Der unsterbliche König

Er wurde vom Lastwagenfahrer zum Mythos, zu einem der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, zum „King of Rock'n'Roll“: Elvis Presley begeisterte in den 1950er-, 60er- und 70er-Jahren Generationen mit Hits wie „Love me Tender“, „Jailhouse Rock“ oder „It's Now or Never“ Er spielte mehr als 700 Songs ein, war in mehr als 30 Filmen zu sehen und sorgte mit drei TV-Specials für Rekordeinschaltquoten. Am 8. Jänner würde der Mann, der mit seinem Hüftschwung Frauen reihenweise um den Verstand brachte, 85 Jahre alt werden.

Elvis hatte eine denkbar schlechten Start ins Leben. Er wurde in Tupelo, im US-Bundesstaat Mississippi, unter miesen Voraussetzungen geboren. Die Mutter war ständig krank, der Vater hatte nur Gelegenheitsjobs. Als sich Zwillinge ankündigten, baute er ein ärmliches Holzhaus. Dort kam am 8. Jänner 1935 Jesse Garon zur Welt – eine Totgeburt. Eine halbe Stunde später folgte das zweite Kind, das auf den Namen Elvis Aaron getauft wurde.
Als es ein Jahr alt war, überlebte die Familie eine Tornadoserie, bei der fast 500 Menschen starben. Als der Vater zwei Jahre später wegen Scheckfälschung hinter Gitter musste, wurde das Haus gepfändet. Um ein besseres Leben führen zu können, zogen die Eltern nach Memphis als Elvis 13 Jahre alt war — bis heute ist die Stadt im Bundesstaat Tennessee untrennbar mit dem „King“ verbunden. In der Schule wurde Elvis als „mittelmäßig” bezeichnet – aber singen konnte er, hörte Blues, Spirituals und Gospels der schwarzen Community, aber auch Country und Jazz der Weißen. „Als Kind war ich ein Träumer“, erzählte er später seinem Publikum: „Ich las Comics und sah mich als Filmheld“.
Und das Leben spielte schließlich ein oscarreifes Drehbuch: Sein Leben als Lastwagenfahrer brauchte er nicht lange zu fristen, denn schon mit 19 Jahren wurde das Naturtalent entdeckt. Angeblich wollte er damals nur für seine Mutter eine Schallplatte aufnehmen und wurde dabei für die Musikwelt entdeckt. In Memphis erzählt man die Geschichte etwas anders. „Er wollte entdeckt werden”, sagt Brandon Cunning. Der Musiker verehrt Elvis und macht Musik in seinem Stil, will die Legende aber geerdet wissen. „Er kam mehrfach ins Studio, Produzent Sam Phillips (Sun Records) war jedoch unzufrieden. Elvis spielte nur Balladen, aber Phillips wollte keine langsame Musik.“ Was er wollte, hatte er zuvor gesagt: Einen Weißen, der mit ganzem Gefühl „schwarze Musik“ spielte. Damit könne man Millionen machen.
Presley bekam noch eine Chance, spielte „That’s All Right, Mama“ — einen schwarzen Blues – und Phillips war begeistert. Als die Platte im Radio lief, riefen Hunderte an und schickten sogar Telegramme. Noch 14 Mal musste an diesem Abend der Song gespielt werden. Platte und Sänger waren sofort ein Hit. Aus dem armen Lastwagenfahrer mit der großartigen Stimme, die über drei Oktaven ging, wurde ein Star. „In nur zwei Jahren erspielte er fünf goldene Schallplatten. Und eine davon hatte nur eine B-Seite sein sollen“, sagt Cunning schwärmerisch. Auch Hollywood griff zu und als Elvis in seinem ersten Film, über 30 sollten folgen, „Love Me Tender“ sang, war es eine Sternstunde für Film wie Musik gleichermaßen. Bereits 1955 unterzeichnete er bei RCA den damals lukrativsten Plattendeal aller Zeiten.
Der ganz große Durchbruch gelang Presley in der „Ed Sullivan Show”, Amerika saß staunend vor den TV-Geräten. Elvis verkörperte – trotz seines Bekenntnisses zum christlichen Glauben – die sexuelle Freizügigkeit, die Rebellion gegen festgefahrene Strukturen und Werte. 1956 landete er mit „Heartbreak Hotel“ seinen ersten Nummer-eins-Hit, seine lasziven Hüftbewegungen zu „Hound Dog“ entsetzten die konservativen Kreise. Presleys erster Film „Love Me Tender“ wurde ebenfalls ein Kassenschlager.

