Deutsche diskutieren über EU-weite E-Auto-Quote

SPD dafür, Kanzlerin Angela Merkel hält sich bedeckt – Harsche Kritik an Umweltprämie der Hersteller – Zweiter Dieselgipfel ist „denklogisch“

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Verbraucherschützer verlangen bei der Dieselnachrüstung verpflichtende Zusagen. © AFP/Pleul

Die deutschen Autohersteller müssen sich teils herbe Kritik gefallen lassen. So hat etwa die Chefin des deutschen Umweltbundesamts die Prämien für den Kauf neuer Diesel kritisiert. „Begriffe wie Umweltprämie oder Umweltbonus, wie sie derzeit von den Autoherstellern verwendet werden, sind irreführend“, sagte Maria Krautzberger der „dpa“. Gefördert werden sollten laut Krautzberger Elektroautos, Hybride, sparsame Benziner oder Euro-6d-Dieselfahrzeuge, welche die Grenzwerte auch auf der Straße einhalten.

Verbindliche Zusagen

Verbraucherschützer wiederum fordern von den Autoherstellern verbindliche Zusagen für die Diesel-Nachrüstungen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert in einem Brief an Daimler, VW, BMW und den VDA, die beim Dieselgipfel zugesagte „Gewährleistung“ für die Software-Updates lasse offen, welche Ansprüche die Kunden hätten und um welche Bauteile des Autos es dabei gehe.
Politisch bleibt als Folge des Abgasskandals die Diskussion rund um verpflichtenden EU-weite Elektroautoquoten in Deutschland auf der Tagesordnung. SPD-Parteichef Martin Schulz sprach sich dafür aus. „Mit einer verbindlichen europäischen E-Mobilitätsquote werden wir den Anteil von Elektrofahrzeugen deutlich erhöhen“, heißt es in einem Schulz-Papier. Die Union im Bundestag winkte aber gestern gleich ab: „Eine feste europäische E-Auto-Quote ist der falsche Weg“, sagte Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU). Statt eine Technologie vorzuschreiben, brauche es europaweit ambitionierte Abgasvorschriften.
Jedoch ist in dieser Causa das letzte Wort noch nicht gesprochen: Kanzlerin Angela Merkel legte sich bislang nicht fest. Der Forderung ihres SPD-Herausforderers Schulz schloss sie sich zunächst nicht an – ließ aber auch nicht widersprechen. Die deutsche Regierung stehe zu dem Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020, verlautbarte ein Regierungssprecher. Fest steht seit gestern auch: Auf den ersten Diesel-Gipfel in Deutschland zwischen Bund, Ländern und Automobilindustrie wird ein weiterer folgen. Bei dem Spitzentreffen vergangene Woche seien vier Expertengruppen eingesetzt worden, die über die Umsetzung des bereits Beschlossenen beraten sollen – „daraus folgt denklogisch, dass es ein weiteres Treffen gibt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Rückgang bei VW

Getroffen haben VW aber wohl die Juli-Verkaufszahlen in Deutschland: Mit einem Rückgang um fast sechs Prozent auf 97.500 Fahrzeuge verzeichnete der Heimatmarkt im Juli neben den USA als einziges großes Absatzgebiet ein Minus. Weltweit hingegen kletterte der Absatz von Volkswagen im Juli um 4,3 Prozent auf knapp 820.900 Pkw und Nutzfahrzeuge. Wachstumsmotor ist hierbei China. VW überlegt aber darüber hinaus auch, sich an Minengesellschaften zu beteiligen, um an den Rohstoff Lithium zu kommen, der für die Produktion der Batterien für E-Autos benötigt wird. Eine Grundsatzentscheidung sei aber noch nicht getroffen worden.