Die Berben wird 70: Eine Karriere in fünf Jahrzehnten

Von der Ulknudel in „Sketchup“über Rosa Roth und die Chefin des Wagner-Clans bis zum mordenden Mauerblümchen

Seit fünf Jahrzehnten im Geschäft: Iris Berben
Seit fünf Jahrzehnten im Geschäft: Iris Berben © APA/H. Punz

„Es ist heute wichtiger, einen Sixpack zu haben als ein gutes Drehbuch“, sagte Iris Berben kürzlich in einem Video auf der Internetseite der „Vogue“.

Berben fühlte sich selbst in den 1960er- und 1970er-Jahren als Schauspielerin wie auf einem Spielplatz, „auf dem wir scheitern konnten, auf dem wir fallen konnten. Wo wir das Leben experimentieren konnten, wo wir nicht von jedem beobachtet und verurteilt wurden.“

Ihr Rat an junge Kolleginnen: „Sie müssen sich entscheiden, ob Sie Schauspielerin werden wollen oder berühmt“. Das sei nicht dasselbe. Sie ist beides und am 12. August wird sie 70.

Debüt mit 18 und Talent zur schrägen Verstellung

In Hamburg aufgewachsen, suchte Berben als Schauspielschülerin den Kontakt zur Kunst- und Filmszene. Mit 18 Jahren debütierte sie in Rudolf Thomes „Detektive“. In den 70er-Jahren arbeitete sie dann fast ausschließlich fürs Fernsehen, in „Zwei himmlische Töchter“ mit Ingrid Steeger und in „Sketchup“ mit Diether Krebs zeigte sie Talent zur schrägen Verstellung. Mit dem „Erbe der Guldenburgs“ etablierte sie ihren Namen. In Doris Dörries „Bin ich schön?“ (1998) sprach sie als frustrierte Ehefrau mit ihrem Kaschmirpullover, in „Rennschwein Rudi Rüssel“ versuchte sie es mit einem echten Schwein. In Heinrich Breloers Neuverfilmung „Buddenbrooks“ (2008) nach Thomas Manns nobelpreisgekröntem Roman spielte Iris Berben an der Seite von Armin Mueller-Stahl.

Zusammen mit ihrem 1971 geborenen Sohn, dem Filmproduzenten Oliver Berben, und Regisseur Carlo Rola entwickelte sie ihre erfolgreichste Rolle: Als Kommissarin Rosa Roth ermittelte Berben mehr als zwei Jahrzehnte für das ZDF. Das Ende der Rosa Roth bedeutete aber nicht das Ende von Iris Berbens Karriere. 2013 drehte sie etwa u. a. in Oberösterreich den viel beachteten TV-Film „Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte“. Neben vielen anderen Fernsehauftritten gab Iris Berben 2018 auch die mausgraue mordenden Freya Becker in dem spannenden Fünfteiler „Die Protokollantin“ (ab 11. August auf ORF 2).

Etwa als Mörderin in der „Schönen Braut in Schwarz“, als „Patriarchin“ oder im Mehrteiler „Afrika, mon amour“ wurde Berben in ihrer Karriere immer wieder als Beispiel dafür inszeniert, dass eine Frau auch mit 60 oder 70 gut aussehen kann. Sie selbst reagiert eher mit Charme als genervt, wenn sie auf ihr Aussehen und ihr Alter angesprochen wird. Ihr jugendliches Aussehen sei eine genetische Mitgift ihrer Mutter, sagte Berben schon vor zehn Jahren. Doch ihr sei klar, dass der Geburtstag ein Markstein sei. Das Leben sei endlicher geworden.

Privat war es wohl der Kontakt mit der Studenten- und Protestbewegung, die Berben früh prägten. Aus dieser Zeit stammt ihr politisches Engagement, das sich später, beeinflusst auch durch die Beziehung zum israelischen Unternehmer Gabriel Lewy, vor allem als Sympathie für Israel äußerte.

Schon mit 18 Jahren war sie zum ersten Mal nach Israel gereist. Sie habe dort Themen ansprechen können, die seinerzeit in der Schule als vorlaut abgetan wurden, sagte Berben später: die deutsche Vergangenheit und die Verbrechen der Deutschen an den Juden. Seitdem hat sich Berben immer wieder politisch geäußert, vor allem im Kampf gegen Antisemitismus. Für die Dokumentation „Und jetzt Israel“ reiste sie 2004 als Reporterin durch das Land. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ehrte sie später mit dem Leo-Baeck-Preis.

Einzelheiten aus ihrem Privatleben hat Berben immer aus den Schlagzeilen gehalten. Ihre Beziehung zu dem früheren Stuntman Heiko Kiesow sorgte für Aufsehen und Rechtsstreitigkeiten, nachdem bekannt wurde, dass er für die Stasi gespitzelt hatte. Seit mehr als zehn Jahren ist Berben nunmehr mit Kiesow liiert.

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