Die Familie ist größter Pflegeplatz

SB-Landesobmann LH a. D. Pühringer: „Es ist höchste Zeit zum Handeln“

Oberösterreichs Seniorenbund-Landesobmann LH a. D. Josef Pühringer und Landesgeschäftsführer Franz Ebner (l.) erneuerten gestern ihre Forderungen für die Zukunft der Pflege.
Oberösterreichs Seniorenbund-Landesobmann LH a. D. Josef Pühringer und Landesgeschäftsführer Franz Ebner (l.) erneuerten gestern ihre Forderungen für die Zukunft der Pflege. © Archivfoto: OÖ Seniorenbund

„Das Jahr 2020 war leider geprägt von der Corona-Krise, daher muss 2021 das Jahr der Pflege werden“, sagte gestern Oberösterreichs Seniorenbundobmann Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, der betonte, dass die Corona Pandemie „auch Schwächen unseres Pflegesystems deutlich sichtbar gemacht hat, vor allem die Auslandsabhängigkeit — insbesondere in der mobilen Pflege“. Die Thematik dulde keinen Aufschub. „Wir standen knapp vor der Kippe des Pflegesystems, das muss eine deutliche Warnung sein — es ist höchste Zeit zum Handeln“, drängt Pühringer auf eine rasche Verbesserung der Lage.

Pflegebedarf steigt rasch

Die demografische Entwicklung sorge zusätzlich dafür, dass ein enormer Anstieg der Zahl pflegebedürftiger Menschen komme. „Bis zum Jahr 2050 werden doppelt so viele über 80-Jährige in Österreich leben wie noch im Jahr 2020. Begünstigt durch den Pensionsantritt der sogenannten Babyboomer in den nächsten Jahren, werden laut Prognosen bis zum Jahr 2050 insgesamt 750.000 Menschen Pflegeleistungen in Anspruch nehmen müssen“, zeichnet Pühringer ein dramatisches Bild. Nach Schätzung des WIFO würden sich die Kosten des Bundes für den Pflegebereich sogar von drei auf neun Milliarden Euro verdreifachen, die Kosten der Länder und der Privatpersonen noch nicht hinzugerechnet.

Rund 947.000 Menschen sind in Österreich direkt an der Pflege und Betreuung eines Familienangehörigen beteiligt. „Der größte Pflegeplatz im Land ist die eigene Familie“, fordert Pühringer einmal mehr die Entlastung der pflegenden Angehörigen, indem das Modell der mobilen Pflegedienste ausgebaut wird.

Dazu komme der steigende Bedarf an Pflegebetreuung, weil bis zum Jahr 2030 mehr als 100.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt würden. Unterstützung kam gestern auch von Hilfswerk-Präsident Othmar Karas, der in einer Aussendung „mehr Kolleginnen und Kollegen für die Pflegekräfte“ fordert: „Eine Ausbildungsoffensive zur Behebung des drastischen Personalmangels in der Pflege ist längst überfällig.“

Sterbekultur ist Thema

„Der Entscheid des Verfassungsgerichtshofes, der die Beihilfe zum Suizid legalisiert“, stößt bei Pühringer und Senioren auf viel Unverständnis. Es geht darum, ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Es darf nicht sein, dass dadurch ein Druck auf ältere Menschen ausgeübt wird. Sie dürfen nicht das Gefühl bekommen, der Gesellschaft zur Last zu fallen.

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Pühringer: „Wie schon Kardinal König gesagt hat, bleibt unser Motto hierfür ,Sterben an der Hand und nicht durch die Hand eines Menschen’. Die Sterbebegleitung der Hospiz- und Palliativeinrichtungen leistet hier schon bisher exzellente Arbeit.“

Von Harald Engelsberger

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