Der rote Vorhang geht wieder auf

Filmfestival Crossing Europe reist heuer wieder ganz real durchs cineastische Europa

FB
Youtube Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Symbolträchtig wurde am Mittwoch das Programm der diesjährigen, bereits 18. Ausgabe, des Linzer Filmfestivals Crossing Europe vorgestellt.

Erstens fand die Präsentation online statt. Zweitens saß Noch-Leiterin Christine Dollhofer im Kino Moviemento, vor dem geschlossenen roten Vorhang. Und drittens war es der 19. Mai, an dem das alles geschah — der Tag, an dem in Österreich nach langer Zeit auch die Kultur wieder live begeistern, anregen, informieren, motivieren, unterhalten, provozieren … kann und wird.

All das verspricht das Filmfestival, das 2020 übers Jahr verteilt seine Inhalte präsentiert hat, 2021 wieder in gewohnt kompakter Form vom 1. bis 6. Juni seinen Besuchern und das ganz physisch und echt.

Der Vorhang geht also wieder auf und es werden 123 Filme aus 40 Ländern gezeigt. Alle pandemiebedingten Regeln sind einzuhalten, etwa 67 Prozent der Sitzplatzkapazität kann genutzt werden auch dank eines neuen Spielortes, dem Central.

Auch dort gilt wie im Moviemento, im City Kino und im Ursulinensaal: Um 22 Uhr ist Schluss, gewohnte und geliebte Nachtprogramme entfallen damit selbstverständlich. Getestet, geimpft oder genesen müssen die Besucher von Crossing Europe ebenso selbstverständlich sein. Für Dollhofer ist es die letzte Ausgabe des Festivals, im Herbst wird sie Chefin des Filmfonds Wien. Bis dahin wird auch ihre Nachfolge in Linz geklärt.

Migration, Gedenkkultur, Investigativjournalismus

Zeitgenössisch und aus Europa, so die Klammer, die die Filme zusammenhält. Schwerpunkte ergeben sich, so Dollhofer, etwa Migration, Gedenkkultur, Vergangenheitsbewältigung, Investigativjournalismus, etc..

Bereits die Eröffnungsfilme zeigen die Breite, in der sich Kino auch nach Zeiten des Stillstands präsentiert. Mit dem auf der Berlinale ausgezeichneten „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader („Unorthodox“) taucht man vor der Leinwand in die Welt der Roboter, der Künstlichen Intelligenz und der dadurch realen Chancen auf einen traumhaften Partner ein. „Surviving Gusen“ widmet sich in eindringlicher Weise einem Stück oberösterreichischer Geschichte, in „Mandibules“ von „Chef-Absurdist“ Quentin Dupieux spielt eine Riesenfliege namens Dominique die Hauptrolle.

An die Zukunft der großen Leinwand wird mit der Jugendschiene „Yaaas!“ gedacht, die, so Dollhofer, „auch ein jugendliches Publikum für Kino begeistern soll.“ Das heurige Tribute widmet Crossing Europe dem aus der Slowakei stammenden Regisseur und Produzenten Ivan Ostrochovsky und sieben Filme seines Schaffens.

Auch der Rest des Programms bedient in gewohnter Manier ein weites Spektrum und öffnet dem Besucher die Augen, bietet viele Perspektiven. „All-in“ von Volkan Üce begibt sich in die Welt der großen Wunscherfüllungen eines All-inclusive-Clubs, „80.000 Schnitzel“ von Hannah Schweier zeigt die Auswirkungen unverhoffter Veränderungen. Welch drastische Folgen das Herbeirufen einer brutalen Gottheit hat, thematisiert „Kandisha“von Julien Maury und Alexandre Bustillo.

Und wenn bei „Nemesis“ (Thomas Imbach) die großen Ab- und Umbrüche aus einem Arbeitszimmer heraus beobachtet werden, Eva Green, Matt Dillon und Lars Eidinger in „Proxima“ (Alice Winocour) eine Flucht von der Erde planen, oder in „Eden“eine Frau ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann, weil die Luft draußen sie töten würde, dann wird der Blick auf die Leinwand plötzlich wieder einer ganz auf sich selbst.

Das komplette Programm, alle Filme und Tickets auf www.crossingeurope.at

M. Moshammer

Wie ist Ihre Meinung?