen habe, dann könne sich ja nur die Wahrheit durchsetzen. So zumindest lautete das Credo.

Heute wissen wir, dass das Gegenteil eingetreten ist. Die Wahrheit spielt in gewissen Kreisen – im Online-Jargon als Blasen bezeichnet – schon längst keine Rolle mehr. Stattdessen regieren gefälschte Bilder und Videos, Diffamierungen, aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen, Halbwahrheiten und schlicht dreiste Lügen, die ungeniert verbreitet werden. Diese Tweets, Facebook-Posts, Instagram-Stories, Snapchat-Beiträge und Ähnliches sprechen zumeist nicht die höchsten Instinkte an und fallen – oft beflügelt durch die vermeintliche Anonymität im Netz – auf fruchtbaren Boden derer, die sich in ihren Ängsten, Befürchtungen, Komplexen, mitunter auch in ihrem Hass oder psychischen Auffälligkeiten bestätigt sehen und entweder gutgläubig oder mit eigener perfider Absicht fleißig weiter teilen.

Gefeit ist davor ganz offenbar niemand, vielleicht auch deshalb, weil das Tratschen und der Wunsch, fantastische und weit hergeholte Geschichten und Begründungen zu glauben (vor allem, wenn diese erklären, dass man selbst unverschuldet ins Hintertreffen gerät), Teil unserer menschlichen Natur sind.

Vor dem Computer fehlt relativierendes Korrektiv

Während aber am Stammtisch oder bei Gesprächen im Verein meist ein relativierendes Korrektiv vorhanden ist, fehlt das in besagten Online-Blasen völlig. Richtig gefährlich wird es, wenn Staaten oder Institutionen dies ausnutzen und ungeniert Lügenpropaganda verbreiten. Und übrigens auch ungestraft, wie unzählige belegte, aber folgenlose Lügen eines US-Präsidenten auf Twitter zeigen.

Dass demokratische Gesellschaftsordnungen dies nicht akzeptieren dürfen, liegt auf der Hand.

Einerseits gilt es, bei der Bildung anzusetzen und den Umgang mit sozialen Medien zu schulen. Das geschieht in manchen Schulen bereits, ist aber noch ausbaufähig.

Kampf gegen die Online-Manipulation ist nötig

Im Kern geht es darum, Menschen zu befähigen, manipulative und falsche Inhalte als solche zu erkennen.

Natürlich ist auch jeder und jede Einzelne selbst gefordert, kritisch zu bleiben oder zu werden, um sich nicht benutzen, unnötig verängstigen oder manipulieren zu lassen. Und es braucht weiters einen strengen rechtlichen Rahmen, der auch in der Online-Welt durchsetzbar ist, wenn offensichtlich strafrechtlich relevante Taten gesetzt werden.

Davon ist man derzeit trotz anfänglicher Schritte noch weit entfernt. Das Internet darf aber kein rechtsfreier Raum bleiben, in dem sich anonyme Trolle nach Lust und Laune herumtreiben. Das hat nichts mit dem Ruf nach Zensur zu tun. Es geht schlicht und einfach darum, destruktiven Kräften nicht zu erlauben, demokratische und moderne Gesellschaftsordnungen auszuhebeln.

Und es gilt nicht zuletzt auch, den Wert seriöser Medien, die nach journalistischen Kriterien recherchieren, Themen sichten und bewerten und sowohl online wie auch offline veröffentlichen, hervorzuheben.

Es gilt, den Wert seriöser Medien hervorzuheben

Auch das muss in der Schule beginnen und in Politik und Gesellschaft seine Fortsetzung finden. Das Internet ist ja nicht per se schlecht – auch das Oö. VOLKSBLATT ist dort auf mehreren Kanälen vertreten. Es gilt aber stets, die Informationsquellen, denen man glauben schenkt, nach deren Seriosität und journalistischen Ansprüchen auszuwählen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die Errungenschaften der Aufklärung durch jene zunichte gemacht werden, die die Möglichkeiten des Internets sträflich und vorsätzlich missbrauchen. Diese Herausforderung ist wohl nicht kleiner als jene des Klimawandels oder der Migration.

Analyse von Christian Haubner

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