Der Tracht ihre Freiheit!

Neue Ausstellung im Marmorschlössl Bad Ischl: „Tracht trifft Dirndl"

Das Ischler Dirndl, das Romy Schneiderin den „Sissi“-Filmen getragen hat.
Das Ischler Dirndl, das Romy Schneiderin den „Sissi“-Filmen getragen hat. © Wolfgang Pohn

„Der Tracht ihre Freiheit!“ fordert OÖ Landeskultur-Chef Alfred Weidinger, nur so könne man diese von Ideologien freihalten. Er hat auch keine Berührungsängste, wenn es darum geht, von manchen als „Oktoberfest-Kitsch“ abgetane Dirndl im Marmorschlössl Bad Ischl zu zeigen. „Dirndl trifft Tracht“ titelt die Ausstellung, die bis 31. Oktober zu sehen ist.

Im bestehenden Teil im Erdgeschoss, der letztes Jahr gemeinsam mit der Altenburg-Ausstellung in den Stallungen beachtliche 40.000 Besucher verzeichnete, sind die erwähnten neumodischen Dirndl von Lola Paltinger ebenso interessante Ergänzungen wie ein prächtiges Kleid aus den 1920ern aus der Slowakei oder ein Haute Couture-Dirndl von Andreas Kronthaler.

Man arbeite an der Erweiterung der bedeutenden Sammlung des OÖ. Landesmuseums, so Weidinger. Die Vereinnahmung der Tracht durch die Nazis könne eines der nächsten Ausstellungsthemen sein.

Kostbare Kleider aus den einstigen Kronländern

Das Neue spielt sich im ersten Stock ab. Dort entdeckt man die Bezüge zwischen Tracht und Donaumonarchie und kostbare Kleider aus den einstigen Kronländern.

Nach der Französischen Revolution seien alte Kleiderordnungen aufgehoben worden, so Kuratorin Thekla Weissengruber. die Menschen fingen an, zu tragen, was sie wollten, Mode entstand, Kleidung wurde aber auch zum Gesinnungsmittel.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich Literatur mit regionalen Identitäten und damit auch mit ortstypischer Kleidung. Volkstypen-Fotografie entstand, auf den Bildern Models in Trachten, Trachtenpüppchen wurden als Souvenir beliebt.

Zur Hochzeit bekam Kaiserin Sisi eine Schatulle, die 27 Aquarelle von Trachten der Kronländer enthielt, Kopien sind in der Ausstellung zu sehen. Die Tracht war für die verschiedenen Völker Ausdruck und Zeichen ihrer Identität, ihres Selbstbewusstseins und wurde mit Stolz getragen.

Sisi hat nie ein Dirndl getragen

Die Exponate kommen zum Teil von weit her, so ist man bei der Recherche etwa im US-amerikanischen Pennsylvania fündig geworden: Auswanderer hätten einst nicht viel mitnehmen können, Kleider waren dabei und diesen Teil der Identität hat man sorgfältig (auf)bewahrt, auch in unterdrückten Ländern. Kostbare alte Dirndl aus Ungarn, Rumänien oder der Ukraine zeugen von einer beeindruckenden Vielfalt.

Ein Raum, der sich der optischen Annäherung des Adels in Tracht an das gemeine Volk — Stichwort Erzherzog Johann, aber auch Prinz Charles & Co. — widmet, leitet über zu in Ischl fast Unvermeidlichem: Hier hat man nun auch dem Mythos Sisi Platz gegeben. Die habe entgegen vieler Darstellungen auf alten Bildern und in Filmen nie Tracht getragen, betont Weißengruber. Dafür zeigt man ein Originalkostüm, eine Interpretation des Ischler Dirndls, das Romy Schneider in der „Sissi“-Trilogie getragen hat …

Von Melanie Wagenhofer

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