„Der Prophet half beim Kochen“

Ein Seminar über islamisches Familienrecht wirft Frage nach Widersprüchlichkeiten auf

Am Sonntag findet in Wels ein Seminar „Die Familie im islamischen Recht“ statt. Ein Anlass für einen Blick auf das von Fundamentalisten gepredigte Familien- und Frauenbild.
Am Sonntag findet in Wels ein Seminar „Die Familie im islamischen Recht“ statt. Ein Anlass für einen Blick auf das von Fundamentalisten gepredigte Familien- und Frauenbild. © Jasmin Merdan - stock.adobe.com

„Ich bin ein bisschen überrascht“, sagt Abdurrahim Dursun. Der Islamlehrer an Volksschulen im Großraum Linz wundert sich über das VOLKSBLATT-Interesse an seinem für Sonntag in Wels geplanten Seminar.

Schließlich kündigte es die Austria Linz Islamische Föderation (Alif) in sozialen Medien nur auf Türkisch mit diesem Titel an: „Islam Hukukunda Aile“, zu deutsch: Familie im Islamischen Recht.

„Es geht nicht gegen österreichische Gesetze“

Da Alif Teil der in Bayern als „verfassungsfeindlich“ eingestuften Milli-Görüs-Gemeinschaft (IGMG) ist und den Islamisten Necmettin Erbakan als „großen Vordenker“ verehrt, steht die Frage im Raum, ob das Seminar parallelgesellschaftliche Struktuen fördert, indem es islamisches Recht dem österreichischen entgegensetzt.

Dursun beruhigt: „Wenn islamisches Recht erwähnt wird, heißt das nicht, dass es gegen österreichische Gesetze geht.“ Vielmehr gehe es darum, wie Familienmitglieder miteinander umgehen sollen. Es gebe Sachen, die in der Familie zu beachten sind, sagt der Religionslehrer und nennt ein Beispiel: „Der Prophet Mohammed hat seiner Frau beim Kochen geholfen.“

So ein Seminar könnte man also auch manch nicht-muslimischem Mann nur dringend empfehlen. Bedenken also unbegründet und bloß Ausdruck einer Kritikern islamistischer Tendenzen gern unterstellten „Islamophobie“?

Leider ist die Facebook-Seite von Alif Wels, die zum Seminar einlädt, beim Zerstreuen jeglicher Bedenken nicht hilfreich. Dort finden sich nämlich Videos des islamistischen Predigers Nurettin Yildiz. Der türkische Fundamentalist predigt ein etwas anderes Verständnis von Familie als Dursun. Selbst in seiner Heimat hatte er vor vier Jahren heftige Proteste geerntet, als er es für mit islamischem Recht vereinbar erklärte, dass ein 25-Jähriger eine Siebenjährige heiratet. Kritik erntete er auch in türkischen Medien für die Ansicht, dass eine berufstätige Frau „ihre Weiblichkeit in ihrer Beziehung zu ihrem Mann aufgrund von Müdigkeit und Zeitmangel stört“.

Prediger Yildiz: Frau für intime Befriedigung da

Türkischer Prediger Yildiz: „Wichtigste Erwartung an deine Ehefrau sollte es sein, dass sie dich in intimer Hinsicht befriedigt...“
Türkischer Prediger Yildiz: „Wichtigste Erwartung an deine Ehefrau sollte es sein, dass sie dich in intimer Hinsicht befriedigt…“ – © Screenshot: Facebook

Yildiz Ansichten sind auch frei von etwaigen Übersetzungsmissverständnissen nachzulesen, denn sie werden auf der Webseite fatwazentrum.de auf Deutsch feilgeboten. Dort kann man ihm Glaubensfragen stellen und erhält eine Fatwa. Es gibt auch klare Regeln für das Zusammenleben im muslimischen Haushalt. „Wenn der Mann nicht im Haus ist, sollte einer Person, mit der theoretisch eine Ehe möglich wäre, unter keinerlei Umständen Einlass gewährt werden.“

Und: „Bei Familiensitzungen oder anderen Treffen sollten die Frauen unter sich, in einem anderen Bereich als die Männer, das Treffen veranstalten.“

Einem Muslim, der sich erkundigt, was er mit seiner nicht ordentlich betenden Ehefrau machen soll, rät Yildiz, die Abrechnung Allah zu überlassen. Und weiter: „Deine wichtigste Erwartung an deine Ehefrau sollte es sein, dass sie dich in intimer Hinsicht gänzlich befriedigt. Wenn sie sich zusätzlich um deine Kinder kümmert, so siehe dies als eine Gabe (Ni’ma) an.“

Da Alif VOLKSBLATT-Fragen grundsätzlich nicht beantwortet, bleibt nur die Frage an den Referenten Dursun, was er von dem auf der Alif-Facebookseite beworbenen Prediger hält: Er kenne Yildiz nur dem Namen nach, sagt er und geht auf Distanz: „Wenn ich für Alif ein Seminar mache, heißt das nicht, dass ich alles weiß, und alles teile, was die machen.“

Eine Analyse von Manfred Maurer

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