Deutsche Wirtschaft besorgt über Corona-Anstieg

Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge auf die steigenden Coronazahlen. “Viele Betriebe stehen schon jetzt mit dem Rücken zur Wand, denn die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben seit März tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen”, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Donnerstag zu Reuters.

“Ausbleibende Umsätze belasten weiterhin die finanzielle Lage vieler Unternehmen, deren Reserven bereits zu großen Teilen aufgebraucht sind.” Das gelte für besonders betroffene Branchen wie Veranstalter und Messebauer, aber auch für Betriebe im Hotel- und Gastronomiebereich, im stationären Einzelhandel in den Innenstädten oder in der Industrie. “Weitere Produktions- und Geschäftsausfälle könnten deshalb Unternehmen in ihrer Existenz gefährden”, sagte Schweitzer.

Ökonomen erwarten allerdings durch verschärfte Coronabeschränkungen keine neue Rezession. Leiden dürften vor allem Branchen, die bisher schon besonders betroffen waren. “In diesen Branchen, die für bis zu acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes stehen, verlief die Erholung bisher schon überwiegend schleppend”, konstatierten die Commerzbank-Ökonomen Christoph Weil und Ralpf Solveen in einer Studie. “Dies wird die Erholung der Gesamtwirtschaft zusätzlich bremsen und mit dazu beitragen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt noch einige Zeit unter seinem Vorkrisenniveau verharrt. Eine neuerliche Rezession erwarten wir aber nicht.” Im Frühjahr war das Bruttoinlandsprodukt mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie.

Das Robert-Koch-Institut hatte zuletzt 4.058 neue Positiv-Tests in Deutschland gemeldet – so viele wie seit Monaten nicht mehr. Die Zunahme kann dem Handelsverband Deutschland (HDE) zufolge den Trend zum Online-Einkauf verstärken. “Steigende Infektionszahlen tragen sicherlich dazu bei, dass der Besuch im stationären Einzelhandel hinterfragt wird und Käufe auch ins Internet verlagert werden”, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. “Diese Entwicklung haben wir während der Lockdown-Phase, aber auch noch in der Zeit danach beobachtet. Insbesondere der innerstädtische Non-Food-Handel war und ist von hohen Umsatzeinbußen betroffen.” Derzeit sei der Einzelhandel nicht von Maßnahmen betroffen, die mit einer bundesweiten Einschränkung seiner Geschäftstätigkeit verbunden seien.

Der DIHK forderte, Beschränkungen ausgewogen zu gestalten. Damit etwa Hotels wissen, aus welchem Bundesland sie Gäste beherbergen dürfen, müssten die Maßnahmen zugleich verständlich, eindeutig und möglichst einheitlich sein. “Betriebe brauchen Rechtssicherheit und keine rechtliche Grauzone”, sagte Schweitzer. Für die international agierenden Unternehmen bleibe bedeutsam, dass der europäische Binnenmarkt funktioniere und ihnen lange Wartezeiten gerade an den innereuropäischen Grenzen erspart blieben.

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