Die anarchistische Logik der Kinder

    „Wunder der Alltags“ von PeterLicht feierte trotz Blitzschlag seine Österreichische Erstaufführung am Landestheater

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    Kontozwerg Karina Pele
    Kontozwerg Karina Pele © Hermann Posch

    Von Mariella Moshammer

    Auch eine Drehbühne gibt einmal den Geist auf. Wenn der sich auch immer nur drehen und drehen und drehen will und es der armen Bühne dabei so richtig schlecht wird. Dann lässt sie ihn gehen und das Drehen einmal sein. So geschehen am Freitag bei der Österreichischen Erstaufführung des Stückes „Wunder des Alltags“ von PeterLicht für ein Publikum ab acht Jahren an den Linzer Kammerspielen. Intendant Hermann Schneider hatte eine andere Erklärung: Ein Blitz hatte just an diesem Freitag, den 13. ins Landestheater eingeschlagen. Die erste Erklärung hätte besser zu dem Stück gepasst, in dem Musiker und Autor PeterLicht fantasievoll direkt in den Kopf von Kindern hineinzoomt. Mitunter ist der Text kompliziert, die Regie von Antje Thoms löst jedoch mit vielen optischen Reizen die Komplexität auf und entzückt und unterhält. Einen großen Anteil daran hat die Ausstattung von Jeremias Böttcher — herrlich das Auftauchen der güldenen Kontozwerge aus dem Bühnenboden, jene Gesellen die aus dem unendlichen Konto die Kohle herbeischaffen. Die Darsteller Steven Cloos, Karina Pele, Christopher Schulzer und Anna Katharina Fleck sind ein Quartett, das wunderbar miteinander funktioniert — als Fische, Zwerge, Roboter oder Kinder, die beherzt zur Musik von Joachim Werner unter der Choreografie von Valenti Rocamora i Torà etwa ein Mathe-Ballett geben. Erzählt werden Geschichten, die nicht zusammenhängen, am Ende verdichtet Thoms sie parallel laufend sehr gekonnt zu einem Grande Finale.

    Wie komme ich zu Geld? Denn eines ist dem Kind schon klar: „Ohne Geld kein Lustscheis. Ist so.“ Die zündenden Idee ist der beste Weg, denn die kostet nix und bringt viel ein. Was war die größte Idee? Das Internet etwa? Himmel — das hilft eigentlich nur den Fischen, denn das ganze Internetz ist ja so schwer, dass es im Meer zu Boden sinkt. Froh sind die Meeresbewohner und die Vegetarier. Nur die haben so dünne Arme, dass sie so ein Netz … Wundervolle Kinderlogik, die auch das erwachsene Publikum in ihrer Anarchie beglückt.

    Weil es auch einmal einer Drehbühne schlecht werden kann, kam das Premierenpublikum in den Genuss einer gut gelungenen, an die technischen Umstände angepassten, Regie. Anzunehmen, dass eine funktionierende Technik den Darstellern die Sicherheit gegeben hätte, das Tempo etwas anzuziehen.

    Vorstellungen bis 24. Juni, Karten: 0800/21800