Diagnose warf Birgit aus der Bahn

Birgit Saalfrank arbeitete als Psychotherapeutin als bei ihr im Alter von 39 Jahren die Diagnose Asperger-Syndrom gestellt wurde. Dadurch geriet ihr Leben aus der Bahn. Mit zahlreichen Psychotherapien und einer psychoanalytischen Behandlung kam sie nach und nach ihrer eigent- lichen Persönlichkeit auf den Grund. Festgehalten hat sie diesen Prozess in einem sehr persönlichen Buch.

Mit 39 Jahren bricht für Birgit Saalfrank eine Welt zusammen. Die Psychotherapeutin in leitender Position erhält zu diesem Zeitpunkt die Diagnose „Asperger-Syndrom“ – dadurch gibt es aber eine Erklärung für viele ihrer Probleme. Schon als Kind war sie nicht in der Lage, Gefühle zu zeigen, ihre Beziehungen gestalteten sich schwierig und letztlich kam die Überforderung im Beruf dazu, die in einer schweren Depression endete.
In ihrem sehr persönlichen im Patmos Verlag erschienenen Buch „Ich, Birgit, Autistin und Psychotherapeutin“ gibt sie einen ungeschminkten Einblick in die komplizierte Familienstruktur, ihr Outing, eine Frau zu lieben, und letztlich doch in Sascha, einen liebevollen Ehemann gefunden zu haben.

Eiserner Wille

Das Buch zeigt aber auch auf, wie lange man mit eisernem Willen den Normen entsprechen kann. Obwohl Birgit von klein auf, anderen Kindern aus dem Weg ging und nur selten Freundschaften schloss, fühlte sie sich dabei doch sehr allein. Als gute Schülerin wurde sie von den Lehrern geachtet, als gute Sportlerin von der Klassengemeinschaft akzeptiert. Mit vierzehneinhalb Jahren begann sie mit dem Training für Kunst- und Turmspringen, das sie jahrelang sehr intensiv betrieb. Bis zum 33. Lebensjahr ging ihr Leben ständig aufwärts – sie hatte all ihre gesteckten Ziele erreicht: eine Arbeitsstelle, wie sie sich immer erträumt hatte und eine Lebensgefährtin, an der sie trotz aller Schwierigkeiten hing.
Doch plötzlich fühlte sie sich, wie an ihrem Lebensende. Zu dem Zeitpunkt hatte Saalfrank noch nicht realisiert, dass sie nur noch funktionierte und dabei bereits schwer depressiv war. Der Zusammenbruch war also nur noch eine Frage der Zeit.
Durch verschiedene Psychotherapien, vor allem eine psychoanalytische Behandlung, fand sie letztlich immer mehr zu sich selbst. Ihren Beruf musste sie aber nach der Asperger-Diagnose aufgeben. Sie hat mittlerweile gelernt, wie lange sie außer Haus oder in einem Gespräch sein kann, bis sie wieder Ruhe braucht, weil die Reizüberflutung andernfalls zu groß werden würde.

Wie ist Ihre Meinung?