Der Zug der Zeit

Große Reichweite und witzige Details kennzeichnen den batteriebetriebenen Kia e-Niro.

Der Zug der Zeit führt geradewegs in die E-Mobilität. Alle reden darüber, nicht ganz so viele sind schon selber hinter dem Steuer eines Elektroautos gesessen, (fast) alle Hersteller haben schon Modelle in ihrer Palette – aber gar so viele sind es dann auch wieder nicht. Die südkoreanische Fahrzeugschmiede Kia hat schon seit längerer Zeit E-Autos in ihrer Flotte, allen voran den kantigen Soul, der dann e-Soul heißt.

Und konsequenterweise hört der 4,37 Meter lange Crossover Niro – das zweite rein elektrifizierte Fahrzeug in der Kia-Modellpalette – in seiner rein elektrischen Variante auf den Namen e-Niro; eben um ihn nicht mit seinen Verbrenner- und Plug-in-Hybridbrüdern zu verwechseln. Keine Verwechslungsgefahr besteht hier beim Preis: Der Top-Benziner kostet laut Liste 36.290 Euro, der Platin-Plug-in schlägt mit 42.890 Euro zu Buche und für den Kia e-Niro Platin e-Motor Long Range (langer Name, gell?) muss man 49.590 Euro berappen.

Typenschein

Kia e-Niro Platin e-Motor Long Range

Preis: ab € 49.590,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 50.190,- inklusive Metalliclackierung € 600,-; einen Kia e-Niro (Titan e-Motor) gibt es ab € 37.990,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 0 jährlich
Garantie: 7 Jahre bis max. 150.000 km, 5 Jahre bis max. 150.000 km Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 7 Jahre bis max. 150.000 km auf Antriebsbatterie, 2 Jahre ohne km-Begrenzung auf Fahrzeugbatterie
Service: alle 15.000 km oder jedes Jahr

Technische Daten:
Motor: Permanent-Magnet-Synchronmotor, mit 150 kW/204 PS Maximalleistung, Nenndauerleistung 29 kW/39 PS, max. Drehmoment 395 Nm bei 0-3600 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, 356 Volt Spannung, Kapazität 180 Ah, Energie 64,0 kWh
Getriebe: Reduktionsgetriebe
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,8 s
Leistungsgewicht: 8,78 kg/PS
Stromverbrauch: 15,9 kWh
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 17,1 kWh
CO2-Ausstoß: 0 g/km

Eckdaten:
L/B/H: 4375/1805/1570 mm
Radstand: 2700 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1790/2230 kg
Kofferraum: 451-1405 Liter
Reifen: 4 x 215/55 R17 94W auf 17“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/ACC/RSR/LKA
Airbags: 6

Was erhält man dafür? Nun: Einen voll ausgestatteten, luftig gestalteten, kompakten Fünfsitzer mit vielen, üppig dimensionierten Ablagen, der neben viel Kopffreiheit Fahrer und Beifahrer viel Beinfreiheit garantiert, auch weil die Mittelkonsole nicht durchgängig durchgezogen ist. Zu den Ausstattungsmerkmalen ab Werk zählen zudem Sitzheizung und –kühlung, Heizung für das Lederlenkrad, adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner, Licht- und Regensensor, Acht-Zoll-Touchscreen, USB-Anschluss und Fahrmodusschalter.

Dementsprechend kurz ist die Aufpreisliste auf der sich nur verschiedene Lackierungen sowie das elektrische Glasschiebe-/Hubdach finden. Die Gestaltung des Innenraums ist dabei nüchtern und sachlich, allerdings mit jeder Menge an Knöpfen; in Sachen Verarbeitung gibt sich Kia indessen keine Blöße, die Bedienung der Funktionen hat man im Nu heraus und die Anzeigen (auch im Cockpit) sind durchgängig digital und glasklar lesbar. Der gut verarbeitete Kofferraum fasst 451 Liter und wartet mit niedriger Ladekante auf. Das Fehlen der elektrischen Heckklappe verwundert etwas, weil Kia sonst so gut wie alles andere elektrisch steuern lässt.

Angetrieben wird der e-Niro von einem Permanent-Magnet-Synchronmotor, der seine 204 PS Leistung ungehindert weitergibt. Das bringt von ganz unten heraus ordentlich Leistung, allerdings wird aus dem knapp 1,8 Tonnen schweren Wagen auch im Sport-Fahrmodus kein Rennflitzer. Dennoch bleibt genügend Power, um beispielsweise auf Autobahnen zu Überholmanövern ansetzen zu können. Bodenwellen schluckt der Crossover souverän, das Gaspedal spricht auch im Normal- und Eco-Modus gut an und die Lenkung erweist sich als präzise und leichtgängig. Dafür neigt sich der e-Niro bei flotten Kurvenfahrten ordentlich zur Seite, wohl eine Konsequenz aufgrund seines Gewichts.

Kia gibt bei Schnellladern mit 50 Kilowatt Leistung an, dass nach 75 Minuten 80 Prozent der Batteriekapazität nachgefüllt werden. An die Haushaltssteckdose braucht man den Stromer nicht hängen – da dauert die volle elektrische Dröhnung 31 Stunden wobei sich der Stromanschluss beim e-Niro an der Fahrzeugfront befindet. Mit hundert Prozent Batteriekapazität sind 455 Kilometer Reichweite möglich, Nonstop-Fahrten von Linz nach Sankt Anton am Arlberg (410 Kilometer Distanz) steht also nichts im Wege. Optisch hebt sich der E-Wagen von seinen Benzinbrüdern nur dezent ab: Einen Kühlergrill mit Lufteinlässen gibt es klarerweise nicht, dafür wartet der Stromer mit dezenten blauen Zierleisten an Front und Heck auf.

Ein spannendes Detail ist die Rekuperation. Diese ist vierstufig und lässt sich via Schaltwippen am Lenkrad einstellen und zwar von 0 für Segeln bis 3 mit dann schon sehr heftiger Bremsleistung. Zieht man lang an der rechten Wippe, schaltet sich die automatische Rekuperation ein, bei der der Wagen etwa im Stadtverkehr selber rechtzeitig vor Hindernissen bremst. Ein langer Zug an der linken Wippe dient dem manuellen Bremsen, das Bremspedal kann der Fahrer somit getrost in Ruhe lassen.

Fazit: Überkomplett ausgestatteter und attraktiv gestalteter Stromer mit guter Reichweite zu einem kompetitiven Preis. Kein Wunder, dass das Kontingent für Österreich bereits verkauft ist und Nachschub aus Korea erst 2020 eintreffen wird.

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