Der Tanz des Seelensammlers

Uraufführung von Ashley Lobos „Yama“ am Samstag im Musiktheater

Tanz, der den Tod thematisiert: „Yama“.
Tanz, der den Tod thematisiert: „Yama“. © Sakher Almonem

„Eine ganz andere Handschrift“ als die, die man sonst im Haus gewohnt sei, und „eine sehr bewegende Arbeit“ kündigte Tanzdirektorin Mei Hong Lin bei der Vorstellung der neuen Tanzproduktion „Yama“ an, die am Samstag (20 Uhr) in der BlackBox des Linzer Musiktheaters Uraufführung feiert.

Sie hat dafür Ashley Lobo nach Linz geholt, einen international renommierten indisch-australischen Choreografen, der u. a. mehr als 20 Bollywood-Produktionen tänzerisch gestaltet hat. Lobo gilt als Gründer des zeitgenössischen Tanzes in Indien und absolvierte eine Ausbildung am Bodenwieser Dance Centre in Sidney, das einst eine österreichische Emigrantin dort gegründet hat.

Die vielen kleinen Tode, die wir sterben

Yama bezeichnet den hinduistischen Gott des Todes, der die Seelen der Toten abholt. Um den physischen Tod, aber auch die vielen kleinen Tode, die wir immer wieder sterben, die Dinge, die wir loslassen müssen, damit Neues entstehen kann, dreht sich die rund 60-minütige Tanzperformance. „Yama“ erzählt dabei keine konkrete Geschichte und doch hat jede Bewegung eine Bedeutung. Es geht um den Tod, um Gefühle wie Schuld oder Angst.

Getanzt wird im von Lobos entwickelten Stil, der Prana- Paint-Technik. Die Bewegungen der Tänzer basieren auf dem Atem. „Der Körper ist quasi der Pinsel, der danach zeichnet“, erklärt Lobo. Um entsprechende Energien zu aktivieren und sich auf das Wesentliche zu reduzieren, lässt Lobo, der auch ausgebildeter Yogalehrer ist, die Tänzer vor den Auftritten, aber auch vor der Probenarbeit meditieren. Es gehe darum, zu fühlen, Energie fließen und etwas Natürliches entstehen zu lassen. „Die Linzer Tänzer haben mich mit ihrer Einfachheit und Integrität in ihrer Haltung gegenüber der Kunst begeistert“, streut Lobo der Company Blumen.

In Zusammenarbeit mit der Linzer Kunstuni entstanden die Musik und die Visuals für das Stück, entwickelt von Marlene Reischl und Philipp Feichtinger, Studierenden des Lehrganges Zeitbasierte und Interaktive Medien. Videoprojektionen fügen sich in das Tanzgeschehen ebenso ein wie Bilder, die eine GoPro-Kamera, die ein Tänzer am Kopf trägt, liefert. mel

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