Diciotti-Migranten durften an Land

Katholische Kirche, Albanien und Irland werden sich um Flüchtlinge kümmern — Ermittlungen gegen Innenminister

Die afrikanischen Migranten duften nach zehn Tagen von Bord gehen.
Die afrikanischen Migranten duften nach zehn Tagen von Bord gehen. © AFP/Isolino

Zehn Tage lang mussten mehr als 130 afrikanische Migranten auf dem italienischen Schiff „Diciotti“ ausharren. Sie waren im Mittelmeer aus Seenot gerettet worden, durften aber auf Anweisung des italienischen Innenministers Matteo Salvini in der Hafenstadt Catania vorerst nicht an Land gehen, weil kein EU-Land die Flüchtlinge aufnehmen wollte.

Als die Lage an Bord prekär wurde — einige Menschen sollen unter anderem an Tuberkulose erkrankt sein — fand sich gestern schließlich eine Lösung. Um rund 100 Flüchtlinge wird sich die katholische Kirche in Italien kümmern. Weiters hat sich Albanien zur Aufnahme von 20 Personen bereit erklärt, bis zu 25 sollen nach Irland kommen. Somit durften die Flüchtlinge gestern doch von Bord gehen.

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Unterdessen ermittelt in dieser Causa die italienische Justiz gegen Innenminister Salvini. Dem Vize-Premierminister und Chef der fremdenfeindlichen Lega wird Amtsmissbrauch und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Denn in Italien dürfen Menschen ohne richterlichen Beschluss nicht über 48 Stunden festgehalten werden. Salvini kritisierte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn scharf: „Sie ermitteln gegen einen Minister, der die Grenzen des Landes verteidigt. Es ist eine Schande.“

Die EU fordert unterdessen eine langfristige und strukturelle Lösung der Migrationsfrage. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte der römischen Zeitung „Il Messaggero“, man dürfe einzelne Staaten nicht allein lassen. Stattdessen brauche es Außengrenzen- Schutz und Hilfen für Afrika.