Graceland

In Memphis kaufte Elvis 1957 mit seinem Geld ein Anwesen namens Graceland. Der Keller wurde mit gelbem Leder ausgeschlagen, im Fernsehzimmer liefen drei Kanäle gleichzeitig und im Dschungelraum gab es sogar einen Wasserfall – Graceland ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Kein Wunder, dass der Lastwagenfahrer aus den Südstaaten später bei einem Treffen mit den britischen, ständig zweifelnden Beatles nicht richtig warm wurde. Er scharte seine Freunde um sich und beschenkte sie reich. Die Garage platzte aus allen Nähten mit all den Mercedes, Ferraris und Cadillacs, und im Hinterhof stand ein Privatflugzeug. Seit seiner Öffnung 1982 besuchen jährlich rund 600.000 Menschen den früheren Wohnsitz des „King“.

Germany und die Folgen

1958 musste der Star als Wehrpflichtiger nach Deutschland, wo er 18 Monate lang in Friedberg/Taunus diente. Dort lernte er auch Priscilla Beaulieu kennen. Der Vater der damals 14-Jährigen war in Wiesbaden stationiert. Zwei Jahre später zieht sie — immer noch Schülerin — nach Memphis. Beide heirateten 1967 in Las Vegas, die Ehe hält allerdings nur sechs Jahre. Im Jahr nach der Hochzeit, 1968, kam Tochter Lisa Marie zur Welt. Nach seiner Rückkehr in die USA hatte Presley seine erfolgreiche Film-Karriere fortgesetzt. Zu den Produktionen zählen u. a. „Café Europa“, „Blaues Hawaii“, „Ein Sommer in Florida“, „Girls! Girls! Girls“, „Tolle Nächte in Las Vegas“ oder „Speedway“.

Am Abgrund

1968 ging es allerdings bergab – unterbrochen von einem Comeback-Versuch 1969 mit „In the Ghetto“ und einer Konzertserie in Las Vegas. Als auch die Ehe mit Priscilla scheiterte, bahnte sich das Ende durch Medikamenten-Missbrauch und Übergewicht an. Doch Elvis konnte sich nicht nur immer wieder in den Abgrund treiben, sondern auch wieder selbst herausziehen. Als man den dick gewordenen Süchtigen belächelte, gab er 1973 ein weltweit übertragenes Konzert. „Aloha from Hawaii Via Satellite“ soll mindestens eine Milliarde Menschen gesehen haben – mehr als die Mondlandung 1969.
Der King war dennoch nicht mehr zu retten. Er schluckte jeden Tag eine ganze Sammlung von Tabletten – Schlaftabletten, damit er schlafen konnte, und Muntermacher, damit er wieder zu sich kam. Am 16. August 1977 fand seine Verlobte ihn leblos auf dem Boden des Badezimmers. Diagnose: Herzversagen. Elvis Presley starb mit 42 Jahren. Blues-Legende B. B. King, der noch heute in Memphis lebt, erinnert sich noch an den ganz frühen Elvis: „Ich wusste, dass dieser Junge ein ganz außergewöhnliches Talent hatte”, sagte er in einem Interview. „Ich war ein großer Fan. Und wenn er noch leben würde, wäre er immer noch so kreativ wie damals.“

Superlativen

Bis heute ist Elvis bei den Einnahmen bzw. „Platten“-Verkäufen das Maß aller Dinge. Zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Tonträger wurden bislang verkauft. Alleine in Österreich wurden seine Platten zehnmal „vergoldet“, viermal gab es Platin.
2018 verdiente er an die 40 Millionen US-Dollar. Auf der Forbes-Liste (Einnahmen toter Prominenter) rangiert Elvis auf Rang zwei hinter einem weiteren Unsterblichen: seinem eigenen am 25. Juni 2009 verstorbenen „Kurzzeitschwiegersohn“, dem „King of Pop“ Michael Jackson.

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