Dickes Ende im NSU-Prozess

Das Oberlandesgericht München verurteilt Beate Zschäpe zu einer lebenslangen Haftstrafe

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Nach mehr als fünf Jahren Prozess war es am Münchner Oberlandesgericht am Mittwoch so weit: die wegen rechtsradikal motivierter Gewalttaten angeklagte Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, vier offenbare Helfer im Netzwerk „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und zehn Jahren.

 

Zschäpe geht in Revision

Verurteilt wurde Beate Zschäpe laut Ausführungen des Gerichts wegen versuchten Mordes, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung. Verteidiger Wolfgang Heer kündigte gestern umgehend Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof an.

Lange Liste an Gewalttaten

Bis zuletzt war in dem Prozess umstritten, ob Zschäpe der Mittäterschaft an den kriminellen Umtrieben des rechtsradikalen Netzwerks für schuldig befunden werden kann. Bei zehn dem NSU vorgeworfenen Morden an Menschen mit Migrationshintergrund sowie bei zwei Bombenanschlägen und fünfzehn Raubüberfällen soll die Angeklagte nämlich nicht am Tatort gewesen sein. Verübt sollen die Taten dagegen zwei Gefährten haben, die dann sich 2011 das Leben genommen haben. Zugegeben hat die Angeklagte im Prozess nur, 2011 das letzte Versteck ihrer beiden Gefährten in Brand gesteckt zu haben.

In der türkischen Community in Deutschland begrüßte man gestern das konsequente Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Regierung in Ankara vermisst dagegen eine Aufklärung möglicher Verbindungen des NSU zu deutschen Behörden und Geheimdiensten. Politiker der schwarz-roten Koalition kündigten gestern an, die Ermittlungsarbeit fortsetzen zu wollen. So sagte etwa Innenminister Horst Seehofer, das gestrige Urteil dürfe in der Causa NSU „noch nicht der Schlusspunkt sein“.