„Die digitale Revolution muss man aktiv gestalten“

Der neue Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner nimmt das Jahr 2030 ins Visier und skizziert seine wichtigsten Ziele

Mit Wirtschaftslandesrat MARKUS ACHLEITNER sprach Christoph Steiner

Mit dem Wechsel im Standortressort am Donnerstag übernahm Markus Achleitner die Agenden von seinem Vorgänger Michael Strugl, der nach rund fünf Jahren nach Wien zum Verbund wechselt. Wie der 49-Jährige, der in den vergangenen 21 Jahren die Eurothermenresorts auf Vordermann brachte, Oberösterreich künftig wirtschaftspolitisch führen will und welche Eigenschaften aus der Privatwirtschaft er in die Politik mitnehmen will, erklärt er im VOLKSBLATT-Gespräch.

VOLKSBLATT: Nach mehr als 20 Jahren bei den Eurothermen übernehmen Sie nun die Wirtschaftsagenden des Landes. War ein Wechsel in die Politik schon immer ein Thema für Sie?

ACHLEITNER: Nein, ich hatte Politik nie auf meinem Radar. Das hat sich erst geändert, als sich Thomas Stelzer bei mir gemeldet und mir eröffnet hat, dass ich als Wirtschaftslandesrat in die Landespolitik wechseln soll. Da hatte ich nur ein paar Stunden Zeit nachzudenken.

Wie kann man sich den Entscheidungsprozess vorstellen?

Ich habe damals Ende Mai Gespräche mit meiner Frau und meinem Vor- gänger Michael Strugl geführt. Dann habe ich voller Freude zugesagt.

Wie verlief die Vorbereitung auf das neue Amt?

Ich hatte jetzt sechs Monate Zeit, mich intensiv auf die Arbeit vorzubereiten. Seither habe ich mehr als 250 Gespräche mit Stakeholdern aus allen Bereichen der Wirtschaft und Politik geführt. Ich bin also wirklich gut eingearbeitet und freue mich jetzt, dass es endlich los geht.

Das klingt nach Vorfreude auf die neue Tätigkeit …

Es ist eine der schönsten Aufgaben, Oberösterreich in wesentlichen Bereichen unseres Leben mitgestalten zu können.

Sie waren als Manager in der Privatwirtschaft erfolgreich, was kann man davon in die Politik mitnehmen?

Was meiner Meinung nach der Politik gut täte: Dass man nicht immer gleich nach dem Absender einer Idee fragt, sondern die Idee an sich bewertet. Das möchte ich in die Politik einbringen. Eines gilt aber in beiden Bereichen: Tun was man sagt. Nur dann kommen Ergebnisse. Nur dann bringt man die PS auch auf die Straße. Das nehme ich mir wirklich vor.

Wie sehen die Grundvoraussetzungen in ihrem Ressort?

Michael Strugl hat eine tolle Basis hinterlassen. Er hat das Ressort wunderbar im Griff gehabt, hat dafür gesorgt, dass Oberösterreich nun top dasteht. Mittlerweile bin ich in allen Fachbereichen voll eingearbeitet. Es war eine professionelle und freundschaftliche Übergabe. Michael Strugl hat dafür gesorgt, dass ich sofort loslegen kann.

Mit welchen Zielen treten Sie Ihre Aufgabe an?

Ich nehme mir vor, ein großes Bild von Oberösterreich 2030 zu zeichnen: Wie soll sich unser Land in den nächsten elf Jahren entwickeln, was sind die großen Themen? Da ist ein Punkt die Digitalisierung. Die wird alle Lebensbereiche umfassen. Niemand wird sagen können, da mache ich nicht mit. Vor elf Jahren hätte keiner gedacht, dass wir einmal über ein Telefon drüberwischen werden, um dort etwas zu suchen. So ähnlich wird es 2030 auch sein. Eine Entwicklung wie die digitale Revolution darf man nicht erleiden, sondern man muss sie aktiv gestalten. Hier die richtigen Rezepte – Stichwort Breitbandausbau und vieles mehr – zu finden und umzusetzen, wird eines der großen Ziele sein. Das wird in den verschiedenen Bereichen mit dem Bild 2030 erdacht werden.

Gibt es dazu bereits konkrete Pläne?

Wir werden kommendes Jahr eine Forschungs- und Wirtschaftsstrategie 2030 präsentieren, die wir derzeit mit Stakeholdern, aber auch Experten von außen erarbeiten. Die soll unsere Guideline für die nächsten Jahre sein. Daran wird sich auch das neue Förderregime ausrichten.

Sie übernehmen das Amt nach einer Phase der Hochkonjunktur, der Zenit des Aufschwungs dürfte bereits überschritten sein. Ein Problem?

In der Wirtschaft ist das ein normaler Vorgang, dass sich eine Hochkonjunktur auch wieder abschwächt. Wir gehen 2019 mit 2 Prozent noch immer von einem stabilen Wachstum aus. Wir haben Höchstbeschäftigung, wir haben einen Gründerrekord.

Wie kann man dieses Level halten?

Die Qualifizierung wird der Schlüssel sein. Wir müssen die Menschen qualifizieren für den technologischen Wandel, der sich in allen Bereichen abspielen wird. Wir werden sehr viel tun, auch in der Arbeitsmarktpolitik. Während der Bund das Arbeitsmarktbudget reduziert, verwenden wir die Mittel, um aus den verschiedenen Beschäftigungsruppen mehr Aktivität hervorzubringen. Wir investieren sehr stark in die Jugend. Vor allem dort, wo es Probleme gibt, sie nach der Schule in Arbeit zu bringen. Das ist aber nur ein Teil, unsere Antwort auf den Fachkräftemangel wird ein Gesamtpaket werden, mit dem wir an vielen Stellschrauben drehen werden.

Ihr Vorgänger hat betont, nicht als Politiker in Pension gehen zu wollen. Wie legen Sie ihr Amt an?

Ich habe jahrzehntelang gesagt, dass ich ein Mensch der Wirtschaft und nicht der Politik bin. Das hat sich nun geändert. Ich werde mich davor hüten, zu sagen, wie es weitergeht. Zu allererst habe ich mir vorgenommen, mich voll einzubringen, um OÖ in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Mit dem Standortressort hat man alle Fäden in der Hand, um das Land gut weiterzuentwickeln.